Premier League: Tottenham Hotspur als größter Einkäufer der Welt – wie viel Klasse steckt in Sandro Tonali und Co.?
VonNiklas Bien
Update 16/07/2026 um 15:30 GMT+2 Uhr
Tottenham Hotspur hat keine Lust mehr auf Kompromisse – das wird beim Blick auf die Einkaufsliste des einstigen Topteams klar. 108 Millionen für Sandro Tonali hier, 99 Millionen für Mateus Fernandes da. Kein Verein hat mehr Geld ausgegeben als der Tabellen-17. der abgelaufenen Premier-League-Saison. Tottenham will wieder nach oben – und zahlt dafür nicht nur sprichwörtlich einen hohen Preis.
Sandro Tonali spielt ab sofort für Tottenham Hotspur
Fotocredit: Getty Images
Die Spurs stehen an der Spitze. Sportlich geht diese Aussage schon seit einigen Jahren weit an der Realität vorbei – in einer beinahe genauso prominenten Kategorie ist der zweiterfolgreichste Klub aus dem Norden Londons aber mit Abstand vorne.
Umgerechnet 267 Millionen Euro hat der Abstiegskandidat der vergangenen Premier-League-Saison in diesem Sommer laut "Transfermarkt.de" bereits in Spielerkäufe gesteckt. Manchester City folgt mit fast 100 Millionen Euro weniger dahinter.
Wer angesichts dieser Summe aber glaubt, Ousmane Dembélé oder Jude Bellingham an der neuen White Hart Lane auflaufen zu sehen, der hat sich getäuscht.
Die Summe setzt sich zusammen aus Sandro Tonali (108 Mio./Newcastle United), Mateus Fernandes (99 Mio./West Ham United) und Jan Paul van Hecke (60 Mio./Brighton & Hove Albion). Ablösefrei zieht es zusätzlich Torwart Martin Dubravka, Außenverteidiger Andy Robertson und Innenverteidiger Marcos Senesi nach Tottenham.
Die Fans fordern, die Verantwortlichen müssen liefern
Gute Spieler, gar keine Frage. Dass die Verantwortlichen um Geschäftsführer Vinai Venkatesham für Spieler von maximal internationalem Format so tief in die Tasche greifen, zeigt aber, unter welchem Druck sie stehen – von innen und von außen.
Nach zwei enttäuschenden Saisons, die die Spurs jeweils als 17. abschlossen, hat sich die Kultur verändert - vor allem nachdem man in der vergangenen Spielzeit lange um den Klassenverbleib zittern musste.

Roberto De Zerbi hat Tottenham zum Klassenerhalt geführt
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Die gebeutelte Fanseele, so analysierte der britische "Sky"-Reporter Michael Bridge zuletzt, wünscht sich größere Ausgaben. Die Familie von Besitzer Joe Lewis hat reagiert und den Geldbeutel geöffnet.
Denn der Verein – das muss an der Stelle auch gesagt sein – steht finanziell auf einem stabilen Fundament. Das neue Stadion wirft als Eventlocation hohe Einnahmen ab, unter der langjährigen Führung von Ex-Präsident Daniel Levy hat der Europa-League-Sieger von 2025 verhältnismäßig konservativ gewirtschaftet.
De Zerbi wollte Tonali unbedingt
Die Ausgaben sind also möglich – aber sind sie auch richtig?
Ganz neu ist der Ansatz, die sportlichen Baustellen mit teuren Neuzugängen zu reparieren, nicht. Im vergangenen Jahr gaben die Spurs 267 Millionen Euro aus, ein sportlicher Aufschwung folgte nicht.
Nun das ähnliche Spiel nochmal. Trainer Roberto De Zerbi soll den Transfer von Landsmann Tonali höchstpersönlich vorangetrieben haben. Ein "außergewöhnlicher Spieler", wie der italienische Coach betont.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Tonali in keiner der relevanten Kategorien für defensive Mittelfeldspieler zum Spitzenpersonal der Premier League gehört.
Van Hecke für Vuskovic - ein sinnvoller Deal?
Fernandes ist mit West Ham ganz frisch abgestiegen – trotz und nicht wegen des Portugiesen. Die Ablöse von fast 100 Millionen Euro erscheint trotzdem obszön. Auch die anderen Vereine wissen um den Druck, dem die Verantwortlichen der Spurs ausgesetzt sind.
Der Niederländer van Hecke, der dritte teure Neu-Profi, hat bei der WM seine großen Qualitäten unter Beweis gestellt. Hält der 26-Jährige dieses Niveau, sind die 60 Millionen Euro, die Tottenham nach Brighton überweist, zwar hoch, aber wohl marktgerecht.
Gleichzeitig wechselte der knapp sieben Jahre jüngere Luka Vuskovic für eine ähnliche Summe in die andere Richtung.
Was auffällt: Bei allen Transfers spielt Trainer De Zerbi eine große Rolle. Das Gespräch mit dem Italiener sei "sehr besonders" gewesen, schwärmte etwa Fernandes.
Eine einfache Regel: Nicht absteigen!
In dieser Passung könnte die Stärke der neuen Spurs liegen. Individuell war der Kader selbstverständlich schon in den vergangenen beiden Jahren zu stark für den Abstiegskampf. Das zeigt auch der Europa-League-Triumph vor einem Jahr. De Zerbi muss es nun hinbekommen, die Puzzleteile zu verbinden.
Wie groß selbiges wird, ist gut einen Monat vor dem Saisonstart noch nicht sicher. Die Gerüchteküche brodelt weiterhin – unter anderem Rafael Leão wird mit den Nordlondonern in Verbindung gebracht.
Ein abschließendes Urteil über die Transferphase verbietet sich zu diesem Zeitpunkt, zumal nach der WM noch einmal Bewegung in den Markt kommen wird.
Und: Bei aller Dekadenz, mit der der Fast-Absteiger den Transfermarkt aufmischt, bleibt die vielleicht unterkomplexe, aber treffende Analyse, dass kein Transfer so teuer ist wie ein Abstieg. Wie teuer genau, hätten die Spurs um ein Haar schon in diesem Sommer gespürt.
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Quelle: MagentaTV
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