Der unvorhersehbare Lauf des FC Chelsea: Die Mechanismen greifen endlich, aber das Gebilde bleibt fragil
Nach einer chaotischen Hinrunde hat sich der FC Chelsea stabilisiert und darf mittlerweile sogar von Europa träumen. Der Sieg gegen Brighton & Hove Albion war bereits der vierte in Folge. Das Lazarett lichtet sich, die Mechanismen des Fußballs von Teammanager Mauricio Pochettino greifen endlich. Das Gebilde Chelsea bleibt trotzdem ein fragiles, was paradoxerweise auch an Pochettino liegt.
Christopher Nkunku
Fotocredit: Getty Images
Christopher Nkunku breitete die Arme aus, blies erst die Backen und dann den blauen Luftballon auf. Ein ikonisches Spektakel, welches die Chelsea-Fans noch nicht so oft zu sehen bekommen haben.
Der Ex-Leipziger hatte in der laufenden Saison bisher nicht viel zu feiern. Aufgrund einer schweren Knieverletzung, Problemen mit der Hüfte und dem Oberschenkel kommt er seit seinem Wechsel an die Stamford Bridge im vergangenen Sommer gerade einmal auf 488 Einsatzminuten.
Sein Tor beim 2:1-Sieg bei Brighton & Hove Albion war erst sein drittes im Trikot des FC Chelsea. Ein erster Schritt in die richtige Richtung, Erleichterung pur. Ein Bild, das in den vergangenen Wochen und Monaten auch auf den kompletten Chelsea Football Club zutrifft.
Der Sieg bei den Seagulls am vergangenen Mittwoch hievte das Team von Mauricio Pochettino auf Platz sechs der Premier-League-Tabelle. Gewinnt Manchester City am 25. Mai im Finale gegen Stadtrivale Manchester United den FA Cup, würde das die Teilnahme an der Europa League bedeuten, mindestens aber an der Europa Conference League. Verliert Tottenham Hotspur das abschließende Liga-Spiel in Sheffield und Chelsea besiegt gleichzeitig den AFC Bournemouth (ab 17:00 Uhr live im Ticker), ist sogar Platz fünf noch möglich.
Ein Umstand, den angesichts der völlig verkorksten Hinrunde und den vielen Verletzungen bei den als Chaos-Klub verschrienen Blues kaum noch jemand für möglich gehalten hatte.
Chelsea macht Schritt in die richtige Richtung
Das letzte Mal, dass man in der Tabelle so weit oben gestanden hatte, war im November 2022. Natürlich ist Platz sechs immer noch nicht dort, wo der Klub schon einmal stand und wo er wieder hinwill.
Wer in nur einem Transferfenster fast 500 Millionen Euro investiert, der möchte um die Meisterschaft, mindestens aber um die Qualifikation für die Champions League mitspielen.
Dass diese Rechnung nicht immer aufgeht, hat Chelsea seit der Übernahme durch Todd Boehly und dem BlueCo-Konsortium im Sommer 2022 schmerzlich erfahren müssen.
Seit Jahresbeginn geht der sportliche Trend aber erstmals wieder konstant in die richtige Richtung.
Chelsea: Im jahr 2024 ednlich konstant
Mal abgesehen von der herben 0:5-Klatsche im Stadtderby gegen Arsenal, hat Chelsea seit Anfang Februar in der Premier League kein Spieler mehr verloren. Seit dem Boxing Day 2023 haben die Blues nach Manchester City, dem FC Arsenal und dem FC Liverpool die meisten Punkte in der Liga gesammelt.
Die vergangenen vier Spiele wurden allesamt gewonnen. Gerade gegen Tottenham (2:0) und West Ham (5:0) zu Beginn des Monats habe Chelsea "wunderschönen Fußball gespielt", so Co-Eigentümer Boehly: "Es war so flüssig. Genau so, wie wir es uns vorgestellt haben."
Es gibt viele positive Entwicklungen: Zum einen lichtet sich das Lazarett. Neben Nkunku stieß jüngst auch Kapitän Reece James nach fast fünfmonatiger Verletzungspause zur Mannschaft.
Zudem scheinen Pochettinos Mechanismen endlich zu greifen. Neben Cole Palmer, der Chelsea zeitweise alleine auf Kurs hielt und zweifelsohne zu den besten Spielern der Premier League zählt, zeigen auch Nicolas Jackson, Conor Gallagher oder Noni Madueke konstant gute Leistungen und tragen ihren Teil zu Pochettinos flüssigem, selbstbewussten Offensiv-Fußball bei.
Pochettino trotz Aufschwung auf dem Prüfstand
Dennoch bleibt das Gebilde Chelsea ein fragiles, was paradoxerweise auch an Pochettino Position liegt.
Denn trotz des jüngsten Aufschwungs ist die Zukunft des argentinischen Trainers im Verein dem Vernehmen nach nicht gesichert.
Die Eigentümer und Sportdirektoren wollen dessen Situation nach der Saison neu bewerten. Pochettino gab zuletzt zu, monatelang keinen Kontakt zu Boehly und Co. gehabt zu haben. Das nährte die Gerüchte, Chelsea könnte den 52-Jährigen trotz Vertrags bis 2025 vorzeitig vor die Tür setzen.
Er wäre nach Thomas Tuchel und Graham Potter bereits der dritte Trainer, dem es in der nicht einmal zweijährigen Boehly-Ägide so erginge. Die Stippvisite von Frank Lampard am Ende der vergangenen Saison mal ausgeklammert.
Palmer: Spieler stehen hinter Pochettino
Auch Pochettino klang in seinen Pressekonferenzen nicht immer glücklich. Vergangene Woche hatte er sogar angeregt, im Sommer selbst die Reißleine ziehen zu können: "Es gibt zwei Seiten, die diese Entscheidung treffen können. Es geht nicht nur darum, dass Chelsea nicht happy ist, die Besitzer oder die Sportdirektoren nicht happy sind. Vielleicht sind auch wir nicht glücklich, weil wir hierhergekommen sind, um einen Job zu erledigen und am Ende ist nicht passiert, was wir erwartet haben."
Dabei bräuchten die Blues nichts dringender als Stabilität – auch auf der Trainerposition.
Die Unterstürzung der Kabine hat Pochettino auf jeden Fall sicher. "Alle Spieler lieben ihn und wollen für ihn kämpfen", sagte Leistungsträger Palmer bei der "BBC".
Ob ihn die Eigentümer nach der Siegesserie auch liebgewonnen haben, werden die kommenden Wochen zeigen.
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Quelle: Perform
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