Manchester City leckt Wunden nach Remis gegen Tottenham Hotspur: Die himmelblaue Maschine überhitzt
Manchester City musste sich im Spitzenspiel gegen Tottenham Hotspur trotz Dominanz mit einem 3:3 begnügen. Mit dem dritten Remis in dieser Spielzeit ließen die Skyblues die Chance, Tabellenführer FC Arsenal auf den Fersen zu bleiben, liegen. Im Anschluss richtete sich die Wut der City-Stars gegen den Schiedsrichter. Der vermeintlich unzerstörbaren Maschine droht die Überhitzung.
Guardiola zeigt Verständnis für Haaland-Tirade
Quelle: Perform
Erling Haaland, traditionell wortkarg und skandinavisch besonnen, war kaum zu bändigen.
Seine Wut richtete sich zunächst gegen Schiedsrichter Simon Hooper, der Manchester City in der Nachspielzeit einen zunächst angedeuteten Vorteil weggepfiffen und Jack Grealish auf dem Weg zum mutmaßlichen Last-Minute-Siegtreffer eingebremst hatte.
Ob Grealish, der noch gut 25 Meter Wiese und Tottenham-Torhüter Guglielmo Vicario vor sich sowie drei flinke Spurs-Verteidiger im Nacken hatte, tatsächlich das 4:3 erzielt hätte, verpuffte somit als hypothetische Frage in der eiskalten Luft von Manchester.
Dass dem Engländer aber nicht einmal die Chance eingeräumt wurde, seine Abschlussqualitäten unter Beweis zu stellen, brachte Haaland auf die Palme.
Der Knipser vom Dienst nahm sich den Unparteiischen zur Brust und ließ seiner Empörung auch nach Abpfiff freien Lauf. Zunächst geriet er auf dem Weg in die Katakomben mit Gegenspieler Giovani Lo Celso aneinander, kurz darauf verlinkte er besagte Grealish-Szene und untermalte seinen Post auf "X" mit drei prägnanten Buchstaben: "WTF" – "Was zur Hölle?"
Guardiola verteidigt Haaland
Haalands Reaktion sei "ganz normal", sagte Trainer Pep Guardiola, als er mit Haalands Social-Media-Beitrag konfrontiert wurde. "Haaland ist ein bisschen enttäuscht. Selbst der Schiedsrichter wäre enttäuscht, wenn er heute für ManCity gespielt hätte", ergänzte der Katalane mit einem zynischen Grinsen. Dabei war Guardiola eigentlich nicht nach lachen zumute.
Auch er haderte merklich mit Hoopers Entscheidung, ließ sich aber zu keinem Wut-Statement hinreißen. "Ich werde keinen Mikel-Arteta-Kommentar abgeben", sagte Guardiola am "Sky"-Mikrofon und spielte damit auf seinen ehemaligen Co-Trainer an, der mittlerweile den FC Arsenal als Chefcoach betreut.
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Pep Guardiola
Fotocredit: Getty Images
Arteta hatte Anfang November nach einer 0:1-Niederlage der Gunners in Newcastle zum Rundumschlag gegen den VAR ausgeholt und diesen als "Schande" tituliert. Der englische Verband FA erhob daraufhin Anklage gegen Arteta.
Einer potenziellen Sanktion entging Guardiola also gekonnt, dass beim amtierenden Champions-League-Sieger im Anschluss an das Remis vor heimischer Kulisse gegen die Spurs überhaupt großflächiger Unmut herrschte, war aber nicht nur einer Schiri-Entscheidung geschuldet. Manchester City, die schier unzerstörbare Maschine, weist seit einigen Wochen erhebliche Mängel auf – vor allem in puncto Defensivarbeit.
City-Defensive wackelt bedenklich
Acht der insgesamt 16 Gegentore in dieser Saison (nach 14 Spielen) fing ManCity sich in den vergangenen drei Ligaspielen (4:4 gegen den FC Chelsea, 1:1 gegen den FC Liverpool und 3:3 gegen Tottenham), in der Königsklasse lief der Dauer-Dominator zuletzt einem 0:2 zuhause gegen RB Leipzig hinterher (am Ende 3:2).
