Drei Dinge, die bei Tottenham gegen Liverpool auffielen: Salah hat sein Mojo zurück

Der FC Liverpool gewinnt mit dem 2:1 bei Tottenham Hotspur sein erstes Auswärtsspiel der Premier-League-Saison und feiert Big Points. Mohamed Salah wirbelt spielentscheidend und versteht sich immer besser mit seinem Partner Darwin Núñez. Spurs-Kante Eric Dier sorgt dagegen auf beiden Seiten für Unruhe. Und Trent Alexander-Arnold wird überspielt. Drei Dinge, die uns beim Top-Spiel auffielen.

Mohamed Salah trifft zum 2:0 für den FC Liverpool bei Tottenham Hotspur

Fotocredit: Getty Images

13 lange Spieltage hat es gedauert, bis die Null ausradiert wurde: Der FC Liverpool hat am Sonntagabend mit dem 2:1 (2:0) bei Tottenham Hotspur den ersten Auswärtssieg der Premier-League-Saison gefeiert - endlich, mögen Reds-Fans hinzuhauchen.
Trainer Jürgen Klopp spürte entsprechend eine "Riesenerleichterung". Auch wenn der Sieg der Gäste schmeichelhaft war, zeigte sich der Deutsche "ganz, ganz glücklich heute". Immerhin verkürzte Liverpool damit den Rückstand auf die Spurs in der Tabelle auf sieben Punkte - bei noch einem Spiel mehr in petto.
"Das wichtigste sind heute die drei Punkte", sagte deshalb auch Mohamed Salah, mit zwei Toren (11./40.) der Matchwinner für Liverpool. Sein frommer Wunsch nach wackeligen Wochen: "Hoffentlich gibt uns der Sieg mehr Selbstvertrauen."
Ganz anders dagegen die Gemütslage bei Tottenham. "Es ist schwierig, die Niederlage heute Abend zu erklären, wir hätten viel mehr verdient", sagte Trainer Antonio Conte: "Ich denke, das Ergebnis ist ungerecht."
Drei Dinge, die uns beim Top-Spiel in London auffielen.

1.) Salah hat sein Mojo zurück

Der FC Liverpool wusste am Ende wohl selbst nicht so genau, wie er das Spiel im Tottenham Hotspur Stadium gewonnen hat. Die Spurs spielten vor allem in der zweiten Halbzeit besser als die Gäste, sie produzierten mehr Chancen, sie kombinierten gefälliger über die Außen - brachten aber einfach den Ball nicht oft genug über die Linie.
Ivan Perisic allein hätte schon mehr Zählbares auf den Spielbericht packen können, hätte er nicht zweimal nur Alu getroffen (15./49.).
So machte am Ende Mohamed Salah den Unterschied. Zum einen, weil er immer besser mit Darwin Núñez harmoniert. Zum anderen, weil er nach wie vor unglaublich kalt im Abschluss ist.
Salahs Partner Núñez ging in London viele weite Wege, war sehr aktiv und vor allem stets den Fuß anspielbar, während Salah auf den tiefen Ball lauerte. Vor dem 1:0 glänzte der Uruguayer zudem als uneigennütziger Vorbereiter.
Salah hingegen scheint kurz vor der WM-Pause, die für den Ägypter auch wirklich Urlaub bedeutet, in Top-Form zu kommen.
Mit welcher Zielstrebigkeit der 30-Jährige beim 1:0 abschloss (11.) und mit welcher Kaltschnäuzigkeit er beim 2:0 den Fehler von Eric Dier ausnutzte (40.), erinnerte schon fast wieder an Salahs Heldentaten, die Liverpool 2019 zum Champions-League-Titel und 2020 zur Meisterschaft führten.
"Er ist wieder Liverpools Lebensversicherung", sagte Ex-Nationalspieler René Adler bei "Sky". "Das waren Top-Tore, absolute Weltklasse", freute sich Klopp: "Eins sensationell rausgespielt, auch richtig gut gemacht von Darwin, und eins einfach super schlau von Mo."
Salah selbst erklärte: "Ich versuche immer, einen guten ersten Kontakt zu haben, der mich in eine gute Abschlussposition bringt. Die Ballkontrolle bei wenig Platz und die Abschlussgeschwindigkeit sind entscheidend." Der Ägypter hätte sogar noch ein drittes Tor schießen können (53.). Das wäre dann aber auch wirklich des Guten zu viel gewesen.
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Der FC Liverpool jubelt - Mohamed Salah (r.) hat bei Tottenham Hotspur getroffen

