"And now goal!"

Es war dieser Moment, der Didier Drogba endgültig zur Chelsea-Legende machte. Denn kurz nachdem "Blues"-Kollege David Luiz dem Münchner Bastian Schweinsteiger diese Worte ins Ohr flüsterte, stieg der Stürmer hoch und wuchtete eine Ecke mit dem Kopf ins Netz.

Bundesliga
Die Königstransfers des Fußballs: Wie Ribéry den Spaß zurück nach München brachte
22/04/2020 AM 20:21

Die Allianz Arena schwieg, das Finale der Champions League 2012 war wieder ausgeglichen. Am Ende gab es Verlängerung, Elfmeterschießen und nach dem entscheidenden Treffer Drogbas schließlich den Pokal für die Londoner.

Das "Finale Dahoam" wurde für die Bayern zum Albtraum, für Drogba war es die größte Stunde seiner Karriere.

"Sein Kopfballtor zementierte seinen Status als einer der größten Spieler in der Geschichte des FC Chelsea", sagte Premier-League-Experte Martyn Thomas von Eurosport-England. "Bei den Fans steht er ohne Frage auf einer Stufe mit Frank Lampard, John Terry oder Ashley Cole."

Il gol di Drogba in finale di Champions vs Bayern

Fotocredit: Getty Images

Aus der Serie: Die Königstransfers des Fußballs

Mourinho sucht Zielspieler für Robben und Co.

Drogba feierte in dieser Nacht von München den perfekten Abschluss seiner ersten Reise als Blauer. Eine Reise, die acht Jahre zuvor begonnen hatte. Im Jahr 2004 genauer gesagt.

Damals war Investor Roman Abramowitsch im zweiten Jahr seines ganz persönlichen Fußball-Manager-Spiels. An der Stamford Bridge baute sich der russische Oligarch einen europäischen Spitzenklub nach seinen Vorstellungen zusammen - Geld spielte dabei nur eine Nebenrolle.

Im ersten Sommer hatten die "Blues" bereits 170 Millionen Euro in Stars der Marke Hernan Crespo, Damien Duff oder Juan Sebastián Veron investiert. Nun sollte nachgelegt werden.

"Trainer José Mourinho wollte Arjen Robben, Duff, Joe Cole und Frank Lampard einen Zielspieler an die Seite stellen. Einen echten Brecher im Sturmzentrum", erklärt Thomas.

Die Wahl fiel auf einen 26-jährigen Ivorer von Olympique Marseille, den damals relativ unbekannten Didier Drogba.

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Nicht reden. Zahlen Sie einfach!

Mourinho selbst hatte sich in das Spiel des Mittelstürmers verliebt. "Er hatte schon für Guingamp, Le Mans und Marseille gespielt. Daher kannte ich ihn", erinnert sich "The Special One" selbst. Dann erzählt er, wie er seinen zögernden Vorgesetzten überzeugte:

"Ich erinnere mich wie heute. Abramowitsch fragte mich 'Wen? Wen willst du verpflichten? Es gibt doch so große Namen auf dem Markt. Ich kenne den nicht. Wer soll das sein?' Ich war mir aber sehr sicher und sagte: 'Mr. Abramowitsch, nicht reden! Zahlen Sie einfach!'"

Und er zahlte.

Der Umworbene selbst hielt zunächst aber nicht viel von der Idee.

Jose Mourinho y Didier Drogba sonríen en un partido del Chelsea

Fotocredit: Imago

Tränen nach der Einigung mit Chelsea

"Drogba spielte zwar nur ein Jahr für OM, aber er hatte dort eine Heimat gefunden", erinnert sich Maxime Dupuis von Eurosport-Frankreich. Der Stürmer wollte nicht gehen. "Als man ihn schließlich vor vollendete Tatsachen stellte, brach er in Tränen aus."

Die 38 Millionen Argumente von englischer Seite hatten den Verein schließlich überzeugt. "Das Angebot von Chelsea war doppelt so hoch, wie das von Juventus Turin", sagte OM-Präsident Christophe Bouchet.

Für die Südfranzosen war das ein Sechser im Lotto. Drogba selbst brach den Kontakt zum Verein aber nie ab. Immer wieder kehrte er in spielfreien Zeiten zurück.

Nun aber war er ein Spieler des FC Chelsea. Und was für einer.

Drogba wurde zur Legende

Gleich im ersten Drogba-Jahr holte man die erste Meisterschaft nach 50 Jahren Wartezeit. Im Jahr darauf eine weitere. "Didier wurde in der Folge zu einem ikonischen Spieler für uns und die Premier League", so Mourinho.

Insgesamt - zusammen mit seiner zweiten Zeit im Klub von 2014 bis 2015 - holte Drogba mit den Blues vier Meisterschaften, vier nationale Pokalsiege und die Champions League. In 381 Spielen erzielte er 164 Tore.

"Der Drogba-Transfer war im Jahr 2004 einer von vielen", erinnert sich Premier-League-Fachmann Thomas. "Im Nachhinein ist es aber wohl derjenige, der den Klub am deutlichsten verändert hat."

Chelsea wurde mit und durch den Ivorer eine ganz große Nummer in Europa. Eine Entwicklung, von der der Klub noch heute profitiert.

Didier war immer sehr loyal.

Selbiges gilt für Drogba selbst. Die Abschiedstränen von Marseille sind längst getrocknet.

"Didier hat immer alles gegeben. Er ist einer der Spieler, die extrem loyal sind. Er hat sich immer daran erinnert, dass ich ihm die Chance gegeben habe, in der Premier League zu spielen", sagt Mourinho.

Der Trainer veränderte damit einen ganzen Verein für immer.

Der Top-Fußball wird von seinen Superstars geprägt. Besonders dann, wenn sie den Verein wechseln, wird der Einfluss der Ausnahmespieler besonders sichtbar. Eurosport.de blickt auf die Transfers, die die Kräfteverhältnisse in den vergangenen 25 Jahren nachhaltig veränderten. Teil 5 der Serie mit dem Transfer von Zinédine Zidane von Juventus Turin zu Real Madrid 2001 folgt am Freitag bei Eurosport.de.

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