Für Timo Werner verlief das Duell gegen Real Madrid (1:1) nicht nach Plan. Trotz einer guten Ausgangsposition seines Teams für das Halbfinal-Rückspiel in der kommenden Woche kann der Abend in der Königsklasse für den Deutschen mindestens als gebraucht bezeichnet werden.
Werner vergab gegen die Königlichen nach knapp zehn Minuten frei vor Keeper Thibaut Courtois eine Riesenchance. Nicht das erste Mal, dass Werner in der laufenden Spielzeit genau das Gegenteil von Kaltschnäuzigkeit verkörperte - im Netz hagelte es deshalb Spott und Häme.
Chelsea-Trainer Thomas Tuchel hält dem deutschen Nationalspieler bislang die Treue. Es stellt sich aber die Frage, wie lange noch.
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Werner muss liefern - so plump es auch klingen mag.

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Werner-Quote deutlich schlechter als in Leipzig

Als der 25-Jährige im vergangenen Sommer für 53 Millionen Euro von RB Leipzig verpflichtet wurde, rechneten die Blues damit, einen absoluten Top-Stürmer zu bekommen. In 45 Saisonspielen für die Leipziger erzielte Werner schließlich 34 Tore, dazu kamen 13 Assists.
Die Bilanz in dieser Saison sieht da deutlich ernüchternder aus: Nach ebenfalls 45 Begegnungen hat der Deutsche nur elf Tore auf dem Konto. Immerhin bei den Vorlagen hat Werner eine ähnliche Quote wie noch zu RB-Zeiten (12). Vor seinem spielentscheidenden Treffer gegen West Ham am vergangenen Wochenende (1:0) traf der Stürmer zuletzt Mitte Februar in der englischen Liga.
In der Champions League liegt sein letztes Tor sogar schon ein halbes Jahr zurück. Anfang November schoss Werner gegen Stade Rennes (3:0) zwei Tore. Im Internet ist er wegen Szenen wie der in Madrid, als er frei vor Courtois vergab oder seiner Großchance gegen Nordmazedonien, als ihm im DFB-Trikot ein ebenso peinlicher Fehlschuss unterlief, längst zum Running-Gag geworden. Am 25-Jährigen geht das natürlich nicht komplett vorbei. Während des Halbfinals gegen Real fanden sich bei Twitter reihenweise Sätze wie "Timo Werner doing Timo Werner things" oder "Du kannst Werner aus Stuttgart holen aber nicht Stuttgart aus Werner." Eine Anspielung auf dessen VfB-Wurzeln.
Eurosport-Redakteur James Kilpatrick von Eurosport in London glaubt dennoch, dass die meisten Chelsea-Fans "aufgrund seiner Ablöse und seiner Trefferquote bei RB Leipzig geduldig" bleiben. "Auf kurze Sicht wollen sie ihn aber nicht beim Rückspiel dabei haben. In der kommenden Saison wird er neue Möglichkeiten bekommen, Fuß zu fassen", erklärte Kilpatrick.

Timo Werner: Unsicherheit wird immer größer

Mit jeder vergebenen Großchance wächst die Verunsicherung beim Stürmer sichtbar. Auch gegen Real war dieser Trend nach der verpassten Gelegenheit zu Beginn des Spiels zu spüren. Ex-Profi Lothar Matthäus meinte bei "Sky": "Man hat gemerkt: Es arbeitet bei ihm. Danach hat er Läufe gemacht, bei denen er entweder zu früh läuft, zu spät oder falsch. Er ist verunsichert." In Leipzig habe Werner "die Dinger fast blind reingemacht, jetzt versiebt er solche Chancen", so der Rekord-Nationalspieler.
Trainer Tuchel zeigte erneut Verständnis für die Situation von Werner, betonte jedoch bei "BT Sport": "Er hat eine Großchance gegen West Ham vergeben, und nun heute eine weitere. Das hilft nicht, aber es hilft auch nicht, wenn man danach herumjammert und der Chance die ganze Zeit nachtrauert."
Er könne nachvollziehen, dass der 25-Jährige "wütend und vielleicht auch enttäuscht" sei. Werner müsse dennoch schnell wieder "nach vorne blicken", erklärte Tuchel. Er sei schließlich "ein Profi, ein Supertyp, der hart arbeitet". Für UK-Redakteur Kilpatrick gibt es ohnehin nicht viel mehr, das der Chelsea-Coach machen kann: "Tuchel hat alles versucht, um Werner zu helfen, und seine Teamkollegen kreieren weiter Chancen für ihn. Das Problem scheint mental und nicht taktisch zu sein."
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Neue Chance bei der Nationalelf?

Einfacher dürfte es in den kommenden Wochen in jedem Fall nicht werden. Denn in etwa sechs Wochen steht die Europameisterschaft auf dem Programm. Bundestrainer Joachim Löw wird dabei ebenfalls auf einen wiedererstarkten Werner hoffen. Auch bei der Nationalmannschaft hatte der sonst so treffsichere Stürmer in den letzten Spielen aussichtsreiche Chancen vergeben, etwa beim 1:2 gegen Nordmazedonien.
Doch zuvor wartet das Rückspiel gegen Madrid. Ob Tuchel dann wieder von Beginn an auf Werner setzt, ist alles andere als gesichert. Mit Olivier Giroud, Hakim Ziyech und Kai Havertz stehen gleich drei Stars bereit. Wenn Werner nun aber auf die Bank verbannt wird, verbessert sich sein Selbstvertrauen auch nicht. Daher müsse Tuchel "weiter Vertrauen zeigen und hoffen, dass er sein Selbstbewusstsein vor dem Tor zurückbekommt", schlug Kilpatrick vor.
Es wird also auch für den Trainer schwierig, die Formkrise seines Stürmers zu moderieren, dabei aber nicht im wichtigen Saisonendspurt die sportlichen Ziele zu gefährden. Daher hat Werner vielleicht nur eine Chance: Sich irgendwie durch die restliche Vereinssaison kämpfen und auf einen kleinen "Neustart" im Nationaltrikot hoffen.

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