Matter José Mourinho, müdes Manchester United: Zinédine Zidane wartet schon

Ist José Mourinho der handfesten Krise bei Manchester United noch gewachsen? Bei der Niederlage bei West Ham United sendet sein Team alarmierende Zeichen aus und ruft die Ex-United-Elite um Rio Ferdinand auf den Plan. Zinédine Zidane steht angeblich als Nachfolger bereit, doch Mourinho bekommt noch eine letzte Chance, das Ruder rumzureißen - und so seine verflixte Serie zu beenden.

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Fotocredit: Eurosport

Um José Mourinho steht es mittlerweile so schlecht, dass man bei Manchester United schon Nachfolger dementieren muss.
Der Name Zinédine Zidane geistert schon seit geraumer Zeit durch die nordenglische Stadt. Das Flüstern ist nicht leiser geworden seit sich United im League Cup zuhause gegen Derby County (9:10 n.E.) blamierte und nun in der Premier League mit 1:3 bei West Ham United verlor.
"The Special Gone" titelte die "Sun" bereits und mutmaßte, Mourinho habe sein Team bereits verloren.
Nein, Zidane werde Mourinho nicht ersetzen, sagte nun also eine ManUtd-Quelle zu "ESPN".
Zumindest jetzt noch nicht.
Doch einem Bericht der "Sun" vom Montag nach soll Zidane inzwischen Mourinho persönlich kontaktiert haben. Der Franzose habe den Portugiesen angerufen und ihn darüber informieren wollen, dass er keinesfalls versuche, sich hinter Mourinhos Rücken bei United in Stellung zu bringen. Allerdings sei er von seinen Agenten gefragt worden, ob er an dem Job interessiert sei.
"Nein, das glaube ich nicht", sagte Mourinho am Montag auf die Frage, ob sein Job in Gefahr sei, wenn er nicht bessere Ergebnisse liefere. Die Frage, ob Zidane ihn wirklich angerufen habe, lächelte er weg. Stattdessen bat Mourinho den Fragesteller, sich doch bei dessen Kollegen von der Sun schlau zu machen.

Neun Punkte Rückstand für Manchester United

Fakt ist: José Mourinho ist nach dem schlechtesten Saisonstart der Klubs in 29 Jahren schwer angezählt, United liegt bereits neun Punkte hinter den Erzrivalen Manchester City und FC Liverpool zurück.
Trotzig wie eh und je, aber auch matt und desillusioniert kommentierte der Portugiese am Samstagnachmittag die vierte Saisonniederlage im neunten Spiel, gerade mal drei Fragen beantwortete Mourinho auf der Pressekonferenz.
Kritik hagelte es erneut für die Aufstellung des 55-Jährigen. Was genau hatte er mit dem seit Monaten seiner Form hinterherlaufenden Anthony Martial im Angriff vor? Warum spielte der erst 21 Jahre alte Scott McTominay in der Innenverteidigung? Und warum saß Alexis Sánchez nur auf der Tribüne?

Arbeitsverweigerung in West Ham

"Seit Monaten fordern die Leute Anthony Martial, also habe ich dem nachgegeben", rechtfertigte sich der Teammanager müde - er habe sich für Martial und deshalb gegen Sánchez entschieden. McTominay sei dagegen wichtig für den Spielaufbau gewesen. Doch beide Maßnahmen brachten nicht den gewünschten Erfolg.
McTominay kam beim 0:1 durch Felipe Anderson zu spät, Martial nahm Mou nach schwacher Leistung (30 Prozent gewonnene Zweikämpfe, null Torschussbeteiligungen) in der 71. Minute vom Feld - der zuletzt selten berücksichtigte Franzose würdigte seinen Trainer dabei keines Blickes.
Die Abwehrleistung beim Schlusspunkt von Marko Arnautovic nur wenige Minuten nach dem hoffnungsspendenden 1:2 kam derweil einer Mischung aus totalem Blackout und kompletter Arbeitsverweigerung nahe.

