Pep Guardiola grinste. "Ich liebe die Premier League", sagte der Trainer von Manchester City nach einem packenden Spiel an der Anfield Road gegen den FC Liverpool: "Deswegen ist sie die beste Liga der Welt."
Nach einer von ManCity überlegen geführten, aber torlosen ersten Halbzeit, überschlugen sich in der zweiten Halbzeit die Ereignisse. Liverpool legte durch Sadio Mané (59.) und Mohamed Salah (76.) zweimal vor, doch City glich durch Phil Foden (69.) und Kevin De Bruyne (81.) zweimal aus.
Ein Ergebnis, mit dem sich am Ende alle anfreunden konnten - und mussten. "Wir müssen das Ergebnis so akzeptieren", sagte Salah: "Ich wünschte ich könnte sagen, es wäre unverdient, aber man kann es schon so stehen lassen."
Premier League
Salahs Traumtor reicht nicht gegen City - Liverpool verliert Tabellenführung
03/10/2021 AM 17:24
Was uns auffiel.

1. Pep rastet aus

Pep Guardiola war on fire. James Milner hatte so eben Bernardo Silva unsanft auf die Füße geklopft und weil Schiedsrichter Paul Tierney den Ex-Citizen nicht mit Gelb-Rot des Feldes verwies (73.), fiel der spanische Coach kurzzeitig vom Glauben ab.
Als kurz danach noch das 2:1 fiel und Bernardo Silva anschließend für eine Lappalie verwarnt wurde, platzte Pep richtiggehend der Kragen - Guardiola sah Gelb und war auch nach dem Spiel nicht zu beruhigen.
"Das ist eine Gelbe Karte. Ganz klar. Das ist Anfield, das ist Old Trafford. Aber wenn einer unserer Spieler in so eine Situation kommt, fliegt er vom Platz - 100 Prozent", echauffierte sich Guardiola nach der Partie: "Das ist einfach eine ganz klare zweite Gelbe."

Guardiola beim Spiel Liverpool gegen Manchester City

Fotocredit: Getty Images

Es war die unschöne Seite eines eigentlich sehr ansehnlichen Spiels, eine, die Hektik reinbrachte und mindestens einen Liverpool-Fan offenbar auch zu einer hässlichen Aktion hinreißen ließ: Laut ManCity-Verantwortlichen wurden Mitglieder des Trainerteams der Gäste angespuckt.
"Das wurde mir gesagt, ich selbst habe es nicht mitbekommen", meinte Guardiola später: "Ich bin mir sicher, Liverpool wird den Schuldigen ausfindig machen und ihn sanktionieren - so wie damals, als sie unseren Bus beworfen und beschädigt haben (April 2018, Anm. d. Red.). Es ist immer eine Freude, nach Anfield zu kommen."

2. Salah hat einen Monsterlauf

Jürgen Klopp stand auch nach dem Spiel noch der Mund offen. Zumindest klang er so. "Pure Weltklasse", sei das gewesen, was man in der 76. Minute erleben durfte. Gemeint: das zwischenzeitliche 2:1 von Mohamed Salah.
Der Ägypter hatte sich im halbrechten Korridor den Ball geschnappt und war in einer atemberaubenden Geschwindigkeit durch vier ManCity-Verteidiger gekurvt, dass es einen unweigerlich an Lionel Messi in seiner besten Zeit erinnerte – abgesehen vom Abschluss mit rechts. Die Bewegungen: so fließend. Der Abschluss ins lange Eck: so trocken.
Keine Frage: Einzig dank Salah, der Mané schon toll das 1:0 (59.) vorgelegt hatte, schnupperte Liverpool am Sieg. "Und das ist nicht das erste Mal, dass er so getroffen hat", schwärmte Klopp von seinem 29 Jahre alten Flügelstürmer: "Gegen Napoli und Tottenham hat er ähnlich getroffen. Was für ein Spieler!" Salahs Vorlage habe auch Manés Tor zu einem "großartigen Treffer" veredelt.
Durch sein Tor hat Salah nun in sieben Pflichtspielen in Folge getroffen – so eine Serie hat er im Reds-Trikot noch nie hingelegt. "Er ist einfach unglaublich", meinte Jordan Henderson. Klopp ging sogar soweit, Salahs Treffer schon jetzt in die Vereinsannalen zu schreiben. "Dieser Klub vergisst nichts. Die Leute werden noch lange von diesem Tor sprechen und sich auch in 56 Jahren noch an dieses Spiel erinnern."
Salah selbst blieb dagegen cool: "Ich muss mir das Tor nochmal ansehen. Es wäre noch schöner gewesen, wenn wir gewonnen hätten. Es war ein gutes Tor, aber viel mehr gibt's dazu nicht zu sagen."

"Außergewöhnlich!" Klopp schwärmt von Salah-Tor

3. City belohnt sich zu wenig

Pep Guardiola setzte gegen Liverpool auf dieselbe Elf wie beim 1:0 gegen Chelsea, bediente sich aber eines klugen Schachzugs, in dem er die linke Angriffsseite mit Phil Foden und Bernardo Silva besetzte und so dem Aushilfsrechtsverteidiger James Milner gehörig Probleme bereitete.
Dass City innerhalb von acht Tagen schon gegen Chelsea (1:0) und PSG (0:2) gespielt hatte, merkte man nicht. Die Gäste spielten vor allem in der ersten Halbzeit so sicher, dass Liverpool nicht mal sein gefürchtetes Gegenpressing anbringen konnte. Im Gegenteil: Vor allem auf der rechten Abwehrseite wurde es immer wieder brenzlig.
"Es war schwer, weil sie viel den Ball hatten. Sie haben das Spiel von Beginn an dominiert, aber zumindest sind wir mit einem 0:0 in die Pause gekommen", sagte Salah. Und Klopp, der direkt nach dem Halbzeitpfiff entschlossen in Richtung Kabine gestürmt war, um seine Mannen besser einzustellen, meinte: "Wäre das Spiel nach 45 Minuten zu Ende gewesen, hätte ich mich sehr schlecht gefühlt, weil das nicht einmal 20 Prozent von uns waren. Die erste Halbzeit war wirklich eine der beschissensten, die ich bisher gesehen habe. Gott sei Dank hat ein Fußballspiel zwei."
Manchester City muss sich nach dem Spiel allerdings den Vorwurf gefallen lassen, auf höchstem Niveau abermals nicht entschlossen und zielstrebig genug aufgetreten zu sein. Gerade im Strafraum fehlt es den Citizens in engen Spielen auf Top-Level oft an der Präsenz – so auch in der ersten Halbzeit in Liverpool.
Das Guardiola-Team schoss zwar insgesamt zwölf Mal in Richtung Reds-Keeper Alisson Becker, allerdings nur drei Mal aufs Tor. Und hätte nicht Rodri kurz vor Schluss das fast schon sichere 3:2 durch Fabinho mit einer Monstergrätsche verhindert, ManCity wäre wie unter der Woche in Paris (0:2) als Verlierer vom Platz gegangen.
Guardiola zeigte sich dennoch zufrieden. "Die Art und Weise, wie wir an der Stamford Bridge, in Paris und heute gespielt haben, zeigt, dass wir eine großartige Mannschaft sind", sagte er. Und. "Wenn wir so verlieren wie in Paris und heute unentschieden spielen, ist das okay. Ich bete, dass wir so weitermachen und die Spieler heil von ihren Nationalmannschaften zurückkommen." Sprach's und machte sich auf den Weg in die Länderspielpause, in der er nach Barcelona reisen und seine Familie besuchen wird.
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