FC Liverpool lässt austrudeln: Meister und sonst nix

Der FC Liverpool lässt die Premier League nach der gewonnenen Meisterschaft generös ausklingen und verpasst damit einen historischen Punkterekord. Der erste Meistertitel nach 30 Jahren war für das Team von Trainer Jürgen Klopp in der von der Coronavirus-Pandemie zersprengten Saison offenbar strapaziös genug. Als Vorbote für eine schwierige Spielzeit 2020/21 will Klopp das aber nicht sehen.

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Es gibt so Abende, da spielst du den Gegner her - und holst dennoch kein gutes Ergebnis.
Der FC Liverpool hatte am Mittwoch einen solchen. 1:2 verlor das Team von Trainer Jürgen Klopp beim FC Arsenal.
Vor dem Spiel standen die Gunners dem designierten Premier-League-Meister noch artig Spalier, im Match nutzte die Mannschaft von Mikel Arteta die Fehler der Reds eiskalt aus.

FC Liverpool: Dominanz alleine reicht nicht

Zwar war Liverpool durch Sadio Mané verdient in Führung gegangen (20.). Beim Ausgleich von Alexandre Lacazette patzte jedoch Virgil van Dijk (32.), beim 1:2 auch Torwart Alisson Becker (44.). So reichte Arsenal am Ende ein Torschussverhältnis von 3:24, um als Sieger vom Platz zu gehen.
"Das waren Geschenke", meinte van Dijk: "Wir haben bekommen, was wir verdient haben."
"Wir waren sehr dominant", konstatierte Liverpools Trainer Jürgen Klopp, der "viel guten Fußball" gesehen haben wollte. Doch das Ergebnis passte nicht, was sich wiederum in die etwas schmucklose Bilanz der Reds seit Restart einfügt: Drei Liga-Siegen stehen nun zwei Remis und zwei Niederlagen gegenüber.

Klopp schiebt es auf die Konzentration

Die jüngste Niederlage machte Klopp an einem Detail fest. "Normalerweise arbeiten wir auf einem fast unmenschlichen Konzentrationslevel", sagte der 53-Jährige: "Heute haben wir ein paar menschliche Fehler gemacht, was nicht so toll ist, aber nicht komplett überraschend."
So ist es durchaus nachvollziehbar, dass Liverpool, mit dem ersten Meistertitel seit 30 Jahren in der Tasche, nachgelassen hat.
Eine Ligasaison ohne Niederlage war seit dem 0:3 beim FC Watford Ende Februar ohnehin nicht mehr möglich - allerdings hätten die Reds aus den letzten neun Spielen nach Restart "nur" 19 der noch offenen 27 Punkte gebraucht, um mit 101 Zählern einen neuen Premier-League-Rekord aufzustellen (den aktuellen hält Manchester City, 2017/18, mit 100).

FC Liverpool: Gefühlt war sogar noch mehr drin

Diese historische Chance haben die Reds nun ausgelassen - wie zuvor weitere Titel; Liverpools League-Cup-Ambitionen fielen bekanntlich schon im Dezember der Terminkollision mit der Klub-WM zum Opfer (Liverpools B-Team verlor 0:5 bei Aston Villa), im FA Cup scheiterte die Klopp-Elf im März vorzeitig am FC Chelsea (0:2). In der Champions League kam für den Titelverteidiger das frühe Aus gegen Atlético Madrid (0:1, 2:3 n.V.).
Unbestritten: Mit der Meisterschaft, dem UEFA-Supercup und der gewonnenen Klub-WM hat der FC Liverpool eine bemerkenswert erfolgreiche Saison gespielt. Doch gefühlt wäre sogar noch mehr drin gewesen.
"Wir wollen gute Ergebnisse, aber es war die größte Herausforderung von allen, drei Monate Pause zu haben, ohne genau zu wissen, wie es weitergeht", sagte Klopp am Mittwochabend, die mentale Komponente anschneidend.

Spielstil vor Ergebnis

Als die Premier League vor ein paar Wochen wieder anlief, sei es für sein Team nur noch darum gegangen, die Meisterschaft perfekt zu machen. "Wir sind erleichtert und happy und das ganze Zeugs, klar, aber wenn die Jungs mir jetzt vermittelt hätten, dass sie einfach nur Ergebnisse einfahren wollen, auch wenn sie dabei schlecht spielen, wäre mir das auch nicht recht", gab der Coach zu bedenken.
Im Endeffekt sei es für ihn wichtiger, "diese Art Fußball zeigen zu können." Devise: Spielstil vor Ergebnis. Das sei mit Blick auf die kommende Spielzeit wichtiger. "Wir haben nur drei, vier Wochen Pause im Sommer, dann geht es wieder weiter - und zwar mit unserer Art Fußball", prognostizierte Klopp.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Denn wenn man ehrlich ist, hatte Liverpools Saison schon vor dem Spielstopp durch die Coronavirus-Pandemie einen Knick bekommen.

Sechste Niederlage seit Madrid

Bis zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Atlético Madrid am 18. Februar hatte Liverpool schließlich nur das Supercupspiel um den Community Shield gegen Manchester City (5:6 n.E.), ein Gruppenspiel der Königsklasse beim SSC Neapel (0:2) und besagtes League-Cup-Spiel bei Aston Villa verloren - bei ansonsten 36 Pflichtspielsiegen und nur drei Remis.
Seit Madrid verlor Liverpool jedoch sechs Spiele bei nur fünf Siegen (und zwei Remis).
Klopp bleibt aktuell nichts anderes übrig, als es hinzunehmen und Spiel für Spiel im Kleinen zu analysieren.
"Wir sind sehr selbstkritisch und werden das angehen", sagte er am Donnerstagabend in London: "Normalerweise lernen wir aus Situationen wie dieser und das wird wieder so sein. Keiner versteckt sich bei uns. Davon abgesehen, habe ich noch nie ein Spiel mit 24:3 Schüssen gegen Arsenal miterlebt. So dominant waren wir noch nie, zumindest nicht, dass ich mich erinnern könnte. Darüber bin ich glücklich."

Klopps Prognose

Es habe schließlich Jahre gedauert, den Liverpooler Spielstil zu entwickeln. "Es ist nicht so, dass du einfach sagst, 'Oh, das sieht gut aus, lass mal so spielen' - das braucht wirklich Zeit. Wir haben das entwickelt und die Jungs setzen das jetzt um - es ist selbstverständlicher geworden, ich mag das so", meinte Klopp.
Nach der Sommerpause werde sich Liverpool neue Ziele setzen und diese dann auch wieder aufmerksamer angehen. "Wir werden weitermachen und dann wird das Konzentrationslevel auch wieder so sein wie immer", ist sich der deutsche Trainer sicher: "Wenn wir aus diesem Abend lernen, wird alles gut werden."
Ein Ziel können die Reds indes noch in dieser Saison erreichen: Gewinnt Liverpool die ausstehenden zwei Ligapartien gegen Chelsea (H, Mittwoch inkl. Trophäenübergabe) und Newcastle (A, 26.7.), hätte es mit 99 Punkten immerhin einen neuen Vereinsrekord aufgestellt.
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