Kepa Arrizabalaga konnte einem schon leidtun. Am Sonntagabend trat der 27 Jahre alte Torwart des FC Chelsea den Beweis an, dass man als Schlussmann im Elfmeterschießen eben doch verlieren kann. Weil alle 21 anderen Spieler vor ihm trafen, war er mit seinem Fehlschuss über den Kasten des FC Liverpool im League-Cup-Finale von Wembley die tragische Figur.
Nach dem Spiel nahm jedoch Trainer Thomas Tuchel großmütig die Schuld auf sich - schließlich war es der Coach gewesen, der Kepa erst in der 120. Minute, also der letzten Minute der Verlängerung, für den bis dahin stark haltenden Édouard Mendy eingewechselt hatte.
"Wenn ihr jemandem die Schuld geben wollt, gebt mir die Schuld. Ich treffe die Entscheidungen und ich treffe sie nicht, um der Held zu sein", sagte Tuchel auf der Pressekonferenz.
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Es sei hart für Kepa "und wir fühlen mit ihm, aber geben ihm nicht die Schuld. Wir haben die Entscheidung wie schon vor dem letzten Elfmeterschießen getroffen, weil Kepa mit den Spielern täglich trainiert. Und sie wissen, wie gut er ist", so Tuchel weiter.

Redknapp übt Kritik: "Einfach lächerlich"

Die Vorgeschichte: Chelsea hatte sich im Carabao Cup (oder EFL-Cup, wie der Ligapokal auch heißt) in Runde drei und vier gegen Aston Villa und den FC Southampton jeweils mit dem Spanier im Tor im Elfmeterschießen durchgesetzt - deswegen traf Tuchel erneut die Entscheidung pro Kepa.
Ein Entschluss, den Experte Jamie Redknapp bei "Sky Sports" kritisierte: "Ein typischer Fall von zu gut gemeint. Mendy ist einer der besten Torhüter der Welt. Warum nimmst du ihn also raus? Es ist Nonsense zu denken, man wäre mit Kepa besser dran gewesen. Einfach lächerlich."
Der Spanier sei "nicht mal nahe dran" gewesen, einen Elfmeter zu halten, argumentierte Redknapp - was allerdings nicht stimmt. Bei gleich zwei Schüssen hatte Kepa die Hand am Ball. "Und dann schießt er einen der schlechtesten Elfer, die ich je gesehen habe. Ich hoffe, das begräbt diese Schnapsidee, extra den Ersatzkeeper fürs Elfmeterschießen einzuwechseln", meinte der ehemalige englische Nationalspieler weiter.
Für Kepa war der Abend in Wembley jedenfalls die logische Fortsetzung seiner Achterbahnfahrt als Chelsea-Keeper. 2018 als damals teuerster Torwart der Welt für 80 Millionen Euro von Athletic Bilbao verpflichtet, pendelte der Spanier immer wieder zwischen Tor und Bank. Seit der Ankunft von Mendy im Sommer 2020 ist Kepa nur noch die klare Nummer zwei, darf aber in Pokalwettbewerben immer wieder ran.

Wechselgerüchte: Bleibt Kepa bei Chelsea?

Tuchels Move, Kepa in letzter Minute fürs Elfmeterschießen einzuwechseln, war im Sommer 2021 im UEFA-Supercup beim 7:6 n.E. gegen den FC Villarreal aufgegangen - damals parierte Kepa zwei Schüsse. Mit ihm im Tor gewann man auch 2019 das Europa-League-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt im Elfmeterschießen (5:4). Ebenso führte Kepa die Blues 2019 im EFL-Cup durch parierte Elfmeter gegen Tottenham Hotspur im Finale, wo man dann allerdings 3:4 n.E. gegen ManCity verlor.
Verloren ging auch das Spiel um den UEFA-Supercup 2019 gegen Liverpool (6:7 i.E.) mit Kepa im Tor. Mendys bislang einziges Elfmeterschießen verlor Chelsea im Sommer 2020 im FA Cup gegen Tottenham (5:6 n.E.).
Fragt sich, ob Tuchel künftig weiter auf Wechselspielchen setzt - und ob er dazu weiter beide Keeper zur Verfügung hat. Kepa ist dem Vernehmen nach nicht glücklich mit seiner Ersatzrolle bei Chelsea. Laut "Daily Star" ist das neureiche Newcastle United interessiert und soll ein Angebot über 60 Millionen Euro für den Torwart vorbereiten.
Kepa selbst äußerte sich bislang nicht zu Wechselspekulationen. Seine Devise lautet kurzfristig eher: "Hinfallen und wieder aufstehen. Wir sind enttäuscht nach den großen Anstrengungen in diesem Wettbewerb. Aber wir arbeiten weiter. Danke an die Chelsea-Familie für eure Unterstützung“, schrieb er nach dem Finale von Wembley auf Instagram.
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