Granit Xhakas Renaissance beim FC Arsenal: Vom Kapitän zur Hassfigur und wieder zurück

Der FC Arsenal sorgt in der Premier League mächtig für Furore - und Granit Xhaka ist eine der prägenden Figuren des Höhenflugs. Der Schweizer geht in neuer Rolle sowohl auf als auch neben dem Platz voran. Dabei schien das Verhältnis zwischen Xhaka und dem Verein bereits 2019 zerrüttet, ein Wechsel nach Berlin stand kurz bevor. Heute ist der 30-Jährige froh, sich anders entschieden zu haben.

Granit Xhaka ist einer der Erfolgsgaranten des FC Arsenal

Fotocredit: Getty Images

"We've got... Granit Xhaka! We've got… Granit Xhaka!", hallte es vor knapp einem Monat von der Auswärtstribüne des Brentford Community Stadium.
Der FC Arsenal hatte gerade den heimischen FC mit 3:0 abserviert und die Tabellenführung in der Premier League gefestigt.
Der Besungene konnte es im Anschluss kaum glauben. "Es war unglaublich, was heute passiert ist. Dass ich meinen Namen gehört habe, dass ihr den Song für mich gesungen habt", sagte ein glücklicher Xhaka danach in einem Video auf Instagram: "Es war ein besonderer Tag."
Seither ist das Lied regelmäßig zu hören, auch im heimischen Emirates Stadium. Xhaka, der Abgeschriebene, den die Fans nicht mehr wollten, ist zu einer der strahlenden Figuren von Arsenals Höhenflug geworden.
Und nicht nur in der Meisterschaft geht der Schweizer voran: Beim 1:0-Sieg in der Europa League gegen die PSV Eindhoven erzielte Xhaka das einzige Tor und sicherte seiner Mannschaft damit vorzeitig das Weiterkommen.
Für den Nationalspieler und auch den Klub ist das eine bemerkenswerte Wende, denn noch vor drei Jahren spielten sich im Emirates noch ganz andere Szenen ab.

Xhaka: Zur Hassfigur und zurück

Ende Oktober 2019, vor fast genau drei Jahren, kam es beim Heimspiel der Gunners gegen Crystal Palace zum Eklat.
Xhaka wurde ausgebuht von den eigenen Fans, breitete provokativ die Arme aus und legte die Hand ans Ohr, bei der Auswechslung in der 61. Minute riss er sich das Trikot vom Leib. Die Anhänger quittierten den Abgang des Kapitäns mit ironischem Jubel. Der antwortete: "Verpi*** euch."
Ein Bruch zwischen der Basis und dem Spieler, der 2016 von Borussia Mönchengladbach für 45 Millionen Euro nach Nord-London gewechselt war. Als es nicht lief für Arsenal, war Xhaka der Sündenbock. Hassnachrichten auf Social Media gegen ihn und seine Familie waren die Folge. Zudem entzog ihm der damalige Coach Unai Emery nach der Aktion gegen Palace die Binde.
Xhaka wollte nur noch weg, am liebsten zurück in die Bundesliga. "Berlin hat Kontakt mit mir aufgenommen, es waren nur noch Details zu klären", verriet Xhaka später in einem Interview mit dem "Guardian". Doch es sollte anders kommen.
Mikel Arteta, der im darauffolgenden Dezember für Emery übernahm, überredete den Mittelfeldspieler zu bleiben. "Ich bin froh, dass ich mich so entschieden habe", sagt Xhaka heute. Denn die Gunners sind drei Jahre später wieder ein Spitzenteam - und das hat viel mit dem 30-Jährigen zu tun.
picture

