EM 2024 - Kobbie Mainoo ist Englands große Hoffnung: Ein Mix aus Luka Modric, Andrea Pirlo und Clarence Seedorf
VonThomas Gaber
Publiziert 30/03/2024 um 10:23 GMT+1 Uhr
England hat Harry Kane, Jude Bellingham, John Stones, Declan Rice und Phil Foden. Seit neuestem hat England auch noch Kobbie Mainoo. Die Teenager-Sensation von Manchester United erlebte in den letzten Monaten einen raketenhaften Aufstieg und ist plötzlich die große EM-Hoffnung der Three Lions, weil er Dinge kann, die im Star-Kader von Nationaltrainer Gareth Southgate sonst keiner kann.
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Quelle: Perform
Irgendwann musste Gareth Southgate einknicken. Zu groß war der Druck geworden seitens der englischen Medien, Kobbie Mainoo doch endlich in den Nationalkader der Three Lions zu berufen.
"Sehr verehrter Mr. Southgate, holen Sie diesen Mann!", forderte das Boulevard-Blatt "Sun" Anfang Februar, nachdem Mainoo seinen Klub Manchester United in der siebten Minute der Nachspielzeit zum 4:3-Sieg in der Premier League gegen die Wolverhampton Wanderers schoss.
Mainoo hatte ein beherztes Solo mit einem Schlenzer ins Eck vollendet und spätestens da eine Hysterie im Mutterland des Fußballs ausgelöst. Dabei ist der 18-Jährige im Hauptberuf gar nicht fürs Toreschießen zuständig. Mainoo ist ein defensiv orientierter Mittelfeldspieler, eine Mischung aus Sechser und Achter.
Vor ein paar Monaten war der Teenager nur eingefleischten United-Anhängern ein Begriff. Als die Engländer vergangenen November in der EM-Qualifikation gegen Malta und Nordmazedonien antraten, hatte Mainoo noch keinen Saisoneinsatz für die Profi-Mannschaft der Red Devils absolviert.
Galaauftritt im FA-Cup gegen Liverpool
Seitdem erlebt das ManUnited-Eigengewächs einen kometenhaften Aufstieg. Mainoo wurde von Trainer Erik ten Hag im zentralen Mittelfeld quasi aus dem Nichts zum Stammspieler befördert, stand in den letzten zwölf Premier-League-Spielen immer in der Startelf und zeigte konstant starke Leistungen.
Als Southgate am 14. März seinen Kader für die Testspiele gegen Brasilien (0:1) und Belgien (2:2) bekannt gab, fehlte der Name Kobbie Mainoo jedoch weiterhin. Drei Tage später wurde Mainoo der breiten Öffentlichkeit im FA-Cup-Viertelfinale gegen den FC Liverpool (4:3 n.V.) vorgestellt.
Medien und Experten bescheinigten ihm eine überragende Vorstellung. "Oh mein Gott, ist der Junge gut. Und er wird immer besser, besser und besser", frohlockte Ex-ManCity-Verteidiger Micah Richards.
Southgate gab seinen Widerstand auf und nominierte Mainoo nach. Gegen Brasilien feierte der 18-Jährige auch gleich sein Länderspieldebüt, als er in der 75. Minute für Conor Gallagher ins Spiel kam. Die Feuertaufe erlebte Mainoo dann gegen Belgien: Startelfeinsatz als Partner von Arsenal-Star Rice mit dem Auftrag, dem Gegner Bälle zu klauen, schnelle Umschaltbewegungen zu kreieren und Bellingham den Rücken freizuhalten.
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Die United-Fans lieben Nr. 37: Kobbie Mainoo
Fotocredit: Getty Images
Nicht Mainoo jagt den Gegner - der Gegner jagt Mainoo
Nach 95 intensiven Minuten verließ Mainoo den Platz mit der Trophäe für den Spieler des Spiels. Die Presse überschlug sich mit Lobeshymnen. "Kobbie ist Englands Antwort auf Luka Modric, ihr ganz eigener Andrea Pirlo. Ein Talent mit der Technik und der Fähigkeit, das Pressing zu beherrschen, das Tempo zu kontrollieren und den Gegner zu überrumpeln, indem er die Art von Öffnungen sieht, die den anderen Spielern im Mittelfeld einfach nicht einfallen", schrieb der "Guardian".
Mainoos Stärke ist die Fähigkeit, unter Gegnerdruck anspielbar zu sein, den Ball in engem Räumen zu verarbeiten und dann Lösungen parat zu haben, Angriffe zu initiieren. Eine große Gabe für einen defensiven Mittelfeldspieler, weil er nicht dem Gegenspieler hinterherläuft, sondern den Gegner dazu bringt, ihn zu jagen.
Vor dem Elfmeter, der zum zwischenzeitlichen 1:1 führte, gelang Mainoo dies in Perfektion. Nach der Ballannahme ließ er mit einer Körpertäuschung zwei Belgier ins Leere laufen und machte den Angriff mit einem Steckpass auf Bellingham scharf.
"Wie er den Ball behandelt, seinen Körper einsetzt und ihn verschiebt - das erinnert mich stark an Clarence Seedorf", sagt TV-Experte Rio Ferdinand über Mainoo. Derweil lobte Southgate die Reife des englischen Supertalents: "Man kann Kobbies Alter nicht wirklich glauben, so abgezockt, wie er spielt."
Ritterschlag von Gary Lineker
Southgate hatte lange davor gewarnt, Mainoo nicht zu hoch zu jubeln und ihm Zeit zu geben, sich weiterzuentwickeln. Deshalb habe er ursprünglich auf dessen Nominierung verzichtet. Nach dem Auftritt gegen Belgien kommt der Nationalcoach nicht mehr an Mainoo vorbei.
Den Ritterschlag bekam die Teenie-Sensation von Gary Lineker. "Hervorragend! Kobbie Mainoo hat sich nicht nur in den Kader für die Europameisterschaft gespielt, sondern möglicherweise auch in die Startaufstellung. Gut gemacht, junger Mann", schrieb die England-Legende bei "X".
Vom "No-Name" in die EM-Startelf innerhalb eines halben Jahres - die Mainoo-Mania hat England fest im Griff.
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