Mesut Özil will beim FC Arsenal bleiben: Frustrierend für alle

Mesut Özil hat in einem ausführlichen Interview zu seiner Zukunft Stellung bezogen und mit allen Gerüchten und aller Kritik aus den vergangenen Wochen aufgeräumt. Niemand außer er entscheide, ob er den FC Arsenal im Sommer verlassen wird. Ob der Deutsche sich und dem Verein mit einem Verbleib einen Gefallen tut, ist allerdings höchst fragwürdig. Es droht eine weitere frustrierende Saison.

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Mesut Özil ist ein schweigsamer Charakter. Das war er schon immer.
Obwohl der 31-Jährige seit Jahren in Deutschland und England zu den schillerndsten, meist diskutierten und meist kritisierten Fußballgrößen zählt, äußert er sich persönlich in der Öffentlichkeit fast nie. Nur, wenn es unbedingt sein muss.
2018 war so ein Moment. Nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, nach der Erdogan-Affäre, als er in einer epischen Twitter-Trilogie seinen Rücktritt aus der DFB-Elf bekannt gab und diesen mit einem "Gefühl des "Rassismus" begründete.
Am vergangenen Donnerstag war wieder so ein Moment gekommen.

FC Arsenal: Özil räumt mit Wechselgerüchten auf

In einem Interview mit "The Athletic" reagierte Özil auf die Gerüchte der vergangenen Wochen und stellte im Hinblick auf die brennende Frage nach seiner Zukunft beim FC Arsenal unmissverständlich klar: "Ich entscheide, wann ich gehe, niemand sonst." Rumms. Klare Ansage.
Viel war zuletzt in den englischen Medien spekuliert worden. In der Elf von Mikel Arteta, der die kriselnden Gunners kurz vor Weihnachten als Coach übernommen hatte, war der Deutsche seit dem Restart der Premier League außen vor, spielte seit Mitte Juni keine Minute mehr.
Schlechter spielten die Nordlondoner seitdem nicht, Artetas Umstellung auf ein 3-4-3 zeigte Wirkung. Am Ende sprang sogar der FA Cup und damit die Qualifikation für die Europa League heraus. Für die Ansprüche Arsenals eigentlich zu wenig, aber immerhin ein versöhnlicher Abschluss einer schwierigen Saison.
Dass Arsenal Özil und sein fürstliches Salär von 390.000 Euro pro Woche gerne aus den Büchern streichen würde, ist kein Geheimnis. Doch der denkt nicht daran, London den Rücken zu kehren.
"Wenn ein Spieler den Klub verlassen will, aber der Klub Nein sagt, dann hat der Spieler das zu akzeptieren", erklärte der 31-Jährige: "Wenn also der Klub einen Spieler loswerden, der Spieler aber bleiben will, dann muss der Klub das ebenfalls akzeptieren - wenn keine gemeinsame Lösung gefunden werden kann."

Özil holt zum Rundumschlag aus

Dass Arteta Özil, der offiziell an einer Rückenverletzung laborierte, im Saisonendspurt ignorierte, "respektiere" dieser zwar, verstehen könne er es aber nicht: "Hätte ich schlecht gespielt und wäre dann rausgelassen worden, hätte ich es vielleicht verstanden", so der Weltmeister von 2014: "Aber das war nicht der Fall."
Doch nicht nur der Trainer habe ihm unrecht getan, auch nicht näher definierte "Leute" in der Öffentlichkeit, die nur "Mist reden, um Aufmerksamkeit zu bekommen" und die "seit zwei Jahren versuchen, mich zu zerstören und mich unglücklich zu machen."
Deshalb sei auch nur sein Name aufgetaucht, als es darum ging, welche Spieler den von Arsenal vorgeschlagenen Gehaltsverzicht im Zuge der Corona-Pandemie abgelehnt hätten, obwohl er seines Wissens "nicht der einzige" gewesen sei.
Es war ein kleiner Rundumschlag, den Özil da lostrat, eine Rechtfertigung auf mehreren Ebenen. Doch trotz allem wolle er seinen Vertrag bis 2021 erfüllen: "Ich werde alles für den Klub geben. Situationen wie diese werden mich niemals brechen, sie machen mich nur stärker. Ich habe in der Vergangenheit gezeigt, dass ich zurückkommen kann, und das werde ich wieder machen."

Arsenal sucht Ausweg: Arteta kann Özil nicht mehr gebrauchen

Das klingt zwar sehr romantisch, zielführend dürfte das letzte Vertragsjahr des langjährigen Fan-Lieblings unter den gegebenen Umständen aber nicht sein. Özil droht eine weitere verlorene Saison - zumindest sportlich. Viel zu verhärtet scheinen die Fronten, ähnlich wie bereits unter Ex-Coach Unai Emery. Und mit seinem Interview wird er nicht dazu beigetragen haben, diese aufzuweichen.
Der klassische Zehner passt nicht in Artetas neues System, das auf einer stabilen Defensive mit zwei laufstarken Sechsern bzw. Achtern aufgebaut ist. Viel lieber würde der Klub Özils Gehalt in neue Spieler reinvestieren. Arsenal ist ohnehin finanziell angeschlagen.
Zuletzt berichtete der "Mirror", Arsenal sei sogar bereit, bei einer Leihe weiter einen Großteil von Özils Gehalt zu bezahlen, um ihn loszuwerden. Fenerbahce Istanbul wird als potenzieller Abnehmer genannt, wolle aber gerade einmal ein Siebtel des üppigen Gehalts tragen.
Doch Özils neueste Aussagen klingen auch nicht danach, als wolle er sich auf irgendwelche Deals einlassen: "Ich werde nicht in die Vorbereitung gehen und denken: 'Das ist das letzte Jahr, ich kann relaxen – ich werde sowieso nicht spielen.' Das sind keine leichten Zeiten für Arsenal und ich will helfen."
Es bleibt abzuwarten, ob er mit seiner Entscheidung nicht eher das Gegenteil bewirkt.
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