FC-Bayern-Leihgabe Mathys Tel wirkt nach der Transfersaga um Wechsel zu Tottenham Hotspurs endlich angekommen
VonJan Zesewitz
Update 26/02/2025 um 12:45 GMT+1 Uhr
Mathys Tel hat den FC Bayern München nach einer längeren Transfersaga verlassen und spielt für die Tottenham Hotspur - vorerst per Leihe bis zum Saisonende. Beim kriselnden Klub in der englischen Hauptstadt ist der 19-Jährige zwar noch nicht komplett eingeschlagen, aber er hat sich Vertrauen erspielt und die Hoffnung auf eine fußballerische Heimat über den kommenden Sommer hinaus.
Postecoglu nach Wechsel-Posse über Tel: "Zu 100 Prozent überzeugt"
Quelle: Perform
Die Entscheidung fiel beim Frisör. Es bedurfte sehr viel Überzeugungsarbeit von Trainer Ange Postecoglou, aber "Stunden" (laut Coach) und einen Haarschnitt später war Tel klar: Tottenham kann eine Chance für ihn sein.
"Eine Seite war schon gut geschnitten, die andere nicht wirklich", schildete der Angreifer den Moment. "Er sagte zu mir: 'Mathys, ich glaube, du wärst ein guter Spieler für diese Mannschaft. Du kannst uns neue Energie bringen und etwas Besonderes einbringen. Wir müssen noch viele Spiele gewinnen.' Dieser Anruf war sehr positiv für mich."
Es war wohl auch dieses Vertrauen, das Tel beim FC Bayern nicht mehr auf diese Weise verspürt hat. In der Hinrunde kam der 19-Jährige auf zwei Startelfeinsätze in der Bundesliga, wettbewerbsübergreifend kam er in 14 von 28 möglichen Spielen zum Einsatz, meistens als Joker. Ein Tor gelang ihm nicht.
Bei den Spurs absolvierte er bisher vier Spiele, stand dabei dreimal in der Startelf und erzielte ein Tor. Der Start beim neuen Team war also auf dem Papier ein Erfolg für Tel. Aber die Gemengelage ist komplizierter, wie nicht nur die langwierige Transfersaga zeigte.
Vom Juwel zum Bankdrücker: Tel beim FC Bayern
Blickt man noch einmal zurück in die Hochphase der Wintertransferphase Ende Januar bis Anfang Februar. Nahezu täglich konnte man neue Infos und Gerüchte zu Tels Status beim FC Bayern - die sich gerne auch täglich widersprachen.
Am Ende bedurfte es zur finalen Entscheidung eben den Anruf von Postecoglou. "Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn zermürben könnte, wenn ich ihn lange genug am Telefon hielte. Am Ende schlief er beinahe ein", beschrieb der Australier - nicht komplett ernsthaft - die Situation. "Ich hatte ziemlich früh das Gefühl, dass wir auf einer Wellenlänge sind und dass er hörte, was er hören wollte."
Was er hören wollte, dürfte die Worte "mehr Spielzeit" und "größere Rolle" beinhaltet haben. 2,5 Jahre spielte er bei den Bayern, wurde dort in seiner ersten Saison mit 17 Jahren zum jüngsten Torschützen in der Geschichte des Rekordmeisters. In der zweiten Spielzeit steigerte er seine Quote auf 41 Einsätze mit sieben Toren und fünf Vorlagen
Er galt als das offensive Supertalent, als einer, dem neben Jamal Musiala die Zukunft in München gehören könnte. Aber wenn es darauf ankam, in der heißen Phase der Saison, fand sich der Franzose immer häufiger auf der Bank wieder. Die Verantwortung trugen bei den Bayern andere.
Mehr Spielzeit, kein entscheidender Einfluss bei den Spurs
Für einen 19-Jährigen ist das kaum anders zu erwarten. Aber die Tendenz ging in der aktuellen Saison in die falsche Richtung: Vincent Kompany fand weniger Verwendung für Tel als noch Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann, dabei wurde die Vertragsverlängerung im März 2024 noch mit großem Getöse bekanntgegeben.
Und bekannt ist auch: Eigentlich wollte Tel bei den Bayern nie weg. "Er wollte nie weg, er will dort Erfolg haben ", sagt Serhou Guirassy, der Tel aus der gemeinsamen Zeit in Rennes kennt. "Er war immer zielstrebig. Aber wenn man merkt, dass man nicht genug Spielzeit hat, um weiterzukommen, muss man sich woanders umsehen."
Das sieht in London unter Postecoglou nun ganz anders aus - zumindest vorerst. Mit Richarlison, Dominic Solanke und Timo Werner sind gleich drei Konkurrenten um Spielzeit auf den Offensivpositionen seit Tels Ankunft verletzt. Wie sich die Rangordnung in der Offensive im letzten Saisondrittel verteilt, ist also noch offen.
Tel hat jetzt die Chance, sich unverzichtbar zu machen. Trotz positiver Ansätze, vor allem in seinen ersten beiden Spielen, bei denen sich die Spurs ausgerechnet aus beiden Pokalwettbewerben verabschiedet haben, hat er das Spiel des Tabellen-Zwölften der Premier League noch nicht auf ein neues Level gehoben.
Bei zwei Siegen in der Liga gegen Manchester United und Ipswich Town blieb er ohne Torbeteiligung. Gegen United vergab er einige Chancen, beim 4:1 gegen den Abstiegskandidaten aus Ipswich blieb er blass. "Er hat sein Talent schon klar aufblitzen lassen", sagte Pete Sharland von Eurosport UK. "Aber es gab auch schon einige schwächere Auftritte, bei denen er unsichtbar war. Dafür gibt es aber verschiedene Gründe, ein faires Urteil kann man wohl erst am Ende der Saison fällen."
Tottenham plant feste Verpflichtung
Eine Heimat scheint Tel in London gefunden zu haben. Laut dem Online-Portal "GiveMeSport" fühlt er sich "pudelwohl" sowohl im Verein, als auch in der Stadt. Und sein Trainer hat ohnehin gesagt, dass er den 19-Jährigen "nicht nur für sechs Monate geholt" habe.
Wenn der Spieler einverstanden wäre, kann die Leihe in einen permanenten Transfer im Sommer umgewandelt werden. Dann würden für die Spurs rund 55 Millionen Euro als Ablösesumme fällig werden. Auch in der Premier League eine hohe Summe für einen Verein, der in der kommenden Saison nicht europäisch spielen wird.
In den kommenden Monaten ist es also Tel, der Überzeugungsarbeit leisten muss - auf dem Platz, nicht am Telefon. Die nächste Chance hat er direkt beim richtungsweisenden Duell mit Manchester City heute (20:30 Uhr im Liveticker).
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Quelle: Perform
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