Der FC Arsenal feiert den Sieg über den FC Liverpool

Fotocredit: Getty Images

Arsenal sorgt in der Premier League für Furore

Nach zehn Spieltagen führt Arsenal (27 Punkte) die Tabelle der Premier League mit vier Zählern Vorsprung auf Manchester City (23) an. Selbst dreckige, glückliche Siege kann das junge Team von Arteta mittlerweile, wie sie zuletzt bei Leeds United unter Beweis stellten (1:0).
"Wir haben diese Saison eine andere Mentalität", meint Xhaka: "Wir arbeiten sehr hart, pushen uns gegenseitig, um unsere Ziele zu erreichen." Auch in der Europa League liegen die Hauptstädter voll auf Kurs. Mit einem Sieg im Nachholspiel gegen PSV Eindhoven (Donnerstag ab 19:00 Uhr im Livescoring) kann das Team vorzeitig die K.o.-Runde klarmachen.
"Wir glauben an uns, etwas Großes kann passieren", so Xhaka, der in der Premier League 898 von 900 möglichen Minuten auf dem Platz stand und dessen Einfluss in der Zentrale neben dem zweiten Routinier im Team, Thomas Partey, größer als je zuvor ist.
Der Grund: Xhakas veränderte Rolle im System.

Deutlich offensiver: Neue Rolle verschafft Xhaka mehr Freiheiten

Wurde der Schweizer unter Arsène Wenger, Emery und in den ersten Jahren unter Arteta jeweils als defensiver Anker vor der Abwehr eingesetzt, agiert er in dieser Saison deutlich offensiver.
Durch das in Ballbesitz oft praktizierte 2-3-5-System, in dem die Außenverteidiger Teile des Spielaufbaus übernehmen, hat Xhaka deutlich mehr offensive Möglichkeiten, kann die Halbräume besetzen und somit seine Stärken als Box-to-Box-Spieler ausnutzen.
Xhaka steuerte in knapp einem Viertel der Saison bereits zwei Tore und drei Assists bei. Jetzt schon mehr als in den vergangenen drei Jahren, als ihm jeweils nur ein Treffer und zwei Vorlagen über die komplette Spielzeit gelangen.
"Ich habe viel mehr Freiheiten vom Trainer und von meinen Mitspielern", freut sich der 30-Jährige - und zahlt es mit Leistung zurück. "Ich bin glücklich, mit ihm zusammenspielen zu können. Er ist intelligent und hat große Qualität", lobte ihn Neuzugang Gabriel Jesus, nachdem ihm Xhaka in Brentford einen Treffer aufgelegt hatte. Beim 4:2 gegen Leicester City Mitte August gelang Xhaka zudem erstmals im Arsenal-Trikot ein Treffer und Assist im gleichen Spiel.
Auch, dass Xhaka sein hitzköpfiges Temperament mittlerweile besser im Griff hat, kommt bei den Fans gut an. In dieser Saison sammelte der Schweizer bislang "nur" drei Gelbe Karten. Zudem engagiert er sich dafür, dass die Anhänger mehr eingebunden werden.
In der "Amazon"-Doku-Serie "All Or Nothing: Arsenal" macht er sich beispielsweise für öffentliche Trainingseinheiten stark. In der Bundesliga Normalität - in England bislang nicht. Eine Agenda, die wahrgenommen wird, wie man an den Fan-Gesängen sieht.

Xhaka: Auch bei der Schweiz absoluter Fixpunkt

Doch nicht nur mit Arsenal, auch mit der Schweizer Nationalmannschaft hat Xhaka große Ziele. In der Zentrale ist er auch dort der Fixpunkt. "Wir brauchen Granit, seine Erfahrung, seine Leaderqualitäten, seine mentale Stärke, gerade in großen Spielen", sagt Trainer Murat Yakin.
Gerüchte über angebliche Reibereien mit seinem Kapitän seien "absolut falsch", so der Übungsleiter. Xhaka scheint gerade zur rechten Zeit in Topform, um mit der Nati bei der anstehenden WM in Katar die Erfolge der EM 2021, als man erst im Viertelfinale im Elfmeterschießen an Spanien scheiterte, zu wiederholen - oder gar zu übertreffen.
Bis dahin wird Xhaka aber noch in London gebraucht. Sein kleines Schweizer Fußballmärchen, so scheint es, wird dort gerade erst geschrieben.
Das könnte Dich auch interessieren: "Das perfekte Spiel": Kroos bringt Real ins Schwitzen
(mit SID)
picture

Klopp zu Fremdenfeindlichkeits-Vorwurf: "Meilenweit weg von mir"

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung