Lionel Messis Präsentation bei Paris Saint-Germain wird zur Schmierenkomödie: Gekaufte Emotionen
PSG, das mit Katar-Millionen aufgepumte Superstar-Konstrukt, hat eine neue Mega-Attraktion: Lionel Messi. Am Mittwochmorgen wurde der langjährige Ausnahmespieler des FC Barcelona in der französischen Hauptstadt vorgestellt. Die Veranstaltung verkam -wie erwartet - zu einer schmierigen Komödie, die Fußballromantikern einen Schauer über den Rücken gejagt haben dürfte.
Lionel Messi bei seiner Vorstellung in Paris
Fotocredit: Getty Images
Die Tränen, die noch vor wenigen Tagen über die glattrasierten Wangen Lionel Messis gekulltert waren, sind getrocknet. Ruhig, beinahe schüchtern ob des enormen Tamtams, das für ihn inszeniert wurde, sitzt er nun auf dem Podium.
Gehüllt in schicken Zwirn lauscht der sechsmalige Weltfußballer zunächst den weichgespülten Schablonensätzen seines neuen Bosses Nasser Al-Khelaifi, ehe er selbst die ersten Worte als PSG-Spieler an die Welt richtet.
"Glücklich" sei er nach den aufreibenden Tagen zuletzt, nun in Paris spielen zu dürfen, Messi dankt jedem, der in diesen "historischen" Deal (Al-Khelaifi) involviert war: Al-Khelaifi, Sportdirektor Leonardo, Trainer Mauricio Pochettino und natürlich seinen "vielen Freunden", die schon länger ihre Schuhe für den neureichen Klub von der Seine schnüren.
Der schnöde Mammon, der eigentliche Hauptverantwortliche, ohne den der Transfer niemals zustande gekommen wäre, wird in Messis Dankesrede hingegen ausgelassen.
PSG mit unglaublichem Transfersommer
"Ich bin immer noch so hungrig wie am ersten Tag", sagt Messi und schiebt nach: "Dieser Klub will Titel gewinnen - das will ich auch."
Gemeint ist natürlich ausschließlich die Champions-League-Trophäe, die sich trotz der kostspieligen Investitionen der vergangenen Jahre immer noch sträubt, ihren Weg unter den Eiffelturm zu finden. Obwohl Paris laut Messi "der beste Ort" sei, um den Henkelpott zu holen.
Wirft man einen Blick auf den Kader, mag "La Pulga" recht haben. Mittlerweile dürfte nominell kein anderer Verein an die Qualität der Pariser heranreichen. Damit es endlich mit dem ersehnten Henkelpott klappt, wurden Neymar und Kylian Mbappé in diesem Sommer Sergio Ramos, Gianluigi Donnarumma, Georginio Wijnaldum, Achraf Hakimi und eben Messi, der GOAT höchstpersönlich, an die Seite gestellt.
Jetzt gebe es vor allem für Mbappé, der offenbar regelmäßig mit seinem Wunsch nach besseren Mitspielern an die Verantwortlichen herangetreten war, "keine Ausrede" mehr, sagt Al-Khelaifi.
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Lionel Messi läuft fortan für PSG auf
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Wie es inmitten einer Pandemie, die nun seit anderthalb Jahren wütet und erhebliche Negativeinflüsse auf Wirtschaftsunternehmen, also auch Fußballvereine, nimmt, gelingt, ein derartiges Ensemble zusammenzustellen? Mit zum Bersten gefüllten Kassen durch Fremdinvestoren.
Während Klubs, die nicht von ausländischen Firmen, Oligarchen oder Scheichs alimentiert werden, den finanziellen Gürtel in Zeiten von Corona auf Wespentaillen-Format schnallen müssen, geben allen voran ManCity, Chelsea und Paris Saint-Germain Geld mit vollen Händen aus.
Karl-Heinz Rummenigge äußert Kritik
Ein Umstand, der auch Ex-Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge sauer aufstößt. "Sie können im Endeffekt machen, was sie wollen", sagt er mit Blick auf die einkaufsfreudigen Superreichen im Gespräch mit der "Sport Bild".
Das Financial Fairplay der UEFA, das einen unlauteren Wettbewerb eigentlich verhindern soll, aber regelmäßig umgangen oder durch Klagen vor dem CAS ad absurdum geführt wird, bedürfe Rummenigge zufolge eine weitere Reform.
"Wir haben nun Financial Fairplay 2.0. Aber ich betone: Wir brauchen eine Version 3.0, welche einen konkreten Strafenkatalog beinhaltet", fordert Rummenigge und ergänzt: "Es muss hier klare Bestimmungen für alle geben, die nicht mehr durch irgendwelche Tricks oder Hintertürchen umgangen werden."
PSG-Boss spricht über Financial Fairplay
Auf die Journalistenfrage, wie die Messi-Verpflichtung mit ebenjenem Financial Fairplay zu vereinbaren sei, kontert Al-Khelaifi indes mit einem Grinsen.
Er bedankt sich für die Frage, auf die er eigenen Angaben zufolge nur gewartet habe. "Wir sind immer darum bemüht, das Financial Fairplay einzuhalten. Vor dem Messi-Transfer haben wir unsere Zahlen geprüft und abgewogen, ob es möglich ist. Es war möglich, sonst hätten wir es nicht gemacht."
Weil die Prüfer womöglich mit besagten Tricks und Hintertürchen vertraut sind?
Der Gipfel der Komödie
Im weiteren Verlauf der Messi-Vorstellung wird das Ganze nicht weiter thematisiert. Er, der für viele Fans Beste der Geschichte soll im Mittelpunkt stehen – nicht das lästige Drumherum. Und so reiht Messi Worthülse an Worthülse, schwadroniert über neue Kapitel, den Einfluss Neymars auf seine Entscheidung, Paris als Wohlfühloase für die ganze Familie, ehe die wartenden Fans ihrem neuen Idol draußen mit "Messi, Messi"-Sprechchören huldigen.
Dann, ganz zum Schluss, hält Messi seine künfigte Arbeitskleidung in die Kamera. Einige Männer im Saal, die sich eine journalistische Akkreditierung erschlichen haben, skandieren jetzt lauthals seinen Namen - der absurde Gipfel der Show.
Kameras surren, Handys zoomen, Fotoapparate klicken. Messi grinst auf Kommando. Die Tränen aus Barcelona sind vergessen, der Vorhang fällt. Die Schmierenkomödie ist vorbei.
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