Es war die Szene des Montagabends in der Premier League: Der Abpfiff ertönte - und Ralph Hasenhüttl sackte am Spielfeldrand neben Jürgen Klopp zusammen.
Der Trainer des FC Southampton, dem in diesem Moment klar wurde, dass sein Team tatsächlich mit 1:0 (1:0) gegen den Meister gewonnen hatte, zog seine Schirmmütze tief ins Gesicht.
Verbergen konnte er die Tränen der Erleichterung aber trotzdem nicht. Zum ersten Mal ist es Hasenhüttl gelungen, Klopp zu schlagen.
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Im TV-Interview danach schien er sich seiner Emotionen etwas zu schämen: "Es ist so kalter Wind hier im Stadion, das waren definitiv nicht meine Emotionen", sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen und wischte sich gleich noch mal die Augen.
Über die gesamte Spielzeit hatte Hasenhüttl, der erst kürzlich aus der häuslichen Quarantäne entlassen wurde, weil seine Frau an COVID-19 erkrankt war, an der Seitenlinie alles gegeben und seine Mannschaft extrem nach vorne gepusht. Diese folgte seinem Plan - und wie!
Hohes Pressing, hohe Ballgewinne und sofort vertikal - damit wurde Liverpool geradezu überrumpelt. Schon nach zwei Minuten führte Southampton durch das Tor von Danny Ings.

Southampton folgt Hasenhüttls klarem Plan

"Unsere Mentalität war sogar besser als die dieses Mentalitäts-Monster-Teams. Die Defensive war der Wahnsinn. Das System funktioniert. Es ist ein perfekter Abend für uns und alle Southampton-Fans da draußen", sagte Hasenhüttl. Selbst das Tor nach einem Freistoß war so gewollt: "Wir haben uns angeschaut, wie hoch die Liverpool-Verteidigung bei solchen Bällen steht."
Diszipliniert und aggressiv behielten die Saints ihre Linie bei und zeigten den Reds so die Grenzen auf. Das Klopp-Team wirkte ausgebrannt, nicht spritzig und erspielte sich zudem sehr wenig klare Chancen. Es dauerte bis zur 75. Minute (!), ehe der erste Schuss aufs Tor von Southampton erfolgte.
Thiago bemühte sich zwar, im zentralen Mittelfeld die Fäden zu ziehen und mit öffnenden Diagonalpässen die Pressinglinie zu überwinden, doch blieb er auch er letztlich blass und stand nach einer frühen Verwarnung lange dicht vor einem Platzverweis.
Liverpool wirkte insgesamt müde, ratlos, die Offensivstars Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah überspielt. Sie waren unkonzentriert im Abschluss und überraschend oft unterlegen in Laufduellen. "Ich mache mir keine Gedanken, solange die Chancen da sind", hatte Klopp zuletzt betont. Nun muss er sich doch ein paar Sorgen machen. Die Alarmzeichen für eine Formkrise sind nach dem dritten Spiel ohne Sieg und dem zweiten ohne eigenes Tor in Folge zweifelsohne vorhanden.

Klopp muss sich Sorgen machen

"Natürlich machen wir uns Sorgen, weil wir Probleme haben. Aber fußballerische Probleme löst du mit Fußball. Wir erkennen die Situation, wir sind nicht doof. Wir müssen jetzt eine Reaktion zeigen", sagte er mit Blick auf die nahe Zukunft.
Mit Frust blickte er auf den Spielverlauf zurück: "Es ist frustrierend, weil wir Southampton direkt in die Karten gespielt haben. Wir haben das Spiel in den ersten Minuten abgegeben, was vollkommen unnötig war."
Warum er allerdings Jordan Henderson, der sonst im Mittelfeld agiert, als Innenverteidiger aufbot, erklärte Klopp nicht weiter. Henderson machte alles andere als eine gute Figur.
Im Gegensatz zu Hasenhüttl. Der sammelte ordentlich Sympathien an diesem Abend. Es könnte sein endgültiger Durchbruch als Trainer in England gewesen sein. Überraschend wäre es jedenfalls nicht, wenn sein Name gehandelt wird, sollte ein Top-Klub mal wieder einen Trainer suchen.
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Hasenhüttl erklärt seine Tränen nach dem Sieg gegen Klopp

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