Fotocredit: Getty Images

2.) Dier brennt an beiden Enden

So zumindest die Einstellung der Spurs im zweiten Durchgang - als rechtes Glied der Dreierkette agierte der 28-Jährige nach dem Seitenwechsel als verkappter Rechtsaußen und als Schwungrad für die Tottenham-Offensive. So hätte er beinahe die Wende eingeleitet.
Mit seiner starken Passquote von knapp 96 Prozent und enormer Spielfreude machte der Verteidiger den Reds das Leben richtig schwer. Mit einer scharfen Flanke aufs Tor hätte er beinahe Reds-Torwart Alisson Becker düpiert (50.), später initiierte er den Anschlusstreffer von Harry Kane (70.).
Zur Wahrheit über Dier gehörte aber auch, dass er beim 0:2 von Salah einen katastrophalen Fehler beging (40.) und so den Spurs das Spiel verlor.
Als letzter Mann schätzte Dier einen weiten Abschlag von Becker völlig falsch ein. Statt mit dem Kopf zu Hugo Lloris zurückzuköpfen, bekam er den Ball auf die Schulter, von wo er in den Lauf des lauernden Salah tropfte - und der ließ sich nicht zweimal bitten. "Das passiert ihm auch nicht so oft - er hat normal mehr Gefühl im Kopf als im Fuß. Ganz, ganz bitter", hatte René Adler bei "Sky" Mitleid.
"Das ist die Geschichte unserer bisherigen Saison - wir haben in der ersten Halbzeit nicht gut genug gespielt und wurden bestraft", klagte Kane.

3.) TAA nicht in WM-Form

Vor knapp eineinhalb Jahren wäre England beinahe Europameister geworden; wenige Wochen vor der WM sieht die Gemütslage im selbsternannten Mutterland des Fußballs ganz anders aus. Nach zuletzt gruseligen Ergebnissen und dem Abstieg aus dem A-Bereich der Nations League machten zuletzt vor allem Verletzungsmeldungen die Runde.
Gerade der Außenverteidigerbereich ist mit den Ausfällen von Reece James, Ben Chilwell (beide Chelsea) und Kyle Walker (Manchester City) arg gebeutelt. Eigentlich die Chance für Liverpools Eigengewächs Trent Alexander-Arnold, der diese Saison aber ebenfalls schon von Verletzungen heimgesucht wurde und auch deshalb seiner Bestform deutlich hinterherläuft.
Gegen Tottenham war "TAA" jedenfalls die ausgemachte Schwachstelle in der Liverpool-Defensive. Vor allem im ersten Durchgang spielte ihm sein schneller Gegenspieler Ryan Sessegnon fast schon Knoten in die Beine.
Alexander-Arnold hatte nach 19 Minuten Glück, dass Schiedsrichter Andrew Madley nach einem Schubser nicht auf Elfmeter für Tottenham entschied. Auch in der 34. Minute war Sessegnon zu schnell für TAA. Bei Perisics Lattentreffer (49.), erneut von Sessegnon vorbereitet, irrte er nicht minder desorientiert durch den Strafraum.
Alexander-Arnolds große Stärke, die offensiven Läufe, kamen gegen die Spurs ebenso kaum zum Tragen. Der Rechtsverteidiger lieferte nur eine Torschussvorlage und brachte keine Flanke an. Zudem verlor er 18-mal den Ball - nur Konaté gab das Spielgerät noch häufiger her (19).
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