Arsenal perfektioniert Chaos im Fünfmeterraum: Warum das Fußballherz in England unter der neuen Ecken-Taktik leidet

Im Fußball hat eine neue Taktik bei der Ausführung von Eckbällen Einzug gehalten: Den Fünfmeterraum überladen, eine scharfe Flanke vor den Kasten - und den Ball dank des entstandenen Chaos über die Linie drücken. "Es ist eine neue Realität", ging Liverpool-Trainer Arne Slot auf diese Entwicklung ein. Die Ausführungen des Niederländers zeigen: Das Fußballherz in England leidet zurzeit sehr.

Slot grimmig: "Ich mag den Fußball der Premier League nicht"

Quelle: Perform

Als der Ball in der 21. Minute des London-Derbys zwischen dem FC Arsenal und dem FC Chelsea von der rechten Eckfahne in den Fünfmeterraum segelte, zeigte sich ein gewohntes Bild.
Sechs Gunners platzierten sich im Hoheitsgebiet von Torhüter Robert Sánchez, zusammen mit ihren sieben Gegenspielern tummelten sich also 13 (!) Menschen auf engstem Raum. Am zweiten Pfosten stieg Gabriel schließlich am höchsten, legte per Kopf für Saliba zurück, der den Ball wiederum über den Oberarm von Sarr in den Kasten köpfte.
Die beiden weiteren Tore beim 2:1-Sieg von Arsenal am Sonntagabend fielen auf dieselbe Weise: Fünfmeterraum überladen und die Bewegungsfreiheit des Keepers einschränken, scharfe Flanke vor den Kasten und wenig später dank der Göttin des Chaos jubeln. Ganz nach dem Motto: Irgendwie geht der Ball schon rein.
16 Tore erzielten die Gunners in der laufenden Premier-League-Saison nach Ecken. Die Standardstärke mag ein Qualitätsmerkmal des Klubs aus Nord-London sein - gleichzeitig ist diese Entwicklung aber auch der Grund dafür, warum das Fußballherz in England leidet.

Slot: "Meinem Fußballherz gefällt das nicht"

"Es ist eine neue Realität", blickte Arne Slot, Trainer des FC Liverpool, auf die neue Gangart bei Standardsituationen.
Ähnliche Strafraumszenen wie auf der Insel, in denen der Torhüter durch den überladenen Fünfmeterraum behindert wird, würden in anderen europäischen Ligen etwa sofort abgepfiffen werden.
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Arne Slot beobachtet die Entwicklung des englischen Fußballs mit Sorgenfalten

Fotocredit: Getty Images

"Hier könnte man dem Torwart fast ins Gesicht schlagen und der Schiedsrichter sagt trotzdem: 'Weiterspielen!' Gefällt mir das? Meinem Fußballherz gefällt das nicht", merkte der 47-Jährige an.
Denkt der Meistertrainer der vergangenen Saison "an Fußball, denke ich an den FC Barcelona von vor zehn bis 15 Jahren. Jeden Sonntagabend hoffte man, dass sie spielen würden. Die meisten Spiele der Premier League, die ich sehe, sind für mich keine Freude anzusehen."

Arsenal gibt bei Standards den Ton an

Gänzlich unschuldig ist Liverpool an dieser Entwicklung aber auch nicht. Seit dem Abgang von Trainer Aaron Briggs haben sich die Reds bei Standardsituationen deutlich verbessert, allein beim 5:2-Triumph über West Ham United fielen drei Tore nach einer Ecke.
"Vielleicht ändert sich das in fünf bis zehn Jahren wieder. Aber es würde mich nicht überraschen, wenn man bei einem Spiel U16-Mannschaften sähe, die sich ausschließlich auf Standardsituationen konzentrieren", fügte Slot hinzu.
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Der FC Arsenal hat das Ecken-Chaos perfektioniert

Fotocredit: Getty Images

Mit schönem Fußball mag das Vorgehen der englischen Vereine nichts zu tun haben, erfolgversprechend ist es aber allemal. So träumt Arsenal tatsächlich vom Quadruple, in den Achtelfinals des FA Cups gegen Mansfield Town (Samstag, 13:15 Uhr) sowie der Champions League gegen Bayer Leverkusen (11. März, ab 18:45 Uhr im Liveticker).
Auch auf europäischem Parkett kam die Konkurrenz übrigens schon auf den Geschmack der unästhetisch-chaotischen Fünfmeterraum-Strategie: Der FC Bayern fing sich in der Ligaphase bei seiner 1:3-Pleite im Emirates Stadium auf diese Weise das 0:1.
Wie einst bei den ikonischen Toren von Arjen Robben gilt auch bei der neuesten Entwicklung in Sachen Standardsituationen: Man weiß, was kommt - aber eben nicht, wie man es verteidigt. Fußballromantiker wie Slot wünschen sich jedoch, dass schon alsbald ein Gegenmittel gefunden wird.
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Quelle: Perform


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