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Klopp trotzt den Geistern von 2014: Wer hat hier Druck?

Klopp trotzt den Geistern von 2014: Wer hat hier Druck?

15/04/2019 um 08:00Aktualisiert 15/04/2019 um 10:28

Der FC Liverpool hat mit dem 2:0 (0:0) gegen den FC Chelsea im Meisterkampf ein Ausrufezeichen gesetzt. Von den bösen Vorzeichen, die an den unglücklichen Saison-Endspurt von 2014 erinnerten, ließ sich die Elf von Jürgen Klopp dabei nicht aus der Ruhe bringen. Ganz im Gegenteil: Den Druck haben die "Reds" in beeindruckender Manier wieder an Manchester City abgeschoben. Drei Dinge, die auffielen.

1.) Klopp hat seinen "Killer" wieder

Kein Aufschrei, kein entblößter Oberkörper - nein, Mohamed Salah hatte sich für seinen Torjubel zum 2:0 gegen den FC Chelsea etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Das linke Bein angewinkelt, die Hände gefaltet, die Augen kurz geschlossen.

Mit einer Yoga-Pose namens Vriksasana antwortete der Ägypter sowohl den "Blues"-Fans, die ihn unter der Woche rassistisch beleidigt hatten, als auch den vom Titelkampf aufgewühlten "Reds"-Fans: Kommt doch alle mal ein bisschen runter.

Eine grandiose Reaktion auf ein noch größeres Tor. In bester Arjen-Robben-Manier ließ Salah in der 53. Minute Emerson an der rechten Außenbahn aussteigen und hämmerte die Kugel aus knapp dreißig Metern kerzengerade in den linken Knick.

Sein erster Treffer in der Premier League außerhalb des Sechzehners seit Januar 2018. Mindestens die Auszeichnung zum Tor des Monats April dürfte ihm damit sicher sein.

"Ein brillanter Treffer, absolute Weltklasse! Es war ein grandioses Tor in allen Belangen", lobte auch Jürgen Klopp seinen Schützling nach dem Spiel. Viel wichtiger dürfte für den Liverpool-Coach allerdings eine andere Erkenntnis sein: Er hat seinen Killer zurück!

Nachdem Salah bereits vergangene Woche beim FC Southampton seine neun Spiele andauernde Serie ohne Pflichtspieltreffer beendet hatte, traf er gegen Chelsea auch wieder gegen einen großen Gegner. In einem enorm wichtigen Moment.

Eine Eigenschaft, die den Ägypter in der vergangenen Saison ausgezeichnet hatte und die ihn so unglaublich wichtig macht. Neben seinem Treffer war Salah durch sein beherztes Nachsetzen gegen Emerson in der 51. Minute zudem Initiator des ersten Treffers durch Sadio Mané gewesen. Eine absolute Sahne-Leistung.

2.) Wilde 15 Minuten machen Sarris Plan zunichte

Maurizio Sarri war mit einem Plan an die Anfield Road gereist. Das wurde bereits in den ersten Minuten der Partie deutlich. Mit dem sonst praktizierten, auf Ballbesitz ausgelegten "Sarri-Ball" war gegen konterstarke Gastgeber nichts zu holen, weshalb der Italiener sein Team dementsprechend taktisch einstellte - und der Klopp-Elf damit das Leben in der ersten Halbzeit durchaus schwer machte.

In einem kompakten 4-5-1 gegen den Ball versuchten die Londoner die Räume für Liverpool im Zentrum eng zu machen. Auf den Flügeln wurden Salah und Mané konsequent gedoppelt. Überzahl in Ballnähe schaffen war die Devise - und das funktionierte.

"Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, gut verteidigt und nicht zugelassen", zeigte sich Sarri dementsprechend zufrieden.

Kaufen kann sich Chelsea davon allerdings nichts. Denn zwischen der 50. und 65. Minute wurde die Defensiv-Taktik von beiden Teams konsequent über den Haufen geworfen. Zum Nachteil der "Blues".

Während Liverpool seine Chancen durch Salah und Mané nutzte, vergab Eden Hazard - der im Vergleich zu den vergangenen Wochen insgesamt blass blieb - zwei Hochkaräter (59./60.).

Der kleine, aber feine Unterschied. Denn während Liverpool im Titelrennen mit ManCity einen Big Point landete, droht Chelsea die internationalen Plätzen zu verpassen. Und muss dabei womöglich auch noch auf Antonio Rüdiger verzichten, der den Platz bereits in der 40. Minute verletzt verlassen musste. Autsch!

Antonio Rüdiger (r.) wurde in der 40. Minute verletzt ausgewechselt

Antonio Rüdiger (r.) wurde in der 40. Minute verletzt ausgewechseltGetty Images

3.) Wie 2014? Nicht mit Klopps "Reds"

Viel war im Vorfeld der Partie über die Ausrutsch-Gefahr für Liverpool geschrieben worden. Immerhin erinnerte die Ausgangsposition stark an 2014. Die Saison, in der Steven Gerrards berühmter Ausrutscher ("Slip") am 36. Spieltag dem FC Liverpool im Endeffekt die Meisterschaft kostete. Gegner damals: der FC Chelsea. Die Mannschaft, die Liverpool noch abfing: Manchester City.

Doch nicht in diesem Jahr. Nicht mit Klopp und seinen Mentalitätsmonstern. Angst oder Respekt, weil Liverpool in jüngerer Vergangenheit nur drei der letzten 17 Duelle mit Chelsea gewinnen konnte? Fehlanzeige!

Denn: Während Liverpools Restprogramm (Cardiff, Huddersfield, Newcastle, Wolverhampton) auf den ersten Blick durchaus machbar erscheint, hat City mit Tottenham zu Hause und dem Stadtderby bei Manchester United noch zwei extrem schwere Spiele vor der Brust.

Und so bleibt der erste Meister-Titel für Liverpool und Klopp in greifbarer Nähe.

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