Relegation | Zitter-Remis gegen SV Heidenheim - Werder Bremen schafft Klassenerhalt

Der SV Werder Bremen hat sich am Montagabend in der Relegation den Klassenerhalt gesichert. Im Rückspiel auswärts gegen den SV Heidenheim reichte ein knappes 2:2 (1:0). Das Hinspiel endete 0:0. Für Werder trafen Norman Theuerkauf (3., Eigentor) und Ludwig Augustinsson (90.+4). Heidenheims Treffer erzielte Tim Kleindienst (85.; 90.+7, Elfmeter).

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So lief das Spiel:

Im Spiel zwischen Verbleib und Abstieg setzte Werder Bremen auf eine taktisch offensive Ausrichtung, in der Hoffnung, von der Auswärtstorregel zu profitieren. Denn bei einem Bremer Tor, benötigte Heidenheim in der Folge einen Sieg, um den Aufstieg in die 1. Bundesliga perfekt zu machen.
In einem 4-3-1-2-System spielten Josh Sargent und Milot Rashica in der Sturmspitze, Yuya Osako agierte dahinter. Marco Friedl rutschte in die Innenverteidigung für den Gelb-Rot gesperrten Niklas Moisander, Kevin Vogt agierte auf der Sechs.
Heidenheim, das im Hinspiel mit einer starken Zweikampfquote und gutem Umschaltspiel überzeugte, wechselte kurz vor dem Anpfiff in der Startelf. Coach Frank Schmidt brachte Jonas Föhrenbach für Timo Beermann, der verletzungsbedingt passen musste. Föhrenbach ging auf die Außenverteidiger-Position, Norman Theuerkauf rutschte in die Innenverteidigung.
Hier stand er in der 3. Minute kurios im Fokus. Werder spielte sich über das Zentrum in die Offensive. Maximilian Eggestein suchte kurz vor dem Strafraum Sargent, dessen Ballmitnahme Theuerkauf verteidigen wollte. Der Abwehrmann schoss die Kugel bei seinem Klärungsversuch jedoch aus 15 Metern genau in den linken Torwinkel - Werder feierte die frühe Führung!
Der Treffer brachte Werder Souveränität und den festen Glauben an den Klassenerhalt, in der Folge diktierten die Norddeutschen die Partie, gingen auf den zweiten Treffer. Heidenheim hatte große Probleme, kam lange nicht ins zweikampforientierte Spiel gegen den Ball. Nach vorne blieb der Zweitligist ungefährlich, stellte Bremen vor keine großen Probleme.
Heidenheim analysierte das eigene Spiel in der Halbzeitpause und zeigte im zweiten Durchgang ein anderes Gesicht. Im Minutentakt feuerten die Hausherren auf das Tor der Bremer, mussten hierbei im Normalfall den Ausgleich erzielen.
In der 46. Minute scheiterte der eingewechselte Stefan Schimmer aus 18 Metern am starken Jiri Pavlenka, eine Minute später setzte er den Ball nach einem Eckball aus 13 Metern über den Kasten. In der 48. Minute kam dann der ebenfalls eingewechselte David Otto freistehend aus elf Metern zum Kopfball, doch köpfte knapp am Tor vorbei.
Werder schüttelte sich und erspielte sich kurz darauf selbst gute Torchancen, doch traf ebenfalls nicht. Ludwig Augustinsson (58.) und Sargent (59.) scheiterten jeweils aus bester Position am starken Schlussmann Kevin Müller.
Spät - in der 85. Minute läutete Heidenheim eine heiße, emotionale und spannende Schlussphase ein. Der eingewechselte Tobias Mohr fasste sich ein Herz aus der Distanz und knallte den Ball an die Latte, Tim Kleindienst war per Nachschuss zur Stelle und traf ins leere Tor.
Heidenheim setzte alles nach vorne, Bremen konterte über den eingewechselten Fin Bartels. Der Offensivmann verspielte den Ball auf der rechten Offensivbahn zwar zunächst an Theuerkauf, doch dieser gab die Kugel viel zu einfach her – freie Bahn für Bartels. Vor dem Tor blieb er ganz ruhig und legte quer auf den mitlaufenden Augustinsson, der zur erneuten Führung traf.
Damit war das Spiel jedoch noch nicht zu Ende. In der Nachspielzeit arbeitete Gebre Selassie bei einem Luftduell im eigenen Strafraum mit dem Ellbogen – Schiedsrichter Dr. Felix Brych entschied auf Elfmeter. Kleindienst verwandelte vom Punkt zwar zum Ausgleich (90.+7), kurz darauf war allerdings Schluss. Bremen bleibt in der 1. Bundesliga, Heidenheim scheitert knapp.

Die Stimmen:

Tim Kleindienst (1. FC Heidenheim): "Das ist natürlich extrem bitter. Ich meine, Bremen schafft es halt durch zwei Unentschieden - das ist halt für uns extrem bitter. Wir kommen gut zweimal zurück, am Ende fehlt uns die Zeit. Bringt halt nichts - wir haben es nicht geschafft. Das ist extrem schade."
Davy Klaassen (SV Werder Bremen): "Wenn man sieht, was für eine Saison wir gehabt haben, wie schwer es gewesen ist, dann ist das natürlich eine große Erleichterung. Ich finde es ganz schwierig, das zu analysieren. Ich glaube, wir hätten es früher klar machen müssen mit vielen Chancen - haben wir nicht gemacht."

Das fiel auf: Aufgedeckte Schwächen

Nicht nur die gesamte Saison zeigte auf, wo die Werder-Schwächen in dieser Spielzeit liegen – insbesondere die beiden Relegationsspiele machten den taktischen und personellen Handlungsbedarf bei den Grün-Weißen eindeutig klar.
Werder kassierte zwei Gegentore in der Relegation, erlaubte sich insgesamt viele große Fehler – in der Deckung bei Standards und im Positions- und Zweikampfspiel bei rollendem Ball. Bremen fehlt ein klarer Plan gegen den Ball, eine Konstante in der Kette. Zu oft wechseln hier taktische Ausrichtung und Personal.
Die zweite Baustelle ist der Bremer Angriff. Dass Werder ausgerechnet durch ein Eigentor in Führung ging, steht sinnbildlich für die Offensivmisere. Den Grün-Weißen fehlt ein Spieler mit absolutem Killerinstinkt.
Wenn es läuft, dann läuft es – wie beim 6:1-Sieg am letzten Bundesliga-Spieltag. Doch viel zu selten machten die Bremer in knappen Spielen den Unterschied, vergaben zu oft aus aussichtsreicher Position.

Der Tweet zum Spiel:

Die Statistik: 695

Das Rückspiel in der Relegation war nicht nur das letzte Spiel für den SV Werder Bremen in dieser Saison, sondern gleichzeitig die letzte Partie einer lebenden Fußball-Legende. Claudio Pizarro hängt mit 41 Jahren seine Fußballschuhe an den Nagel.
Für vier Vereine ging der Peruaner in Europa auf Torejagd, absolvierte insgesamt 695 Partien, in denen ihm 281 Tore und 111 Assists gelangen. In der Bundesliga kam er 490 Mal zum Einsatz, insgesamt 250 Mal für den SV Werder Bremen.
Im Sommer 1999 begann Pizarro seine Karriere in Europa, vom peruanischen Verein Club Alianza Lima wechselte er für umgerechnet 1,5 Millionen Euro an die Weser. 21 Jahre später endet sein aufregendes Fußballabenteuer.
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