Carlo Ancelotti beim SSC Neapel mit sofortiger Wirkung entlassen

Auch der letztlich souveräne Einzug ins Achtelfinale der Champions League hat den früheren Bayern-Trainer Carlo Ancelotti nicht vor seiner Entlassung beim SSC Neapel bewahrt. Am späten Dienstagabend, rund drei Stunden nach dem 4:0 im abschließenden Gruppenspiel gegen KRC Genk, teilte Napoli via Twitter die Freistellung des 60-Jährigen mit sofortiger Wirkung mit.

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Beim Dinner im edlen Hotel Vesuv verging Genussmensch Carlo Ancelotti sogar die Freude am geliebten Rotwein: Für Bayern Münchens Ex-Trainer geriet nach dem Einzug mit dem SSC Neapel ins Champions-League-Achtelfinale durch ein 4:0 gegen KRC Genk das Dinner mit Klubboss Aurelio De Laurentiis zum "letzten Abendmahl" (Corriere dello Sport). Denn danach war Ancelotti seinen Job los!
Die Reaktionen auf den Rauswurf des 60-Jährigen, für den Ex-Weltmeister Gennaro Gattuso schon am Mittwochabend das Kommando beim italienischen Vizemeister übernahm, spiegelten die Skurrilität der Entscheidung: "Es bleibt der Fleck eines indiskutablen Verhaltens von De Laurentiis. Ancelotti hat, obwohl er auch nicht wenige Fehler gemacht, eine solche Behandlung nicht verdient", kommentierte die "Gazzetta dello Sport" die Entwicklung.

Ancelotti-Entlassung stand lange im Raum

Allerdings hatte Ancelotti seine Entlassung unter dem Vulkan nach rund 18 Monaten schon vor dem Duell mit Genk wie ein Damoklesschwert über sich gespürt. "Ein Trainer sitzt immer auf gepackten Koffern", meinte der Bauernsohn zu Fragen nach Konsequenzen aus dem gestörten Vertrauensverhältnis zu De Laurentiis schon vielsagend.
So schien der Coach, gestählt durch Erfahrungen bei kapriziösen Topklubs wie Juventus Turin, AC Mailand, FC Chelsea, Paris St. Germain, Real Madrid und auch Bayern München, sein bevorstehendes Aus nach dem 4:0 gegen Genk trotz des Endes von Neapels vorheriger Misserfolgsserie von neun Pflichtspielen ohne Sieg vorauszuahnen.
Obwohl die Tifosi Ancelotti feierten und die Spieler ihren Trainer herzlich umarmten, blieb Ancelotti auf dem Rasen des Stadio San Paolo tief in sich versunken - und fuhr danach erhobenen Hauptes ("Ich habe noch nie aufgegeben und werde es niemals tun") zum Essen mit De Laurentiis.

SSC Neapel in der Liga nur auf Platz sieben

Das Tischtuch zwischen den beiden "Alphatieren" war nach wochenlangem Chaos schon lange vorher zerschnitten. Napolis Boss verübelte Ancelotti sehr, Anfang November seine Anweisung nach der 1:1-Enttäuschung im Champions-League-Gruppenspiel gegen RB Salzburg zur sofortigen Weiterfahrt aus dem Stadion in ein Straftrainingslager ignoriert zu haben. Ancelottis Widerstand erleichterte seinen Spielern, die Anordnung von De Laurentiis ebenfalls nicht befolgen.
Vor diesen Hintergründen war Neapels Absturz in der Serie A auf Platz sieben - acht Punkte hinter den Champions-League-Rängen - für den Multimillionär ein geradezu herbeigesehnter Anlass für die längst beschlossene Trennung. Einen ungünstigeren Zeitpunkt allerdings hätte De Laurentiis nicht wählen können.
Ancelottis Nachfolger Gattuso, der im vergangenen Sommer bei Milan gehen musste, wird auch bei seinem ersten Training auf treue Anhänger seines Vorgängers treffen. "Ich werde", sagte Innenverteidiger Kalidou Koulibaly nach dem Sieg gegen Genk jedenfalls und wirkte dabei wie ein Sprecher des gesamten Teams, "immer an Ancelottis Seite stehen."
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(SID)
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