Drei große Kritikpunkte

"Die drei größten Kritikpunkte sind die fehlende Offensivpower, die schlechte Spielerführung von Mourinho und die schwache Transferpolitik", sagt Alex Chick, Fußball-Experte von Eurosport.co.uk in London, "United-Fans lassen viel durchgehen, solange das Team attraktiven Fußball spielt - was absolut nicht der Fall ist."
"Mourinho hat sich nicht nur den Disput mit Pogba geleistet, er hat auch Spieler wie Martial und Shaw öffentlich kritisiert", so Chick weiter:

Endspiel gegen Valencia

Handfeste Belege dafür gibt es keine, doch laut der "Mail on Sunday" wurde noch im Zug auf der Rückfahrt von London nach Manchester über die Zukunft des Trainers gesprochen.
Klar ist: Eine Niederlage im Champions-League-Heimspiel am Dienstag gegen den FC Valencia darf sich Mourinho nicht erlauben. "Es sieht so aus als habe Mourinho noch die Rückendeckung von Woodward", sagt Chick, "aber aktuell ist es nur noch schwer anzunehmen, dass das alles noch eine Wende zum Guten nimmt."
Zu groß sind die Fragezeichen in seinem dritten Jahr als Uniteds Teammanager - denn die Geschichte wiederholt sich. Beim FC Porto endete seine äußerst erfolgreiche Amtszeit mit dem Gewinn der Champions League 2004, auch beim FC Chelsea blieb er anschließend nur für drei Spielzeiten.

José Mourinho und das verflixte dritte Jahr

Wie schon bei den Londonern wurde 2013 sein Vertrag bei Real Madrid ebenfalls nach drei Jahren aufgelöst. Bei seiner Rückkehr zum FC Chelsea scheiterte Mourinho dann wieder im dritten Jahr - augenscheinlich, dass sich das Verhältnis zwischen Mourinho und seinen Spielern stets in einem ähnlichen Zeitraum aufzuarbeiten scheint.
Neben schwachen Leistungen des Teams und den verzweifelten Versuchen des Trainers, mit überraschenden Aufstellungen gegenzusteuern, schwelt seit Wochen ein nicht öffentlich ausgetragener Konflikt mit Paul Pogba, den Mourinho zuletzt vom Vize-Kapitänsamt entbunden hatte.
Dazu steht Mourinhos Vorgesetzter Ed Woodward für dessen fragwürdigte Transferpolitik und Personalführung fast schon chronisch in der Kritik. So flog bei ManUtds Auswärtssieg beim FC Burnley Anfang September ein Flugzeug mit dem Spruchband "Ed Woodward: A Specialist in Failure" - ein eigentlich einst von Mourinho an Arsène Wenger gerichtetes Zitat - übers Stadion hinweg.

Ferdinand und Scholes schockiert

Ebenso deutliche Worte für die Misere fanden nun Ex-Spieler des Traditionsklubs. "Die Spieler arbeiten nicht hart genug, um sich anzubieten. Es wird jetzt Gespräche in der Vereinsführung über den Trainer und die Mannschaft geben. Es hapert schlicht an den Basics", sagte der langjährige Kapitän und heutige TV-Experte Rio Ferdinand:
Laut Ferdinand brauche es "eine große Entscheidung", sonst könne sich die Saison zur "schlechtesten der Vereinsgeschichte" entwickeln: "Es wird einfach zu viel: All diese kleinen Scharmützel in der Kabine, die ganzen Geschichten, die an die Presse durchsickern. Es muss sich etwas ändern - und zwar schnell."

Neville attackiert Klub-Spitze

Ferdinands früherer Teamkollegen Paul Scholes pflichtete ihm bei: "Schlechter hat sich eine United-Mannschaft wohl schon seit vielen Jahren nicht mehr präsentiert. Die Einstellung ist schlecht, da ist kein Hunger, kein Verlangen."
Gary Neville griff dagegen das Board um Woodward an. Er twitterte: "Es liegt nicht am Trainer, sondern an den mangelnden Fußball-Führungsqualitäten über ihm. Es ist alles konfus und planlos."
Was bleibt, ist eine weitere Englische Woche, in der Mourinho das Ruder rumreißen muss. Uniteds nächster Gegner Valencia steht nach der 0:2-Heimniederlage gegen Juventus Turin bereits mit dem Rücken zur Wand, braucht am Dienstag (21 Uhr im Liveticker) ebenfalls einen Sieg.

Steht Zidane schon in den Startlöchern?

"Wir haben nur ein paar Tage Zeit, um schnell den Staub abzuklopfen und die Enttäuschung abzuschütteln", sagte Manchesters Ashley Young.
Gelingt das nicht, dürften Mourinhos Tage wohl bald gezählt sein. Ob sein Nachfolger dann Zidane heißt? Möglich. "Ich werde mit Sicherheit zeitnah wieder trainieren", hatte der 46-Jährige Anfang September angekündigt.
Einen dreimaligen Champions-League-Sieger als Mourinho-Nachfolger zu präsentieren, wäre sicher nicht der schlechteste Move für einen angeschlagenen Top-Verein.
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