Manchester United - Erik ten Hag lässt Ronaldo-Theater abperlen: Wie der Niederländer die Red Devils umkrempelt

Erik ten Hag wurde im Sommer mit der schwierigen Aufgabe betraut, Manchester United wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Obwohl der ehemalige Trainer von Ajax Amsterdam mit etlichen Problemen beim englischen Rekordmeister konfrontiert wurde, blieb er seinem Stil treu – und setzte sich sogar gegen Cristiano Ronaldo durch. Mittlerweile erntet der Niederländer die Früchte für seine Hartnäckigkeit.

Erik ten Hag krempelt Manchester United um

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Gänzlich zufrieden war Erik ten Hag am Dienstagabend nach dem 3:0-Erfolg gegen den AFC Bournemouth vor heimischer Kulisse nicht.
"Ich bin glücklich über den Sieg, das ist ja klar. Aber heute haben wir nicht das beste Spiel gemacht, so ehrlich müssen wir sein", sagte der Trainer von Manchester United im Anschluss an den Sieg, der gleichzeitig der vierte Liga-Dreier in Serie war.
Ten Hag ergänzte: "Wir haben nicht clever genug gespielt. Die Tore waren toll, aber wir hatten ein ums andere Mal auch Glück." Das Duell zwischen seiner Mannschaft und den Cherries, das etliche Schlagabtausche für die Zuschauer bereithielt, habe bei ten Hag Erinnerungen an ein Tennis-Match geweckt. "Aber wir wollen kein Tennis spielen, wir wollen Fußball spielen", sagte er.
Äußerungen, die das Streben des Niederländers nach Perfektionismus untermauern. Ten Hag ist Fußball-Fanatiker mit Hang zum Pedantismus. Wenn es vermeintlich gut läuft, läuft es aus ten Hags Sicht nicht gut genug. Auf dem Weg zum Erfolg setzt der Niederländer auf seine ganz eigenen Methoden. Das schmeckt nicht jedem.

Ten Hag führt neue Regeln ein

Schon kurz nach seiner Ankunft im Sommer wehte im Old Trafford aus Spielersicht ein deutlich rauerer Wind. Kein Alkohol mehr in Spieltagswochen, regelmäßiges Wiegen oder ein verhängtes Handyverbot beim gemeinsamen Teamessen waren beispielsweise einige Änderungen, die ten Hag nach Amtsübernahme durchsetzte.
Einer schien von der strengen Marschroute des Neuankömmlings nicht viel zu halten: Cristiano Ronaldo. In divenhafter Manier versuchte der Superstar die Autorität ten Hags zu untergraben. Tag für Tag überschlugen sich die Meldungen zu CR7, der Tenor war stets: Ronaldo will weg, es sei nicht der Anspruch des Portugiesen, sich mit der Europa League abzufinden. Königsklasse, drunter macht es ein fünfmaliger Ballon-d'Or-Sieger nicht.

Das unrühmliche CR7-Spiel

Ein Abnehmer ließ sich trotz eifriger Suche von Ronaldos Staragent Jorge Mendes nicht finden. Ten Hag sprach ein Machtwort, Ronaldo blieb – zähneknirschend. Was folgte, war ein unwürdiges Drama in mehreren Akten. Ronaldos Stadionflucht vor Abpfiff, eine anschließende Suspendierung, Dasein als Ergänzungsspieler, das jetzt schon legendäre Rundumschlag-Interview mit Piers Morgan, infolgedessen Ronaldos Vertrag aufgelöst wurde und der – aus Sicht des 37-Jährigen – zumindest monetär lukrative Wechsel zu Al-Nassr, der kurz vor Jahreswechsel offiziell verkündet wurde.
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Manchester United: Trainer Erik ten Hag und Cristiano Ronaldo

Fotocredit: Imago

Ronaldo, der während der WM in Katar von Portugals Nationaltrainer Fernando Santos zum Reservisten degradiert worden war, folgte dem Geld. Die neue Realität heißt Saudi Professional League statt Champions League. Ten Hag ließ das Theater indes erstaunlich kalt, der 52-Jährige ließ das Ganze wie Teflon abperlen. "Ich wollte vom ersten Moment an, dass er bleibt. Aber er wollte gehen", sagte er im Anschluss an Ronaldos Weggang nüchtern.

