Mario Götze spielt mit der deutschen Nationalmannschaft in München gegen Italien

Wenn Deutschland gegen Italien antritt, ist das ein Test fürs DFB-Team und mehr als ein Test für Mario Götze. Es ist seine Bühne, ausgerechnet in München, seiner sportlichen Heimat, in der er stets fremdelte. Die Karriere beim FC Bayern könnte enden, Borussia Dortmund locken. Beim Italien-Spiel richten sich alle Augen auf Götze. Er kann und muss sich zeigen - auch für Carlo Ancelotti.

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Ach Gott, dieser Spruch. Womöglich hat sich Joachim Löw selbst mal gefragt, ob es die paar Worte, die er Mario Götze an jenem 13. Juli 2014 ins Ohr murmelte, wirklich gebraucht hat. Weil in ihrer Sog-Wirkung ja fast jede vernünftige Bewertung erstickt wird.
Dabei würde es für den Anfang schon reichen, wenn Götze nicht "besser als Messi" ist, wie Löw seinem Spieler vor dessen Einwechslung im WM-Finale zuraunte. Besser als der fünffache Weltfußballer Lionel Messi sein, das ist unmöglich in diesen Zeiten, über Messi gibt es keine Ebene, nur den Zuschauerrang, eine Loge zum Beobachten und Bewundern.
Götze aber, der mal als "deutscher Messi" gehandelt beziehungsweise gehypt wurde, dieser noch immer 23-Jährige soll nun zeigen, dass er besser ist als Francesco Acerbi. Und Davide Astori. Und, um in ähnlichen Positionsregionen zu flanieren: besser als Antonio Candreva. Und so weiter.

64 Spielminuten im Jahr 2016

Wenn Deutschland gegen Italien antritt (am Dienstag ab 20:45 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de), ist das ein Test für die DFB-Auswahl und weit mehr als das für Götze. Sein 50. Länderspiel dient als Bühne, und darüber könnte er sich eigentlich freuen. Andererseits beinhaltet diese Bühne eine durchaus beißende Ironie: Deutschland gegen Italien findet in München statt, in der Allianz Arena, seit bald drei Jahren die sportliche Heimat Götzes. Wohlig warm wurde ihm dort nie.
Jetzt Italien. Alle Augen auf ihn. Berufsrisiko.
"Auf jeden Fall von Anfang an" werde der Offensivmann auflaufen, hat Bundestrainer Löw bereits vor der 2:3-Niederlage gegen England ausrichten lassen, "diese Spielpraxis muss ich ihm geben". Götze dankt artig. Im Kalenderjahr 2016 hat er ganze 64 Minuten das gemacht, wofür er bezahlt wird: Fußball vor einem Millionenpublikum aufführen. Zehn Minuten bei der England-Pleite (er trat nicht in Erscheinung), und 54 Minuten beim Bundesligasieg des FC Bayern über Werder Bremen (er trat nicht oft in Erscheinung). Diese Partie stieg übrigens in der Allianz Arena.

Vor der Verletzung überzeugte Götze

Dass Götze so absackt, war nicht zu erwarten. Nicht damals, als er im Stile eines Chartstürmers von null auf eins preschte. Und auch 2013 nicht, als er von Borussia Dortmund nach München wechselte. Erst danach stagnierte die Flucht nach vorne. Im vergangenen Herbst, zu Beginn seiner dritten FCB-Saison, hatte sich Götze endlich profiliert und etabliert - dann folgte ein Muskelsehnenausriss beim DFB-Auftritt in Wales.
Vergessen ist inzwischen, dass Götze zuvor bei den wichtigen EM-Qualifikationspartien gegen Polen und Schottland überzeugte, nicht vergessen ist Löws Messi-Spruch; das allein verdeutlicht, was dem jungen Mann so zugetraut wird. "Man leidet ein bisschen mit", erklärte Götzes früherer BVB-Kollege Mats Hummels im "ZDF", während Bayerns Thomas Müller in Thomas-Müller-Manier sagte: "Mario scheint mit seiner Situation nicht ganz zufrieden zu sein." Eine rührende Untertreibung.

In München, für München

Löw hat sich daher für eine längere Unterredung mit seinem WM-Entscheider entschlossen, sie diskutierten über dieses und jenes, auch ein Wechsel sei "zentrales Thema" gewesen, wurde hinterher in ungewohnter Offenherzigkeit verraten. Passend dazu enthüllte die "Süddeutsche Zeitung", dass ein Rück-Transfer nach Dortmund offenbar Götzes Wunschvorstellung wäre. Hummels dazu:
Ganz gefährlich, diese Vokabel: potentiell. Sie suggeriert den Konjunktiv, eine Kluft zwischen dem Wollen und Können. Gegen Italien wird Götze nicht die Fußballwelt einreißen, und doch ist das Duell eine Chance, sich in Erinnerung zu rufen. In München. Für München. Einstweilen und zwangsläufig.
Im Sommer ist der ungeliebte Pep Guardiola dort Geschichte, mit Carlo Ancelotti kommt ein völlig anderer Typ Trainer, kein Asket, eher ein Lebemann. Weltmeister-Coach Löw ist nichts von beidem, er rät Götze allerdings zum Gespräch mit dem Neuen: "Das wird das Allerwichtigste und sollte das Allererste sein."
Vor den Worten sind Taten anberaumt. München ruft. Vielleicht zum letzten Mal.
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