Missverständnis: Leihe von Adnan Januzaj von Manchester United zum BVB wird vorzeitig beendet

Erst Ende August hatten sich Manchester United und Borussia Dortmund auf eine einjährige Leihe des Top-Talents Adnan Januzaj geeinigt, nun erklären beide Teams das Intermezzo vorzeitig für beendet. Der 20-Jährige kehrt in der Winterpause zurück nach England und soll die schwächelnde Offensive der "Red Devils" verstärken. Warum Januzaj in Dortmund keinen Fuß auf den Boden bekam, bleibt ein Rätsel.

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Die Vorfreude auf beiden Seiten war groß. Sowohl Verein als auch Fans versprachen sich einiges vom vielseitig einsetzbaren Belgier, der nach dem Abgang von Kevin Kampl zu Saisonbeginn die Lücke im Mittelfeld der Borussia perfekt zu füllen schien. Schnell, technisch beschlagen, ein "Mini-Robben" - so stellte man sich den Youngstar in Schwarz-Gelb vor.
Doch das Experiment Januzaj beim BVB ist gescheitert. So etwas passiert bei jungen Spielern, gerade dann, wenn sie sich auf hohem Niveau in einem neuen Umfeld blitzschnell beweisen müssen. Am Ende wird man das Kapitel, genau wie bei Vorgänger Kampl, der Akte "Missverständnisse" zuordnen.

Potential unverkennbar

Sein Debüt im Dortmund-Trikot feierte Januzaj in einem Testspiel am Millerntor gegen den FC St. Pauli. Der BVB gewann mit 2:1 - Januzaj machte sofort Werbung in eigener Sache. Mit einer sehenswerten Einzelaktion, als er den Ball mit der Sohle vorbei an seinen Gegenspieler zog und von der Strafraumgrenze trocken ins lange Eck schoss, erzielte er das zwischenzeitliche 2:0 - der Traumstart war perfekt.
Auch Trainer Thomas Tuchel hatte nach dem Spiel nur lobende Worte für seinen neuen Mann übrig: "Dafür, dass wir ihn einfach rein geschmissen haben, hat Adnan das sehr gut gemacht". Das Potential des 20-Jährigen war unverkennbar, doch mit den stärkeren Gegnern in Bundesliga und Europa League wurden die Leistungen deutlich schlechter.
Seine Chancen bekam er in insgesamt sechs Kurzeinsätzen in der Bundesliga, nutzen konnte er sie aber nie richtig. Von Beginn an durfte er kein einziges Mal ran. Insgesamt heißt das 159 Minuten Borussia Dortmund mit Adnan Januzaj auf dem Platz. Mit Blick auf die Europameisterschaft in diesem Jahr in Frankreich sicherlich zu wenig, um den erhofften Platz im Kader der Belgier zu sichern.

Mit dem Kopf durch die Wand

Zwar ließ Januzaj ab und an auch in der höchsten deutschen Spielklasse sein Talent sowie seine exzellenten technischen Fähigkeiten aufblitzen, wollte aber meist mit dem Kopf durch die Wand, dribbelte sich auf dem Flügel immer wieder fest und nahm so das Tempo aus dem schnellen Umschaltspiel der Dortmunder.
In der Europa League versuchte Tuchel dem Belgier die nötige Spielpraxis zu verschaffen, gegen Krasnodar und PAOK Saloniki stand er jeweils in der Startformation. Der Knoten platzte aber nicht. Keine auffälligen Aktionen, kaum erfolgreiche Dribblings. Bei der Heimniederlage am letzten Gruppenspieltag gegen PAOK (0:1) zeigte er eine unterirdische Leistung.
Einzige Scorerpunkte in der Liga bleiben seine beiden Assists gegen Darmstadt und in Hamburg, die Pierre-Emerick Aubameyang jeweils veredelte. Ein richtig gutes Spiel oder gar ein Tor wollte Januzaj aber nicht gelingen.

Rückholaktion für beide Vereine sinnvoll

Erst war die Leihgabe von Manchester United noch Tuchels erste Wahl, wenn es Mitte der zweiten Hälfte zu den ersten Wechseln kam, ab Mitte der Hinrunde setzte der Trainer dann jedoch eher auf Adrian Ramos, Lukas Piszczek oder Sven Bender. Januzaj kam nur noch in einer der letzten sieben Begegnungen zum Einsatz, zuletzt stand er sogar zwei Mal gar nicht erst im Kader. Dass Spieler mit den Anlagen Januzajs sowie Vereine mit den Ansprüchen der Borussia damit nicht zufrieden sein können, erklärt sich von selbst.
Manchester United dürfte die schwache Form von Januzaj in die Karten spielen, schließlich erleichtert das ein vorzeitiges Loseisen des Spielers vom BVB. In der Offensive der "Red Devils" hapert es in dieser Saison gewaltig (24 Tore in 20 Spielen), sodass die Truppe von Trainer Luis van Gaal die Unterstützung des belgischen Talents, das bereits am zweiten Spieltag den 1:0-Siegtreffer für Manchester United gegen Aston Villa erzielte, gut gebrauchen kann.
Der BVB hingegen besaß keine Kaufoption für Januzaj, hätte bei einem Kaufvorhaben mit dem Stammverein aus Manchester verhandeln müssen. Dementsprechend mussten die Dortmunder nicht zwingend den Aufwand betreiben, ihren Leihspieler in Form zu bringen und können stattdessen eigenen jungen Talenten wie Felix Passlack und Christian Pulisic (beide 17 Jahre alt) die Chance geben, den nächsten Schritt zu machen.

Neuzugänge im Winter kein Muss

Dass der BVB trotz des Abgangs von Jonas Hofmann zu anderen Borussia nach Gladbach nun auch noch Januzaj ziehen lässt, ist eine mutige Entscheidung, zeigt aber auch das Vertrauen der Verantwortlichen in den aktuellen Kader. Sportdirektor Michael Zorc bestätigte zwar, dass er nach dem Abgang Januzajs "die Augen weiter offen halten" werde, "vielleicht etwas intensiver als sonst", Neuzugänge seien dennoch "kein Muss".
Einen weiteren Spieler abzugeben sei laut Zorc nicht vorgesehen:
Im Fall Januzaj sei es "für beide Seiten nicht unbedingt zufriedenstellend gelaufen".
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