Es war ein riesengroßer Stein, der Jürgen Klopp da vom Herzen fiel. Nach 482 Premier-League-Minuten und insgesamt 93 erfolglosen Schüssen war eine der schwierigsten Phasen in seiner Zeit als Coach des FC Liverpool endlich vorbei. Der Deutsche fasste sich an die Brust und pustete einmal ganz tief durch.
Quasi mit dem Halbzeitpfiff beendete Roberto Firmino im Spitzenspiel gegen Tottenham Hotspur die Tor-Krise der Reds, die den kompletten Januar über in der Liga nicht getroffen und im neuen Jahr noch kein Spiel gewonnen hatten.
Beim 3:1-Sieg im Tottenham Hotspur Stadium platzte der Knoten dann gleich in zweierlei Hinsicht. "Im Spiel, das ich heute gesehen habe, ging es nicht um unsere Form oder Verfassung, es ging darum, wer wir sind", sagte Klopp nach Abpfiff bei "BT Sport": "Das waren wir - besonders in der zweiten Hälfte. Ich bin verzückt, es war ein tolles Match."
Premier League
Bann gebrochen! Liverpool schlägt Tottenham im Spitzenspiel
28/01/2021 AM 21:57
Was uns im Topspiel der Premier League sonst noch auffiel.

1. Manés großer Auftritt

Viel Kritik war zuletzt auf die Big Three des LFC eingeprasselt. Nur verständlich, stehen Firmino, Mohamed Salah und Sadio Mané doch normalerweise für Tore am Fließband statt für kollektive Ladehemmung.
Letztgenannten scheint die Tor-Krise der Roten besonders aufgeregt zu haben, denn gegen Tottenham war Mané wortwörtlich nicht zu stoppen. Die Hälfte der 14 Liverpool-Abschlüsse ging auf sein Konto.
Bereits in der ersten Hälfte war der Senegalese der absolute Aktivposten in der Reds-Offensive, stach immer wieder gefährlich in die Räume hinter der tief stehenden Spurs-Verteidigung.
Zwar scheiterte Mané zunächst dreimal in guter Position (2./24./42.) an den eigenen Nerven und an Hugo Lloris; kurz vor der Pause war der 28-Jährige dann aber zur Stelle, verarbeitete einen langen Pass im Sechzehner traumhaft mit der Brust und bediente den eingelaufenen Firmino (45.+4).
Auch am 2:0 durch Trent Alexander-Arnold (47.) war er mit einem Schlenzer, den Lloris zum Torschützen abprallen ließ, maßgeblich beteiligt. Den dritten Treffer markierte Mané dann höchst selbst (65.).
"Die richtigen Leute haben heute getroffen", erklärte Klopp im Anschluss zufrieden.

2. Thiago reibt sich gegen zwei "Büffel" auf - und siegt

Es war wahrlich kein leichter Abend für Thiago Alcántara. Mit Übersteigern für die Galerie (43.) kam der Ex-Bayern-Star am Donnerstag nicht weit, denn im Mittelfeld sah sich der Spielgestalter über weite Strecken einer physischen Übermacht gegenüber.
Gegen Tottenhams Doppelsechs, bestehend aus Pierre-Emile Höjbjerg und Tanguy Ndombélé, sah der Spanier im ersten Durchgang kaum Land. Die beiden Spurs-"Büffel" spielten hart und entschieden einen Großteil der Zweikämpfe in der Zentrale für sich.
Thiago musste einstecken, rieb sich auf, gewann am Ende nur drei von zehn direkten Duellen. Zudem sah er bereits in der 24. Minute die Gelbe Karte, was ihn im weiteren Spielverlauf hemmte.
Doch Thiago stand trotz aller Umstände seinen Mann. Dass er nach einem harten Zusammenprall in der 52. Minute mit Joe Rodon mit einem Turban auf dem Kopf weiterspielen musste, hätte den Abend des 29-Jährigen bildlich kaum besser beschreiben können. In der 78. Minute machte er ausgelaugt Platz für Youngster Curtis Jones.
Auf der Insel werden noch öfter Spiele auf Thiago zukommen, in denen er seinem Team nicht mit Zauberpässen hinter die Kette, sondern mit Einsatz und Kampf den größten Dienst erweisen kann. Dass er dazu bereit ist, hat er gegen Tottenham eindrucksvoll bewiesen.

Klopp über Neuzugänge: "Brauchen den richtigen Spieler"

3. Ohne Kane fällt Mourinhos Kartenhaus auseinander

Es hatte alles so gut begonnen für die Spurs. Bereits in der 3. Minute zappelte der Ball hinter Alisson Becker im Netz. Nach einem Konter hatte Heung-min Son auf Vorlage von Harry Kane vollstreckt. Genau so, wie sie es im Laufe der Saison schon oft praktiziert hatten. Genau so, wie es José Mourinho geplant hatte.
Nur blöd, dass Son in der Entstehung mit der Hacke ein paar Millimeter im Abseits stand. Zu diesem Zeitpunkt nicht spielentscheidend, viel mehr brachte die Spurs-Offensive in den folgenden 87 Minuten aber nicht mehr zustande.
Tottenham parkte mit einer kompakten Fünferkette den Bus vor dem eigenen Sechzehner. Das funktionierte 45 Minuten lang gut, weil Eric Dier, Ben Davies und Rodon in der Abwehrzentrale weitestgehend fehlerfrei blieben. Mit dem ersten Gegentreffer fiel Mourinhos eindimensionaler Matchplan aber in seine Einzelteile zusammen.
Dass Kane nach Schlägen auf beide Sprunggelenke zur Halbzeit verletzt raus musste, beraubte die Spurs zudem jeglicher offensiver Ideen. Gerade einmal drei Abschlüsse standen am Ende auf dem Spielberichtsbogen.
"Das Spiel war wie gemacht für uns. In der ersten Hälfte standen wir sehr gut organisiert", fasste Mourinho später zusammen: "Dann verlieren wir Harry, müssen die Struktur des Teams anpassen. Und in der ersten Minute der zweiten Halbzeit kassieren wir das zweite Tor – aufgrund des gleichen Fehlers."
Auch Höjbjergs zwischenzeitlicher Anschlusstreffer (49.) hauchte den Nordlondonern kein neues Leben mehr ein.
Es bleibt dabei: Gegen Klopps Liverpool tut sich Tottenham besonders schwer. Die vergangenen sechs Liga-Duelle haben die Spurs allesamt verloren.
Das könnte Dich auch interessieren: Drei Tuchel-Signale beim Debüt: Die Befreiung des Kai Havertz

Tuchel verrät: Diese persönliche Nachricht bekam ich von Lampard

Premier League
Risiko Arsenal: Das macht Ödegaards Job bei den Gunners so schwer
28/01/2021 AM 18:17
Premier League
Drei Tuchel-Signale beim Debüt: Die Befreiung des Kai Havertz
27/01/2021 AM 23:31