Wer beim Aufeinandertreffen der beiden Premier League-Topklubs einen offenen Schlagabtausch im Pokal erwartete, wurde schnell enttäuscht. Die Begegnung glich über die gesamte erste Hälfte eher einem Handball- als einem Fußballspiel.
Die Gäste aus London igelten sich mit zehn Mann am eigenen Sechzehner ein, die Red Devils ließen den Ball durch die eigenen Reihen laufen und warteten auf Lücken im Defensiv-Verbund der Londoner. Diesen Gefallen tat das Team von David Moyes der Mannschaft von Ole Gunnar Solskjaer jedoch nicht. West Ham stand kompakt und verschob im Kollektiv.
Immer wieder blieben Versuche der Gastgeber in der Verteidigung der Hammers hängen. In der 12. Minute blockte Angelo Ogbonna einen Schuss von Anthony Martial mit einem langen Bein ab, wurde nach seiner Klärungsaktion aber vom Franzosen sowie vom eigenen Keeper versehentlich am Standbein getroffen. Für den Italiener ging es nicht weiter, er wurde durch Issa Diop ersetzt (16.).
Premier League
West Ham holt Keeper von Paris St. Germain
VOR 21 STUNDEN
Etwas mehr als zehn Minuten nach dem Wechsel konnten die Hausherren schließlich den ersten und einzigen gefährlichen Torschuss des ersten Durchgangs verzeichnen - und der hatte es in sich: Victor Lindelöf stieg bei einer Ecke im Zentrum am höchsten und nickte die Hereingabe in Richtung Tor. Craig Dawson touchierte den Ball und fälschte eigentlich unhaltbar für Lukasz Fabianski ab, doch der Pole machte sich lang und lenkte das Leder mit einer Glanztat gerade noch gegen den Pfosten (27.).
Erst nach dieser Großchance tat West Ham etwas mehr für das eigene Offensivspiel, eine Chance sprang für den Außenseiter aber bis zur Pause dennoch nicht dabei heraus. So ging es mit einem torlosen Remis in die Halbzeit.
Der für den verletzten Ogbonna eingewechselte Diop musste ebenfalls verletzungsbedingt in der Kabine bleiben, nachdem der Franzose in einem Kopfballduell mit Martial zusammengestoßen war. Er wurde durch Ryan Fredericks ersetzt. Zudem brachte Moyes Ben Johnson für Jarrod Bowen. Die Verletzungsmisere bei den Gästen sollte ihren Lauf nehmen, denn auch Andriy Yarmolenko musste in der 54. Minute vom Feld, nachdem sich der Ukrainer bei einer Flanke das Knie verdreht hatte.
Auf dem Platz passierte – wie auch in Durchgang eins – kaum etwas Nennenswertes. Marcus Rashford prüfte kurz nach Wiederanpfiff Fabianski (52.). Danach verflachte die Partie wieder.
West Ham wartete weiter auf Kontergelegenheiten oder Standardsituationen, um zum Erfolg zu kommen. Ersteres bot sich in der 69. Spielminute, doch Pablo Fornals zögerte in einer aussichtsreichen Drei-gegen-Drei-Situation zu lange mit dem Pass, sodass auch diese Gelegenheit verpuffte (69.).
Solskjaer brachte mit Scott McTominay, Bruno Fernandes und Edison Cavani weitere frische Kräfte für die Schlussphase, die zwar neuen Schwung brachten, aber nicht das ersehnte Tor – es kam zur Verlängerung.
Da West Ham bereits früh im Spiel diverse verletzungsbedingte Auswechselungen vornehmen hatte müssen, wirkte die Mannschaft von David Moyes in der Verlängerung müde – das spielte den Gastgebern in die Karten. In der 97. Spielminute fuhr Man United einen schnellen Tempo-Gegenstoß über Bruno Fernandes, der im richtigen Moment auf den hinterlaufenden Fred weiterleitete. Der Brasilianer versuchte es mit einem Chip von links ins Zentrum. West Ham bekam den Ball nicht raus, sodass das Leder zu Rashford kam, der wiederum für McTominay prallen ließ. Der eingewechselte Mittelfeldspieler zog direkt von der Strafraumkante und traf zum erlösenden 1:0 trocken ins untere rechte Eck (97.).
Der Treffer des 24-Jährigen reichte letztendlich zum verdienten, wenn auch nicht schönen Sieg für Manchester United. Durch den Erfolg ziehen die Red Devils ins Viertelfinale des FA Cups ein, während sich West Ham nun hauptsächlich auf die Liga konzentrieren kann.

Die Stimmen:

Harry Maguire (Manchester United): "Ich fand die Leistung gut, ich denke, wir hätten etwas effektiver sein können. Letztendlich haben wir haben wir aber verdient gewonnen. Wir haben eine gute Moral bewiesen und gezeigt, dass wir etwas leisten können. Wir wissen, dass es eine lange Saison wird, aber der Abend heute war perfekt. Am Ende ist schließlich nur wichtig, dass wir eine Runde weiter sind."
Ole Gunnar Solskjaer (Teammanager Manchester United): "Ich hatte das Gefühl, dass wir dominiert haben. Ich hatte den Eindruck, dass wir die volle Kontrolle über die erste Halbzeit hatten. In der zweiten Hälfte wurde es ein ausgeglichenes Spiel. Angesichts der Chancen hätten wir das Spielinnerhalb der 90 Minuten beenden sollen, aber manchmal passiert es nicht. Jetzt sind wir dem Finale aber ein Schritt näher und wollen den Pokal gewinnen. Das ist unser Anspruch hier bei Man United."

Der Tweet zum Spiel:

Jesse Lingard – erst vor wenigen Tagen von Man United an West Ham verliehen – durfte seinen neuen Teamkameraden nach seinem erfolgreichem Liga-Debüt (zwei Tore) aufgrund einer Vertragsklausel am heutigen Abend nicht helfen.

Das fiel auf: West Ham destruktiv, Man United ideenlos

West Ham hatte von Beginn an keinerlei Ambitionen selbst Chancen zu kreieren, machte es dem Gegner aber zugleich durch eine kompakte Defensive schwer. Manchester fand kaum Mittel, was auch daran lag, dass die Red Devils ihr Spiel zu früh auf die Flügel verlagerten und so kaum Pässe und Sprints in die Tiefe möglich waren.
Trotz der unattraktiven Spielweise der Gäste tat sich besonders ein Mann positiv hervor: Declan Rice. Der Mittelfeldspieler gab nicht nur der Defensive Struktur, sondern präsentierte sich ball- und passsicher. Auch durch sein Stellungsspiel und seine Spielintelligenz fand Man United so gut wie kein Mittel, ehe McTominay die Mannschaft von Solskjaer in der Verlängerung erlöste.

Die Statistik: 97

Es dauerte bis zur 97. Spielminute ehe der eingewechselte Scott McTominay die favorisierten Red Devils erlöste und den Tabellenzweiten der Premier League - trotz schwacher Leistung - ins Viertelfinale des FA Cups schoss.
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