Ten Hag: "Dann muss er gehen"

Er schob nach: "Wenn ein Spieler definitiv nicht in diesem Verein sein will, dann muss er gehen, das ist klar. Wir wollen eine neue Zukunft für Manchester United und er wollte kein Teil davon sein. Wir machen weiter."
Und ten Hag macht weiter, hält an seiner harten Linie fest – und scheut dabei nach wie vor nicht, auch die großen Namen in seiner Mannschaft mit disziplinarischen Maßnahmen zu sanktionieren. Marcus Rashford, seines Zeichens Top-Torjäger in dieser Saison, fand sich beispielsweise zuletzt auf der Bank wieder, weil er ein Teammeeting versäumt hatte.
"Ich war ein bisschen zu spät. Ich habe verschlafen", verriet der englische Nationalspieler, der nach der verordneten Denkpause gegen Wolverhampton (1:0) mit seinem Treffer am Silverster-Nachmittag schließlich noch zum Mann des Spiels avancierte. "Ich war enttäuscht, nicht zu spielen, aber ich verstehe es." Sein Regelverstoß sei "ein Fehler gewesen, der passieren kann. Ich denke, wir können einen Schlussstrich darunter ziehen und weitermachen", so Rashford.
Ten Hag erklärte im Anschluss an besagte Partie mit Blick auf Rashfords "Vergehen": "Jeder muss unsere Standards und Regeln einhalten. Wir müssen konsequent sein. Das erwarte ich auch auf dem Platz, sonst können wir keinen Erfolg haben." Rashford habe letztlich "die richtige Antwort gegeben."

Shaw lobt Methoden: "Können nicht machen, was sie wollen"

Mittlerweile kommt ten Hags Philosophie auch innerhalb des Teams offensichtlich gut an. "Bei einem Topklub muss es genau so sein", sagte Abwehrspieler Luke Shaw. "Die Leute können nicht machen, was sie wollen – und vielleicht war das teilweise ein Problem in der Vergangenheit, dass manche mit solchen kleinen dummen Sachen davongekommen sind." Shaw muss es wissen, immerhin steht der 27-Jährige bereits seit 2014 bei den Red Devils unter Vertrag.
Coach ten Hag hat also eine andere Kultur beim Traditionsverein etabliert. "Der Trainer berücksichtigt das alles. Wie man heute gesehen hat, spielst du nicht, wenn du die Standards nicht einhältst", befand Shaw abschließend.
Bei ten Hag gilt das Leistungsprinzip, das bekam nicht nur Ronaldo in der jüngeren Vergangenheit zu spüren. Auch Harry Maguire, der 2019 als teuerster Verteidiger der Geschichte für 87 Millionen Euro den Weg von Leicester nach Manchester fand und seit 2021 Kapitän des englischen Rekordmeisters ist, fiel ten Hags Umstrukturierung zum Opfer.
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Erik ten Hag und Harry Maguire (r.)

Fotocredit: Getty Images

Nach dem schwachen Saisonstart Uniteds (1:2 gegen Brighton und 1:4 gegen Brentford, d. Red.) setzte ten Hag Maguire rigoros auf die Bank. In der Folge fing sich die Mannschaft – und der Spielführer kam höchstens auf Kurzeinsätze. Bei der Winter-WM in Katar überzeugte Maguire bei den Three Lions an der Seite von Jones Stones zwar auf ganzer Linie, bei ten Hag muss er sich trotzdem neu beweisen.

Ten Hag über Maguire: "Muss richtig hart arbeiten"

"Es liegt an ihm, dieses Selbstvertrauen wie in der englischen Nationalmannschaft auf dem Platz zu zeigen, und das hat er nicht in allen Spielen gezeigt", sagte ten Hag im Gespräch mit der "Sun". "Er muss richtig hart arbeiten, dann wird er auch ähnlich spielen wie bei England. Ich erwarte das von ihm, die Mannschaft auch. Wenn er das tut, wird er ein großartiger Spieler für uns."
Beim 3:0 über Bournemouth spielte Maguire erstmals seit Ende Oktober wieder über die volle Distanz. Dabei zeigte er eine ansprechende Leistung. "Er hat heute auf einem sehr hohen Level gespielt", lobte Abwehr-Kollege Victor Lindelöf seinen Nebenmann.
Ten Hag ist es gelungen, im Schatten des Ronaldo-Wirbels eine Mannschaft zu formen, die ihm folgt. Beinahe heimlich, still und leise führte der neue Übungsleiter den einstigen Riesen in die oberen Tabellengefilde.
Nach dem wichtigen Sieg am Dienstagabend etablierte sich United auf dem vierten Rang. Der Rückstand auf den zweitplatzierten Stadtrivalen ManCity beträgt lediglich einen Punkt (bei einem Spiel mehr, d. Red.), der Vorsprung auf den ersten Nicht-Champions-League-Platz (Tottenham, Platz 5) in der Tabelle der Premier League bereits fünf Zähler.
All das wird ten Hag nicht reichen. Der Fußball-Fanatiker strebt nach Höherem. Er kann nicht anders.
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Quelle: Perform

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