Serie A: Meister AC Mailand im freien Fall - die Gründe für den Absturz der Rossoneri
Der AC Milan befindet sich in der Serie A im freien Fall. Nur eines von acht Spielen konnte die Rossoneri im Jahr 2023 gewinnen, in der Tabelle rutschte der amtierende italienische Meister bis auf Rang sechs ab und droht nun das Minimalziel zu verpassen. Müde und formschwache Leistungsträger, ein Trainer auf dem Hotseat und die typisch aggressive Medienlandschaft. In Mailand brennt's gewaltig.
Divock Origi auf dem Boden nach der Niederlage gegen Inter Mailand
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Hängende Köpfe, wütende Anhänger und vernichtende Presse.
Das Derby della Madonnina sollte für den AC Mailand zum großen Befreiungsschlag werden, entpuppte sich aber als ultimativer Frustbooster.
Nur 18 Tage nach der 0:3-Pleite im Finale der Supercopa unterlagen die Rossoneri erneut Stadtrivale Inter (0:1) und verlieren in der Tabelle langsam aber sicher den Anschluss.
"Milan Adieu, der Kaiser von San Siro ist Inter Mailand", titelte "Tuttosport". "König Lautaro versenkt Milan. Inter strotzt vor Stolz, während Milan in den Abgrund stürzt”, kommentierte die "Gazzetta”.
AC Mailand: Unsanft zurück auf dem Boden der Tatsachen
Fünf Ligaspiele in Folge ist der amtierende Meister nun schon ohne Sieg, die Niederlage gegen Inter war bereits die dritte in Serie. Dass man nach dem 0:4 bei Lazio Rom und der 2:5-Heimklatsche gegen US Sassuolo im Derby immerhin nur einen Gegentreffer kassierte, dürfte niemanden im Milan-Lager zuversichtlich stimmen.
Die Ansprüche in der Modemetropole sind aufgrund des Scudettos 2022 gestiegen. Milan war plötzlich zurück im Konzert der ganz Großen, erinnerte zuweilen an glorreiche Zeiten, als nationale wie internationale Titel zum Tagesgeschäft gehörten.
Nun wird der stolze Klub unsanft zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Ein Absturz, der schwer zu erklären ist. Einfacher wird es, wenn man ihm eine simple Annahme zugrunde legt: Der AC Mailand hat im Meisterjahr schlichtweg überperformt.
In dieser Saison stößt die Mannschaft mehr und mehr an ihre natürlichen Grenzen.
Aus vielfältigen Gründen.
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Inter Mailand - AC Mailand
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Stefano Pioli gerät unter Druck
Da wäre zum einen die Verletzung von Stammkeeper Mike Maignan, die dem Defensivverbund sichtlich zusetzt. Sein Ersatzmann Ciprian Tatarusanu macht nicht immer den sichersten Eindruck.
Ein weitaus größeres Problem ist aber die generelle Kadertiefe. Trainer Stefano Pioli hat kaum funktionierende Bankspieler, was die Spielweise der Rossoneri aber dringend erforderlich macht.
"Milan spielt intensiven, fast wilden Fußball: Wenn es keine Intensität gibt, ist es eine Katastrophe", erklärt Carlofilippo Vardelli, Milan-Experte von Eurosport Italien in Mailand. "In den letzten Spielen bauten die Rossoneri mit fortlaufender Spielzeit oft ab, weil sie zu lange auf dem Platz waren. Dadurch kommen die Gegner zu sehr einfachen Toren."
Pioli hat als Trainer die Verantwortung für die Herangehensweise seiner Mannschaft, muss entgegenwirken, wenn es nicht läuft und Lösungsansätze finden. Der Druck auf den Meistertrainer wächst jedenfalls stetig. "Pioli spielt um alles", hieß es schon vor der Partie gegen Inter Mailand in der italienischen Presse.
Nach der Niederlage gegen Sassuolo habe es ein Treffen mit Paolo Maldini, seines Zeichens technischer Direktor beim AC Mailand, gegeben. Ein klares Indiz dafür, dass Pioli unter Beschuss steht. Sollte er die Champions-League-Qualifikation verpassen, hätte er mit großer Sicherheit keine Zukunft mehr in San Siro.
Charles de Ketelaere: Eine einzige Enttäuschung
Doch nicht nur Piolis Rolle wird derzeit hinterfragt - etliche Spieler bleiben aktuell hinter den Erwartungen zurück. Die größte Enttäuschung der Saison ist sicherlich Charles De Ketelaere.
Der 21-Jährige kam für satte 36 Millionen Euro als Königstransfer von Club Brügge und bekommt bislang keinen Fuß auf den Boden. In 20 Serie-A-Spielen stand der Belgier nur sechs Mal in der Startelf, wurde elf Mal eingewechselt. Seine Ausbeute: eine magere Torvorlage.
Im Gespräch mit "The Athletic" stärkte ihm Maldini kürzlich den Rücken: "Er hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Wir dürfen ihn nicht nach fünf Monaten bewerten." Maldini hat insofern recht, dass der Belgier in Zukunft natürlich durchaus noch die erhoffte Verstärkung für das offensive Mittelfeld sein kann - Stand jetzt ist er diese aber noch nicht.
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Charles de Ketelaere - AC Milan
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Müde Vizeweltmeister und das Leão-Problem
In der Verteidigung läuft zudem die Zeit von Simon Kjaer langsam ab, während man Außenverteidiger Theo Hernández und Stürmer Olivier Giroud die Müdigkeit nach den Strapazen der Weltmeisterschaft in Katar deutlich anmerkt.
Und dann wäre da noch das Problem mit Rafael Leão. Der Linksaußen war einer der Erfolgsgaranten in der vergangenen Saison, traf in 34 Ligaspielen elf Mal und legte zehn Treffer auf. In dieser Saison hat er "etwas von seiner Brillanz verloren", wie es Pioli kürzlich ausdrückte. Obwohl seine Statistiken immer noch vorzeigbar sind (20 Spiele, acht Treffer, sechs Assists), stand der Portugiese in den vergangenen beiden Ligaspielen nicht mehr in der Startelf, wurde jeweils in der zweiten Halbzeit eingewechselt.
Laut Carlofilippo Vardelli hat auch die ungeklärte Vertragssituation Leãos einen Einfluss auf dessen Leistungen auf dem Feld haben. "Diese Unsicherheit über die Zukunft helfen ihm nicht beim glänzen", so Vardelli. Leãos Vertrag läuft im Sommer 2024 aus, die Rossoneri würden gerne mit dem 23-Jährigen verlängern. Die Gespräche sollen sich bisweilen aber schwierig gestalten.
Das Verpassen der Champions League in der kommenden Spielzeit würde die Verhandlungsposition des AC Milan keineswegs stärken - im Gegenteil.
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