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Eisiger Willkommensgruß an Nübel: Das steckt hinter Neuers Aussagen

Eisiger Willkommensgruß an Nübel: Das steckt hinter Neuers Aussagen

06/01/2020 um 14:10Aktualisiert 06/01/2020 um 14:49

Manuel Neuer, Star-Keeper des FC Bayern München, hat sich im Trainingslager in Doha erstmals öffentlich zum Transfer von Alexander Nübel geäußert, der im Sommer ablösefrei von Schalke 04 zum deutschen Rekordmeister wechselt. Neuer hielt sich eher kurz und kompakt, die Bedeutung hinter seinen Aussagen geht allerdings viel tiefer.

Aus Doha berichtet Daniel Rathjen

Mit Spannung wurde am Montag der Auftritt von Manuel Neuer im "Elite-Meeting"-Raum des Bayern-Teamhotels in Doha erwartet. Viel war zuvor spekuliert worden: Betrachtet er den Sommer-Transfer von Alexander Nübel als Affront? Steht deshalb gar seine Vertragsverlängerung auf dem Spiel?

Mit einem lockeren Lächeln auf den Lippen ließ sich der 33-Jährige in den roten Samtsessel mit goldener Verzierung fallen und brachte schnell Klarheit. Dabei hielt er seine Sätze kurz und prägnant - die Bedeutung dahinter reicht allerdings weiter.

Neuer hebt Ulreich hervor

Was Neuer sagte: "Alexander Nübel ist ein Top-Torwart. Aber wir haben hier auch schon gute Torhüter. Sven Ulreich zum Beispiel hat Top-Leistungen gebracht, als er mich vertreten hat."

Die Bedeutung: Überraschend deutlich hob Neuer seinen Kollegen Ulreich hervor. Dieser hat sich immer vorbildlich verhalten, den Teamgedanken gelebt und Neuer als Nummer eins jederzeit Respekt entgegengebracht. Auch nachdem Neuer in der Vor-Saison viel verletzt war und Ulreich zum Stammkeeper avancierte, stellte er keinerlei Ansprüche. Neuer schätzt das ungemein und erwartet Nübel in einer ähnlichen Rolle. Für ihn steht fest: Kommt Nübel, dann als Nummer zwei, die sich wie eine Nummer zwei zu verhalten hat. Er selbst steht aufgrund seiner großen sportlichen Verdienste über dem Nübel-Transfer, Frust von Ulreich könnte er eher gut verstehen.

Neuer: "Ich bin kein Statist"

Was Neuer sagte: "Ich bin Profi, ich will immer spielen. Ich bin kein Statist, sondern Protagonist."

Die Bedeutung: Es ist als starkes Statement zu verstehen und zeigt, wie Neuer sich selbst in der letzten Phase seiner aktiven Karriere noch definiert. Er ist weiter ehrgeizig und sieht sich bei weitem nicht in der Rolle, eines "Lehrers" für den Nachwuchs. Er ist nicht bereit, auch nur einen Zentimenter von seinem Platz zwischen den Pfosten zu weichen. Das wird er intern auch den Verantwortlichen klarmachen. Der Rückhalt in der Mannschaft ist für den Kapitän ohnehin riesig. Sie geben ihm das Gefühl, mit ihm im Tor sicher und glücklich zu sein. Das und seine immense Erfahrung geben ihm enorm viel Selbstbewusstsein, das dann letztlich auch zu so einer Aussage führt.

Manuel Neuer (links) und Alexander Nübel ab Sommer gemeinsam beim FC Bayern München

Manuel Neuer (links) und Alexander Nübel ab Sommer gemeinsam beim FC Bayern MünchenImago

Neuer kann Nübel-Transfer nicht nachvollziehen

Was Neuer sagte: "Ich kann mich nicht in Alexander Nübel hineinversetzen. Aber ich wollte immer die Nummer eins sein. Ich wollte immer spielen."

Die Bedeutung: Neuer versteht den Wechsel eigentlich nicht, denn Nübel wechselt aus seiner Sicht als klare Nummer zwei nach München. Zwischen den Zeilen wird ganz klar, dass so ein Schritt für einen ambitionierten Torwart der deutschen Fußball-Zukunft überhaupt nicht infrage kommt.

Neuer spricht sich für Flick aus

Was Neuer sagte: "Der Transfer ist unerheblich für meine Vertragsverlängerung. Es macht sehr viel Spaß mit Hansi Flick zusammenzuarbeiten. Es ist ausschlaggebend, wer in der Zukunft Trainer wird."

Die Bedeutung: Ein Vereinswechsel steht für ihn nicht zur Debatte. Träume vom Ausland, die zwischendurch vielleicht mal als Gedanke durch seinen Kopf schwirrten, sind kein Thema mehr. Neuer will seine Karriere als Nummer eins des FC Bayern München beendet und sieht sich in der Lage, sein Niveau auch noch mit 36 Jahren (so alt wäre er, wenn die angedachte Vertragsverlängerung bis 2023 zustande kommt) zu halten. Es ist kein Geheimnis, dass er noch mal die Champions League gewinnen möchte und plädiert deshalb für Flick als Chefcoach über den Sommer hinaus. Unter ihm blüht der Mannschaftsgeist gerade wieder so richtig auf, die Stimmung ist ausgezeichnet, der offensive Spielstil passt perfekt zum Kader. Neuer sieht den Verein auf einem guten Weg, der unbedingt weitergeführt werden soll. Natürlich mit ihm als Nummer eins, versteht sich.

Neuer zeigt sich verärgert

Was Neuer sagte: "Brazzo und ich saßen zu zweit hinter verschlossenen Türen. Bei mir kommt nichts raus. Bei mir kommt nichts raus, alle anderen sollen machen, was sie wollen."

Die Bedeutung: Hier zeigt sich, worüber sich Neuer tatsächlich maßlos ärgert. Über die unter anderem in der "Sport Bild" veröffentlichten Inhalte des Gesprächs nämlich: Das Job-Sharing zwischen den Bayern-Pfosten, die Nennung der Mindestanzahl von mindestens 15 Spielen pro Saison. Neuer muss denken, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic diese Details verraten hat. Ohne ihn direkt anzugreifen - er ist schließlich clever genug - verteilt er seinen Seitenhieb eher indirekt. Ein möglicher Weg wäre: Salihamidzic und Neuer sprechen, Salihamidzic erzählt Nübel-Berater Stefan Backs davon und dann nehmen die Geschichten ihren Lauf. Es ist reine Spekulation, aber dass Neuer sauer über die Veröffentlichungen generell ist, ist nachvollziehbar.

Video - Wieviel Unruhe erzeugt der Nübel-Transfer bei Bayern?

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