WM 2026 - Kommentar zur Frankreich-Niederlage im Halbfinale von Dallas gegen Spanien: Die Kapitulation der Zauberer

Ausgeschieden gegen Spanien, ohne zu kämpfen. Les Bleus haben im WM-Halbfinale den Traum aufgegeben. In Dallas war Frankreich abwechselnd naiv, resigniert und niedergeschlagen. Das Ausscheiden ist nicht schändlich, aber die gezeigte Leistung definiert die Wahrnehmung dieser Weltmeisterschaft neu. Von der Brillanz zur Aufgabe - und das im ungünstigsten Moment. Ein Kommentar von Martin Mosnier.

Deschamps findet klare Worte: "Große Enttäuschung"

Quelle: MagentaTV

Es war alles umsonst. Frankreich hatte durchaus das "Recht", im Halbfinale der Weltmeisterschaft gegen Spanien zu verlieren. Aber nicht so. Nicht, indem man kampflos einknickt, ohne zu reagieren, ohne den Eindruck zu erwecken, daran zu glauben.
Wir hatten mit allem gerechnet, nur nicht mit einer solchen Kapitulation. Diese Niederlage ohne Spannung, ohne Aufbegehren, ohne Zorn verändert zwangsläufig den Blick auf dieses WM-Abenteuer.
Bis zum Halbfinale lief alles auf eine andere Geschichte hinaus. Die einer atemberaubenden Mannschaft, die die ganze Welt begeistert, Stars und unparteiische Zuschauer gleichermaßen mitgerissen und sogar ein amerikanisches Publikum bekehrt hat, das dem Fußball sehr fremd gegenüberstand.
Innerhalb eines Monats hatten les Bleus eine Identität, eine Energie und einen Ehrgeiz wiedergefunden, die man ihnen nicht mehr zugetraut hatte.

Plötzlich muss bei Frankreich alles hinterfragt werden

Nur: All die Versprechungen wurden von 90 ziemlich erbärmlichen Minuten hinweggefegt, in denen man Zeuge wurde, wie die Furia Roja ihr Tempo und ihr Gesetz diktierte. Und Frankreich? 90 Minuten der Aufgabe und der Ohnmacht. Ein spielerischer Schiffbruch.
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Kylian Mbappé (r.) scheitert mit Frankreich im WM-Halbfinale

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Bis zum Strafstoß war die Spannung groß und das Kräfteverhältnis ausgeglichen. Es ist, als hätte dieser blöd verschuldete Elfmeter von Lucas Digne alle Überzeugungen zunichtegemacht.
Zum ersten Mal seit dem 10. Juni, dem Tag der Ankunft in den USA, standen "les Méchants" mit dem Rücken zur Wand. Die "Bösen", den Spitznamen haben sich die Spieler in den vergangenen Wochen selbst gegeben. Aber: Sie wussten gegen Spanien nicht zu reagieren.
Plötzlich muss alles hinterfragt werden: Waren die bisherigen Gegner wirklich so stark? War das Mittelfeld zu zweit so haltbar? Musste man wirklich so sehr auf die gleichen Spieler setzen?
Die Weltmeisterschaft der Bleus wird durch das chaotische Ende relativiert und stellt alles infrage, was wir Journalisten seit fünf Wochen über die Mannschaft geschrieben haben.
Die Stars nannten sich "böse", doch sie waren so fügsam, sich von einem spanischen Mittelfeld überrollen zu lassen, das wir sogar schon schon robuster erlebt haben. Der Einzige, der sein Niveau hielt, Adrien Rabiot, landete bereits zur Pause auf der Bank - wegen der Ängstlichkeit von Didier Deschamps, den man bis dahin für seine Kühnheit gelobt hatte.

Kein trotziger Blick, keine Geste des Aufbegehrens

Wir hielten die französischen Stars für gnadenlos, unersättlich. Gegen Spanien waren sie passiv, schüchtern und letztlich sehr gewöhnlich. Zuschauer ihrer eigenen Niederlage. Das Bild wird bleiben. Jenes von Kylian Mbappé, der nach dem zweiten spanischen Tor den Kopf senkt.
Er, der seit einem Monat wiederholte, seine Mission bestehe darin, alle bei der Stange zu halten, das gemeinsame Ziel ständig in Erinnerung zu rufen. Plötzlich hatte der Kapitän niemanden mehr, den er mitreißen konnte. Als hätten die Bleus akzeptiert, dass ihre Geschichte hier endet. Es war noch Zeit, doch niemand im Stadion konnte sich etwas anderes vorstellen als eine herbe Niederlage.
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Deschamps und Mbappé nach dem Halbfinal-Aus bei der WM

Fotocredit: Getty Images

Während der letzten Trinkpause ergriff niemand das Wort - außer Coach Deschamps, der bis dahin zu viele Fehler auf dem Konto hatte, um das Unvermeidliche zu korrigieren. Da war kein Spieler, der die Gruppe wachrüttelte. Kein trotziger Blick, keine Geste des Aufbegehrens. Über die technischen Ungenauigkeiten, die falschen Laufwege oder die Fehler von Digne und Lacroix hinaus werden wir von dieser Begegnung vor allem die Resignation in Erinnerung behalten.

Frankreichs Sterne nur noch Sternschnuppen

War diese französische Nationalmannschaft wirklich so großartig? Am Dienstag waren die Stars, die auf Französisch Sterne (les Étoiles) heißen, nur Sternschnuppen. Kaum zu glauben, und doch ist es an diesem verhängnisvollen 14. Juli 2026 in Dallas genau so gewesen.
Dieser Eindruck, dass die Bleus in dem Moment, als es um ein WM-Finale ging, den Kampf bereits aufgegeben hatten. In Dallas starb eine Hoffnung, begraben von einer Mannschaft - und das war nicht Spanien, sondern Frankreich.

Martin Mosnier ist Fußball-Experte bei eurosport.fr und begleitet die Équipe Tricolore bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada vor Ort.

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Spanien-Torschütze Porro: "Ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist"

Quelle: MagentaTV


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