Bastian Schweinsteiger mit Tor bei Startelf-Comeback: So geht's bei Manchester United weiter

Bastian Schweinsteiger war der Mann des Abends beim FA-Cup-Sieg von Manchester United über Wigan Athletic: erster Startelf-Einsatz seit 386 Tagen, erste Torvorlage seit 522, erster Treffer seit 429. "Schweinsteiger is back in Business", twitterte Lukas Podolski, aber die Frage lautet: Ist er das wirklich? Auch wenn sich José Mourinho zu ein paar Nettigkeiten herabließ, dürfte sich wenig ändern.

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Lauter wurde das Old Trafford an diesem Abend nicht. Bastian Schweinsteiger hatte ein Tor erzielt, ein bildschönes obendrein, sein eigenwillig interpretierter Rückzieher zum 4:0 (1:0) über Wigan Athletic komplettierte die Geschichte dieses FA-Cup-Spiels - so rührselig, dass sich sogar José Mourinho einen Mundwinkelzucker abrang.
Lediglich zwei Einwechslungen waren Schweinsteiger in dieser Saison vergönnt gewesen, am 30. November für vier Minuten im Ligapokal gegen West Ham United (4:1) und am 7. Januar für zwölf Minuten im FA Cup gegen den FC Reading (4:1). Nun, an diesem 29. Januar, durfte der Weltmeister starten, erstmals seit über einem Jahr; am 9. Januar 2016 hatte er zuletzt für United begonnen, sich am Knie verletzt und lange gefehlt.
Genau genommen bis zu jener Old-Trafford-Entzückung gegen Wigan. Zwischendurch war er ja gänzlich raus, bei der Manchester-Reserve und im Individualtraining beschäftigt, vor allem aber: tapfer lächelnder Tribünengast mit Hang zu Selfies.
Dann kam Wigan, die erste Startelf-Nominierung seit 386 Tagen, die erste Torvorlage (auf Marouane Fellaini/44. Minute) seit 522 und der erste Treffer (81.) seit 429. Zudem waren Chris Smalling (57.) und Henrich Mchitarjan (74.) erfolgreich, während Schweinsteiger neben Comeback, Assist, Rückzieher mit einem kuriosen Tennisjubel auffiel - unklar bloß, wem die Geste galt. Old Trafford applaudierte begeistert.
Mourinho wirkte weniger euphorisch, als er generalstabsmäßig in die Kameras sprach: "90 Minuten waren vielleicht zu hart, ab der 65. wurde es schwieriger, aber es war wichtig für ihn. Ich glaube, Bastian ist glücklich." War er spätestens nach der frohen Botschaft vom Coach: "Schweinsteiger bleibt und wird im Kader für die Europa League sein, weil wir Plätze frei haben. Im Mittelfeld haben wir nicht viele Optionen, er ist eine davon." In der Hinrunde hatte United auf eine internationale Meldung des 32-Jährigen verzichtet.
"Schweinsteiger is back in Business", twitterte also Lukas Podolski, aber die Frage lautet: Ist er das wirklich?
Unser englischer Eurosport-Kollege Alex Chick zweifelt. Gewiss, United ist in vier Wettbewerben vertreten (Premier League, Europa League, FA Cup, Ligapokal), "es gibt viele Partien. Ich bin sicher, dass Schweinsteiger seine Einsätze erhält, einfach als Teil des Rotationsprinzips. Aber wäre morgen ein Cup-Finale, würde das Mittelfeld so aussehen: Michael Carrick, Ander Herrera, Paul Pogba."
Morgen ist kein Cup-Finale, dafür am 26. Februar, wenn der FC Southampton im Ligapokal wartet. Unwahrscheinlich, dass Schweinsteiger dann eine ähnlich dominante Position einnimmt - obwohl sich Mourinho zu weiteren Nettigkeiten herabließ:
Das mag schon stimmen, dennoch hat Journalist Chick seine Bedenken. "Ehrlich gesagt wäre ich überrascht, wenn eine gute Leistung gegen eine zweitklassige Mannschaft die Dinge dramatisch ändert", sagt er. Wigan ist Viertletzter der zweiten englischen Liga, ein Gradmesser darf das nicht sein. Reicht Schweinsteigers Leistungsvermögen noch für das höchste Niveau?
Für die "Sun" war die Vorstellung ein "Paukenschlag", der "Mirror" titelte: "Schweinsteiger lebt immer noch." Der "Independent" aber nörgelte, dass Schweinsteigers Spiel "mit Rost" überzogen gewesen sei, und die "Daily Mail" insistierte, der Deutsche habe seinen Job nur "auf den ersten Blick" gut erledigt.
Chick sagt:
In der Europa League geht's als Nächstes gegen den AS Saint-Etienne, im FA Cup steht das Achtelfinale an, und in der Premier League gastiert Hull City am Mittwoch in Manchester. Alles andere als eine Komparsenrolle wäre erstaunlich, trotz Schweinsteigers Solo-Auftritt gegen Wigan,
Man kann's freilich auch andersherum betrachten: Für einen quasi-ausgemusterten Profi ist der Status quo bereits ein echter Fortschritt.
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