Thomas Tuchel bringt PSG auf Touren: Mit Rotation zum Rekord
Acht Spiele, acht Siege - wer bietet mehr? Thomas Tuchel hat für den besten PSG-Start aller Zeiten gesorgt und den Rekord der Ligue 1 aus dem Jahr 1936 eingestellt. Der Trainer hat nicht nur mit seiner Siegesserie Paris begeistert, sondern auch sein Team überzeugt. In einem beeindruckenden Spagat gelingt ihm die perfekte Rotation - sowohl die Superstars als auch die Youngster kommen zum Zug.
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Es ist die Königsdisziplin für Coaches und oft eine Quadratur des Kreises:
Sein Ensemble so zu orchestrieren, dass die Schlüsselspieler im Rhythmus bleiben, gleichzeitig aber auch Ruhepausen akzeptieren, dass Nachwuchstalente ihre Einsatzchancen bekommen und Ergänzungsspieler ihre Qualitäten zeigen können (selbstverständlich ohne dass die Ergebnisse leiden).
Thomas Tuchel ist das mit PSG fast perfekt gelungen, quer durch Frankreich hat ihn sein Siegeszug bislang geführt. Acht Siege, garniert mit jeweils mindestens drei erzielten Toren, sind eine Bilanz, die in der Geschichte der Ligue 1 wie auch in den anderen Topligen Europas ihresgleichen sucht.
Auch die Auftaktniederlage in der Champions League beim FC Liverpool schmälert diesen Eindruck wenig, denn PSG zeigte beim Vorjahresfinalisten zumindest Nehmerqualitäten und kam nach einem 0:2 zurück, erst in der Nachspielzeit fiel der Siegtreffer für die Reds.
Tuchels Bilanz: 25 Spieler, vier Systeme
Noch beeindruckender als die harten Fakten sind aber die weichen Faktoren: Tuchel hat in Paris Topstars wie Talente, Fans wie Führungsriege, Journalisten wie Youtuber auf seiner Seite. Er nimmt mit einer zugewandten, lockeren Art die Menschen für sich ein, in und außerhalb des Klubs. Nichts mehr zu sehen vom teilweise verkniffenen, verkopften Trainer-Professor, wie sein Ruf in Deutschland bei vielen war.
Der Ex-BVB-Trainer führt alle seine Pressekonferenzen in beachtlichem Französisch, stellt sich bei den wenigen Kritikpunkten vor die Mannschaft, setzt mit neuen Trainingsformen überraschende Reize und hat nach vertrauensvollen Einzelgesprächen die Wortführer der Mannschaft für sich gewonnen.
Die Tageszeitung "Le Parisien" hat nun die Einsatzdaten des PSG-Kaders ausgewertet und die Zahlen zeigen, wie Tuchels Einsatzkonzept bislang aussah - und aufging:
In den bislang zehn Pflichtspielen kamen nicht weniger als 25 Spieler zum Zug, davon wiederum 23 Profis mindestens drei Mal in der Startelf. Dazu kommen elf unterschiedliche Torschützen. Die Botschaft: jeder ist wichtig. Keine plumpe Parole, sondern klares Erfolgsrezept: Wie schnell Verletzungen (oder später in der Saison auch Sperren) die Reihen lichten können, erlebt beispielsweise der FC Bayern ja gerade schmerzhaft.
Neuzugang Thilo Kehrer, der am 8. Spieltag gegen Nizza wieder eine Startelf-Chance erhielt, erklärt die Wichtigkeit der Wechselspiele:
Tuchel "hat uns neue Dinge gebracht"
Ganz nebenbei hat Tuchel neben dem klassischen 4-3-3 noch drei weitere Taktiksysteme getestet und dabei Flexibilität bewiesen, die auch im Team gut ankam. Angel Di Maria etwa lobte den Coach nun in höchsten Tönen:
Selbst Neymar fand sich unter Tuchel plötzlich in einer neuen Rolle wieder - und überzeugte:
Tuchel hat sich den Rückhalt seiner Mannschaft bislang tagtäglich erarbeitet, nicht einfach autoritär eingefordert oder mit Blick auf vergangene Erfolge für selbstverständlich erachtet (an Pokalen hat er schließlich nur einen Bruchteil der Trophäen seiner Vorgänger anzubieten).
Genau dafür zollte ihm Weltmeister-Trainer Didier Deschamps nun in der "Welt" Respekt:
Das letzte Puzzleteil für den großen Triumph?
Nun kommen aber die echten Wochen der Wahrheit: Die nächsten Gegner in der Liga sind bis Mitte November u.a. Lyon (in der Champions League Bezwinger von Manchester City) sowie die Renommier-Klubs Marseille, Lille und Monaco, während in der Champions League gegen Roter Stern Belgrad ein Sieg Pflicht ist, um in der Hammer-Gruppe mit Liverpool und Neapel am Ball zu bleiben.
Tuchel weiß, dass er in der heißen Saisonphase im Extremfall fast zwei Teams zur Verfügung haben muss, wenn die Vierfachbelastung beginnt: Ab Mitte Dezember kommt der Coupe de la Ligue hinzu, im Januar 2019 steigt PSG dann noch in den Coupe de France ein. Wenn dann die großen Matches anstehen, die über Titel entscheiden, will der 45-Jährige die Früchte seiner Arbeit der ersten Monate ernten:
Statt eines PSG-Teams, das immer wieder für herausragende Spieler, aber gleichzeitig auch arge Grüppchenbildung innerhalb des Kaders bekannt war, will Tuchel eine echte Mannschaft, in der jeder mit jedem (spielen) kann. Das soll jene Leistungsreserven anzapfen, die PSG bisher fehlten, um neben vielen Titel auf nationaler Ebene als Krönung endlich auch die Champions League zu gewinnen.
Bayern-Routinier und Triple-Gewinner Rafinha hat genau diesen oft unterschätzten aber entscheidenden Erfolgsfaktor unlängst in einer Dokumentation so beschrieben:
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