Sprich: Während die prunkvolle Offensivabteilung nach wie vor verlässlich liefert (36 Ligatore, bester Angriff der Premier League), ist die normalerweise so solide Hintermannschaft dieser Tage alles andere als sattelfest. Ganz besonders auffällig sind die offensichtlichen Unkonzentriertheiten in der Schlussphase.
In besagten Duellen mit Chelsea (90.+5), Liverpool (80.) und den Spurs (90.) setzte es jeweils einen späten Gegentreffer, der die Guardiola-Elf um den Sieg brachte.
Micah Richards, langjähriger City-Profi, legte nach Abpfiff den Finger bei "Sky" in die Wunde: "Es gibt definitiv einen Abstieg. Die Mannschaft verlässt sich zu sehr darauf, dass die Stürmer sie aus der Verantwortung nehmen. Normalerweise machen die Stürmer beim Stand von 1:1 noch zwei oder drei Tore", so Richards. Er schob nach: "Im Moment ist das nicht der Fall, sie lassen die Gegner wieder ins Spiel kommen, sie müssen einfach besser verteidigen."
Richards: Angst vor City ist weg
Richards weiter: "Ruben Dias soll einer der besten Verteidiger der Liga sein, Nathan Aké kommt beim Kopfball von Kulusevski (beim 3:3, d. Red.) zu spät. Das sind individuelle Fehler. Sie sind defensiv verwundbar und die Gegner haben keine Angst mehr, gegen City zu spielen."
Auch das einstige Raubein von Stadtrivale Manchester United, Roy Keane, sieht beim Meister große Defizite. "Ich würde niemals eine Wette gegen City eingehen, aber ich habe meine Zweifel, dass sie in dieser Saison den Meistertitel verteidigen", sagte der 52-Jährige bei "Sky". Liverpool-Legende Jamie Carragher pflichtete Keane bei.
"Für den neutralen Betrachter ist es schön zu sehen, dass City Punkte liegen lässt. Nachdem sie das Triple in der Vorsaison geholt haben, dachte man: 'Wer wird dieses Team jemals stoppen?' Jetzt fühlt es sich so an, als gäbe es endlich wieder ein Titelrennen. Wenn man uns alle fragt, würden wir ihnen immer noch den Titel zutrauen, wir haben bei City schon erlebt, dass sie in der zweiten Saisonhälfte einen Lauf haben. Vielleicht wird Arsenal aber in dieser Saison stärker sein, Liverpool hat ohnehin die nötige Erfahrung."
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Rodri von Manchester City
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Die Gunners, die schon in der vergangenen Saison lange um die Meisterschaft gekämpft hatten, grüßen aktuell vom Platz an der Sonne (33), Liverpool lauert mit 31 Zählern dahinter, während City (30) Rang drei belegt. Neben den drei Schwergewichten schickt sich Überraschungsteam Aston Villa an, ein Wörtchen um den Titel mitzusprechen. Die Mannschaft von Unai Emery mit den beiden ehemaligen Leverkusenern Moussa Diaby und Leon Bailey hat lediglich einen Punkt Rückstand auf die Citizens.
Wegweisendes Duell mit Aston Villa
Am Mittwoch (21:15 Uhr im Liveticker) hat der Klub aus Birmingham im direkten Aufeinandertreffen mit City die Möglichkeit vorbeizuziehen. Guardiola muss dabei auf Leistungsträger Rodri und Grealish verzichten, beide handelten sich gegen Tottenham ihre fünfte Gelbe Karte ein, zudem ist ein Einsatz des formstarken Flügelflitzers Jeremy Doku fraglich.
"Wir finden normalerweise immer eine Lösung, aber in letzter Zeit haben wir zu kämpfen", gab Guardiola am Sonntagabend zu: "Ich erinnere mich an die erste Saison, als wir gut spielten, aber keine Ergebnisse erzielt haben. Die einzige Medizin, die ich aus meiner Zeit als Spieler und Trainer kenne, ist: Dranbleiben, dranbleiben und noch mal dranbleiben."
Anders gesagt: Immer das nötige Werkzeug parat haben, um die Maschine vor der Überhitzung zu schützen. Ob der große Knall abgewendet werden kann, ob Haaland und Co. wieder herunterkühlen, wird die Zeit zeigen.
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Quelle: Perform
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