Nottingham Forest: Mehr Ausgaben als Bayern oder PSG - Premier-League-Aufsteiger treibt Transferwahnsinn auf die Spitze
Premier-League-Aufsteiger im Kaufrausch: Nottingham Forest hat in diesem Sommer bereits über 150 Millionen Euro für Neuzugänge und damit sogar mehr als europäische Topteams wie der FC Bayern, Paris Saint-Germain oder der FC Barcelona ausgegeben. Obwohl der Klub damit eine klare Strategie verfolgt, gibt es durchaus Kritik. Doch woher nimmt Nottingham überhaupt das Geld für den Transferangriff?
Moussa Niakhate - Nottingham Forest
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Ausgerechnet in der Stadt, in der Robin Hood der Legende nach einst als Vorreiter für soziale Gerechtigkeit das Geld von den Reichen an die Armen weitergab, machen sich die Ausmaße des modernen Transferwahnsinns bemerkbar.
Nicht weniger als 157 Millionen Euro hat der englische Traditionsklub Nottingham Forest, der im Sommer erstmals seit 23 Jahren wieder in die Premier League aufgestiegen ist, für insgesamt 18 neue Spieler ausgegeben. Richtig gelesen: 157 Millionen Euro für 18 (!) neue Spieler - und die Tendenz ist weiter steigend.
Die "Tricky Trees" haben in dieser Sommer damit mehr Geld als die Spitzenklubs der Brache um den FC Bayern, den FC Barcelona, Manchester City oder Paris Saint-Germain ausgegeben. Lediglich die Ligakonkurrenten FC Chelsea (186,6 Millionen Euro), West Ham United (182) und Tottenham Hotspur (170) haben im europäischen Vergleich höhere Millionensummen auf dem Transfermark gelassen als Nottingham.
Jüngste Errungenschaft des englischen Meisters aus dem Jahr 1978 ist der brasilianische Linksverteidiger Renan Lodi, der für eine Leihgebühr von 5 Millionen Euro zunächst für ein Jahr von Atlético Madrid kommt.
Jener Kaufrausch wirft zweifelsohne die Frage auf, woher es kommt, dass ein Aufsteiger derartige Millionensummen für neue Spieler ausgeben kann.
Nottingham dank Investor Marinakis und TV-Gelder im Kaufrausch
Zum einen hat Nottingham mit Evangelos Marinakis, der gleichzeitig auch den griechischen Spitzenklub Olympiakos Piräus besitzt, einen durchaus generösen Investor. Der 55-jährige Grieche, der sein Vermögen hauptsächlich durch Geschäfte im Bereich der Schifffahrt (Company Capital Maritime and Trading Corp) erlangte, übernahm den Klub im Jahr 2017 und gilt als leidenschaftlicher Fußballfan.
"Marinakis scheut sich nicht, Geld auszugeben, um zu versuchen, das Team in der Premier League zu halten", erklärt Fußball-Experte Ibrahim Mustapha von Eurosport in London.
Eine weitere, nicht zu unterschätzende Einnahmequelle des Liga-Neulings sind die Fernsehgelder. Während Nottingham in der vergangenen Spielzeit in der zweiten englischen Liga lediglich einen einstelligen Millionenbetrag an TV-Gelder erhielt, sind alleine dem Letztplatzierten in der Premier League angeblich rund 125 Millionen Euro sicher.
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Die Profis von Nottingham Forest feiern Neuzugang Taiwo Awoniyi
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Nottingham: Skepsis an Bundesliga-Quartett
Die Folge ist die zweitgrößte Transferoffensive der Historie eines Aufsteigers auf europäischer Ebene. Einzig die AS Monaco gab 2013/14 noch mehr Geld für Transfers aus (160 Millionen Euro) als Nottingham in der laufenden Spielzeit.
Neben durchaus namhaften Neuzugängen wie Jesse Lingard, Dean Henderson (beide vormals Manchester United/ablösefrei) oder Top-Talent Neco Williams (FC Liverpool/20 Millionen Euro) gesellen sich mit Orel Mangala (VfB Stuttgart/13 Mio. Euro), Moussa Niakhaté (FSV Mainz 05/10 Mio. Euro), Omar Richards (FC Bayern/8,5 Mio. Euro) und Taiwo Awoniyi (Union Berlin/20,5 Mio. Euro) gleich vier ehemalige Bundesligaprofis hinzu.
Obwohl sich Letztgenannter bereits einmal in die Torschützenliste eintragen konnte, wird das Quartett aus dem deutschen Oberhaus jedoch durchaus kritisch beäugt.
"In England scheint es im Moment ein bisschen Zynismus gegenüber Spielern aus der Bundesliga zu geben, da einige Probleme hatten, ihre Form während ihrer Zeit in Deutschland zu wiederholen (Timo Werner, Wout Weghorst und auch Jadon Sancho in seiner ersten Saison), sodass die Erwartungshaltung an sie möglicherweise nicht allzu hoch ist. Dies könnte jedoch wiederum den Druck von ihren Schultern nehmen, wodurch sie Zeit haben, um sich in Ruhe zu integrieren", so Eurosport-Experte Mustapha.
Kritik an Nottinghams Strategie wird laut
Dies dürfte aus Sicht des Aufsteigers hoffentlich schon sehr bald der Fall sein, immerhin hielt sich der Erfolg bislang noch in Grenzen. Lediglich vier Punkte holte Nottingham aus den ersten vier Partien. Am Mittwochabend geht es gegen niemand Geringeres als den englischen Meister Manchester City.
"Der durchwachsene Saisonstart deutet darauf hin, dass Forest in dieser Saison einen schweren Stand haben wird", prognostiziert Mustapha. Die Strategie der "Tricky Trees" ist dennoch klar: Einen radikalen Umbruch mit jungen, talentierten Spielern vollziehen, die bereits Erfahrungen bei ihren ehemaligen Klubs sammeln konnten und den Aufstiegskader deutlich aufwerten.
Allerdings gibt es bei Weitem nicht nur Lob für jenen eingeschlagenen Weg. "Es gibt viel Kritik von Leuten, die dem Klub vorwerfen, rücksichtslos und verzweifelt zu sein und darüber hinaus keine wirkliche Strategie zu haben, da die Neuzugänge sehr lange brauchen werden, um sich einzuspielen. Einfach nur viel Geld auf dem Transfermarkt auszugeben ist keine Garantie, um erfolgreich zu sein.", betont Mustapha.
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Neco Williams - Nottingham Forest
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Nottingham nur die Spitze des Eisbergs
Keine Frage, der Transferangriff des Aufsteigers ist nur die Spitze des Eisbergs und aufgrund der Entwicklungen des modernen Fußballs auch ein Stück weit folgerichtig.
Aufgrund der Tatsache, dass der zweimalige Europapokalsieger der Landesmeister bis dato jedoch lediglich sieben Millionen Euro durch Spielerverkäufe generiert hat (Stichwort Financial Fair Play), hat der Kaufrausch dennoch einen etwas faden Beigeschmack.
Fest steht, mit der Legende von Robin Hood haben die aktuellen Geschehnisse in Nottingham nur noch wenig zu tun.
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Quelle: Perform
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