Antony überzeugt bei Betis Sevilla: Der Millionen-Flop von Manchester United wird vom Clown aus der Hölle zur gefeierten Zirkusnummer
VonThomas Gaber
Update 09/05/2025 um 16:06 GMT+2 Uhr
Er sollte Neymar beerben und bei Manchester United die Premier League aufmischen. Doch Antony konnte sich bei den Red Devils in zweieinhalb Jahren nicht durchsetzen und wurde zu Betis Sevilla abgeschoben. In Spanien blüht der Offensivspieler auf, sorgt für eine historisch gute Saison der Andalusier und ist endlich wieder glücklich. Bleibt nur die Frage: Wie geht es für Antony weiter?
Antony nach Finaleinzug: "Musste leiden"
Quelle: Perform
Antony bekam den Ball auf dem rechten Flügel. Anstatt das Spiel schnell zu machen, drehte sich der Brasilianer mit der Kugel am Fuß zweimal um die eigene Achse. Eine nett anzusehende 360-Grad-Pirouette - aber völlig nutzlos, zumal der anschließende Steilpass im Aus landete.
Mit Aktionen wie diesen aus dem Europa-League-Spiel von Manchester United gegen Sheriff Tiraspol im Oktober 2022 (3:0) brachte Antony die Fans der Red Devils in steter Regelmäßigkeit zur Weißglut und ließ TV-Experten kopfschüttelnd zurück. Als "peinlichen Clown" hatte Paul Scholes bei "BT Sports" Antony nach jenem Spiel bezeichnet.
Ein Ausschluss, der den Spieler empfindlich traf. In einem Beitrag für die Zeitschrift "Players Tribune" schrieb Antony: "Wenn du denkst, dass ich nur ein Clown bin, verstehst du meine Geschichte nicht. Ich wurde in der Hölle geboren. Das ist kein Scherz."
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Antony wuchs in Sao Paulo in der Favela Inferninho ("kleine Hölle") auf. Armut und Kriminalität prägten seine Kindheit, der Fußball war das Sprungbrett zu einem besseren Leben. Seine Spielweise basiere auf der Freude mit dem Ball. "Ich wurde als Dribbler geboren. Es ist die Gabe, die mich aus den Slums ins Theatre of Dreams gebracht hat. Ich werde meinen Stil nie ändern", verteidigte er sich.
ManUnited bezahlte 95 Millionen Euro an Ajax Amsterdam
United war Antonys Kunst im Spätsommer 2022 viel Geld wert. 95 Millionen Euro zahlte der Klub an Ajax Amsterdam. Doch unter der Last der Ablösesumme brach der Brasilianer regelrecht zusammen. In 96 Pflichtspielen kam er auf lediglich 17 Scorerpunkte.
Für Furore sorgte er eher in seinem Privatleben. Im Zuge von Gewaltvorwürfen seiner ehemaligen Lebensgefährtin wurde Antony im Herbst 2023 für einen Monat vom Trainings- und Spielbetrieb ausgeschlossen.
Nach dem Ende der letzten Saison suchte United vergeblich einen Käufer für Antony. Der 25-Jährige mutierte mit 200.000 Euro Wochengehalt zum sündhaft teuren Ladenhüter. Gerade mal 135 Premier-League-Minuten absolvierte Antony bis Ende Januar. Ein Ausweg musste her - für beide Seiten. Letztlich biss Betis Sevilla an und lieh Antony bis Saisonende aus.
Kritik von Amorim an Antonys physischer Stärke
In Spanien lief es von Anfang an wie geschmiert. In seinen ersten drei Ligaspielen für Betis wurde Antony jeweils zum "Man of the Match" gewählt, was laut United-Manager Ruben Amorim mit der geringeren Intensität in La Liga zu tun habe.
"Egal, gegen wen man in England spielt, die Körperlichkeit ist da. Wenn du keine Physis hast, wirst du es sehr schwer haben. Antony ist jetzt in Spanien so viel besser. Das liegt an vielen Faktoren, aber ich garantiere, dass es auch an der Körperlichkeit liegt", sagte Amorim bei "TNT Sports". Antonys Berater Junior Pedroso kanzelte dessen Analyse daraufhin als "sehr oberflächlich" ab.
Sein Klient macht derweil konstant positiv von sich reden. Antony schießt für Betis Traumtore am Fließband, ist mit 13 Scorerpunkten in 21 Spielen seit Ende Januar besser als Vinicius jr. und Lamine Yamal und infolgedessen maßgeblich am Höhenflug der "Verdiblancos" beteiligt. Am Donnerstag zog Betis gegen die Fiorentina (2:2 n.V.) ins Finale der Conference League ein - natürlich auch dank Antony, der seine Mannschaft mit einem Freistoßtor in Führung schoss.
Die Zeitung "Marca" bezeichnete Antony als "Wolf im Schafspelz", der "uns alle getäuscht" habe. "Es gab Leute, die hielten ihn für 'tot' und behaupteten, er käme nur nach Sevilla, um Manchester zu entfliehen und ein paar Monate schönes Wetter zu genießen. Doch er hat alle eines Besseren belehrt."
Seine Leistungen könnten ihm auch zu einem Comeback in der Nationalmannschaft verhelfen. Das letzte Mal spielte Antony im März 2023 für die Seleção.
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Antony fand in Sevilla sein Glück wieder
Fotocredit: Getty Images
Betis Sevilla winkt die Teilnahme an der Champions League
Unabhängig vom Ausgang des Finals gegen den FC Chelsea am 28. Mai ist es bereits der größte internationale Erfolg des Vereins. In der Liga läuft es ähnlich gut. Vier Spieltage vor Saisonende liegt Betis unter Trainer-Guru Manuel Pellegrini mit einem Punkt Rückstand auf den FC Villarreal auf Rang sechs.
Da Spanien für die nächste Saison fünf Champions-League-Plätze sicher hat, winkt die zweite Teilnahme an der Königsklasse. Bei der Premiere 2005/06 war nach der Gruppenphase Schluss.
Betis versucht alles, um seinen Unterschiedsspieler zu halten. "Wir wollen ihn fest verpflichten, aber es ist sehr kompliziert", verriet Präsident Ángel Haro gegenüber dem spanischen Radiosender "Cope". Betis hat keine Kaufoption, ohnehin kann sich der finanziell nicht auf Rosen gebettete Klub eine Ablösesumme von mindestens 25 Millionen Euro wohl kaum leisten.
Antony: Beste Entscheidung, nach Sevilla zu kommen
Die Idee: ein weiteres Leihgeschäft. "Wir werden uns mit Vertretern von Manchester United treffen, um die Leihe um ein weiteres Jahr zu verlängern und einen Teil des Gehalts zu übernehmen. Wir müssen aber auch schauen, ob der Spieler und Manchester bereit dazu sind", so Haro.
Der Spieler ist es offenbar. "Ich sage immer, dass es die beste Entscheidung meines Sportlerlebens war, zu Betis zu kommen", erklärt Antony kürzlich: "Ich bin glücklich und wenn ich glücklich bin, läuft es gut. Für mich ist es natürlich wichtig, Tore zu schießen und Vorlagen zu geben, aber glücklich zu sein ist noch wichtiger. Ich habe hier zu mir selbst gefunden."
Da bei Manchester United nach der laut Amorim "schlechtesten Saison seit 50 Jahren" der x-te Kaderumbruch in den letzten Jahren ansteht, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, Antony auch 2025/26 im grünweiß gestreiften Trikot zaubern zu sehen. Es müssen ja keine 360-Grad-Pirouetten sein.
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