Timo Werner in der Kritik: Tor-Krise bereitet FC Chelsea Sorgen

Timo Werner trifft nicht mehr und steht damit sinnbildlich wie kein Zweiter für die aktuelle Formkrise des FC Chelsea. Gegen Aston Villa verbannte Frank Lampard den Deutschen erstmals auf die Bank. Doch auch der Coach selbst hat seinen Anteil daran, warum es beim Neuzugang aktuell überhaupt nicht laufen will. Der Druck wächst - sowohl auf den Stürmer als auch den Trainer.

Timo Werner

Fotocredit: Getty Images

Erst die Hände wütend nach oben gerissen, dann schnell wieder den Blick Richtung Rasen der Stamford Bridge gesenkt. Es sollte nicht sein für Timo Werner am Montagabend. Schon wieder nicht.
Seinen einzigen Schuss (83.) im Premier-League-Duell des FC Chelsea gegen Aston Villa (1:1) jagte der Deutsche über den Kasten des Argentiniers Emiliano Martinez.
Es war der nächste enttäuschende Auftritt des Stürmers, dessen Tor-Krise für die Blues langsam aber sicher besorgniserregende Züge annimmt. Ganze elf Spiele und insgesamt 669 Minuten wartet Werner mittlerweile auf einen eigenen Treffer. Das letzte Mal traf der 24-Jährige beim 4:1 über Sheffield United – am 7. November.
Werner ist nach verheißungsvollem Start auf dem harten, kalten Boden der englischen Realität angekommen. Bereits am vergangenen Samstag bei der 1:3-Niederlage beim FC Arsenal hatte ihn Coach Frank Lampard zur Halbzeit vom Feld genommen, so früh wie noch nie in seiner Zeit auf der Insel.

Lampard kritisiert Werner - und setzt ihn auf die Bank

"Lampard hat Werner oft auf dem Rasen gelassen, auch wenn es für das Team schlecht lief. Die Auswechslung gegen Arsenal spricht Bände", meint England-Experte Pete Sharland von Eurosport in London.
Nicht nur die englische Presse ("schrecklich", "glanzlos", "besonders enttäuschend") zerlegte Werner im Anschluss, auch Lampard kritisierte den 53-Millionen-Euro-Neuzugang erstmals öffentlich: "Heute hat uns Timo mit und ohne Ball nicht genug gegeben", sagte der 42-Jährige am vergangenen Samstag der "BBC".
Dass Lampard den Deutschen gegen die Villans zwei Tage später 72 weitere Minuten auf der Bank schmoren ließ, ehe er ihn für Oliver Giroud ins Spiel brachte, zeigt, dass das Vertrauen in Werner langsam schwindet. Es war das erste Mal, dass der Ex-Leipziger in der laufenden Premier-League-Saison nicht in der Startelf stand.

Werner: "Die Liga ist härter als ich dachte"

Ganz klar, sie haben sich mehr erhofft in London. Die Fans – und besonders die Vereinsoberen um Klubboss Roman Abramowitsch, der ohnehin nicht als der geduldigste Zeitgenosse gilt. Viel mehr sogar. 53 Millionen bringen eben gewisse Erwartungen mit sich.
Inwiefern die Kritik nach 16 Spieltagen gerechtfertigt ist, sei dahingestellt. Immerhin steht Werner trotz allem bei schon acht Treffern und sechs Vorlagen. Doch eine so lange Durststrecke wird einem Stürmer im erfolgsorientierten Umfeld der Blues eben nicht so leicht verziehen wie im Entwicklungsverein Leipzig. Der Druck ist größer, das Spiel erbarmungsloser. Auf und neben dem Platz.
"Ich habe natürlich schon gezeigt, dass ich in der Liga den Unterschied machen kann. Aber ich hatte auch ein paar Spiele drin, wo ich ehrlich sagen muss: Das war gar nichts", gab Werner vor Weihnachten in einem Interview mit "Sky" selbstkritisch zu: "Die Liga ist härter als ich dachte."

Chelsea: Setzt Lampard Werner und Havertz falsch ein?

Fehlendes Selbstbewusstsein und fehlende Härte allein reichen allerdings nicht, um Werners holprige erste Saisonhälfte zu erklären.
"Viele haben Werner vor der Saison als Neuner und Kai Havertz als Zehner gesehen, der die Offensive orchestriert. Allerdings kann man an einer Hand abzählen, wie oft sie wirklich auf diesen Positionen gespielt haben", erklärt Sharland: "Lampard hat sich auf ein 4-3-3-System eingeschossen, weshalb beide oft auf außen spielen mussten."
Und da fühlt sich Werner bekanntlich nicht sonderlich wohl, was in der Vergangenheit bereits in einigen Länderspielen mit der DFB-Elf zu beobachten war.
Die Schnelligkeit bringt der Deutsche zwar mit, doch im Dribbling sind ihm gelernte Flügelspieler wie Christian Pulisic oder Callum Hudson-Odoi einen Schritt voraus. In der Spitze setzte Lampard dagegen zuletzt auf Giroud oder Tammy Abraham.
Sowohl für Werner als auch für Havertz, der nach überstandener COVID-Erkrankung seiner Form ebenfalls hinterherläuft, hat der Coach die richtige Position noch nicht gefunden.

Chelsea in der Krise - Lampard unter Druck

Der Druck liegt also nicht nur bei den beiden Deutschen, sondern auch beim Trainer. "Chelsea hat zu viel investiert, um Werner und Havertz dauerhaft auf die Bank zu setzen", ist sich Experte Sharland sicher.
Ein Blick auf die Tabelle verrät zudem, dass nicht nur die Neuzugänge, sondern das gesamte Team aktuell strauchelt.
Von den vergangenen fünf Liga-Spielen konnten die Blues nur eines gewinnen. Gegen Everton (0:1), Wolverhampton (1:2) und Arsenal setzte es empfindliche Pleiten. In der Tabelle ist Chelsea mittlerweile auf Rang sechs abgerutscht.
Laut Informationen des "Daily Express" ist Lampard intern nicht mehr unumstritten. Auch wegen seiner gewöhnungsbedürftigen Aufstellungen.
Dem 42-Jährige sollte also umso mehr daran gelegen sein, Werner und Havertz wieder ins Laufen zu bringen.
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Quelle: Perform

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