Thomas Tuchel bot sich nur viereinhalb Monate nach seinem Amtsantritt beim FC Chelsea die Chance auf den ersten Titel. Etwas dagegen hatte Leicester City, das auf den ersten FA-Cup-Sieg der Vereinsgeschichte hoffte.
Die Blues übernahmen vom Anpfiff an das Kommando und setzten Leicester in der eigenen Hälfte fest. Da die Foxes aber gut verteidigten, blieb es bei der rein optischen Überlegenheit für Chelsea.
Die erste gute Chance der Partie hatte dann sogar Leicester. Nach einem feinen Pass in die Tiefe von Youri Tielemans legte Luc Castagne zurück in die Mitte, wo Jamie Vardy abzog. Thiago Silva konnte den Schuss aber noch blocken (17.). Auch Caglar Söyüncü hatte nach einem Freistoß eine Kopfballgelegenheit (20.).
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Auf der anderen Seite kam Mason Mount mit einem Flachschuss dem gegnerischen Tor erstmals nahe (23.). Noch gefährlicher wurde es, als Timo Werner eine Chip-Flanke noch leicht mit dem Kopf streifte und so unerreichbar für den am langen Pfosten besser postierten César Azpilicueta abfälschte (29.).
Leicester arbeitete sich nach einer halben Stunde immer besser in die Partie und hatte nun auch längere Ballbesitzphase. Kurz vor der Pause hatte erst Söyüncü nach einem Freistoß eine Kopfballchance (43.), dann verfehlte Vardy ebenfalls per Kopf aus vollem Lauf knapp (45.+1).
Auch nach der Pause blieb Leicester die aktivere Mannschaft und setzte Chelsea immer öfter in der eigenen Hälfte fest. Bis auf einen Kopfball von Marcos Alonso (53.) konnten die Blues nur für wenig Entlastung sorgen.
So dauerte es auch nicht mehr lange, bis der Ball im Netz zappelte. Ayoze Perez und Luke Thomas eroberten den Ball von Reece James. Thomas legte in die Mitte auf Tielemans ab, der Richtung Tor zog und sich dann ein Herz nahm: Aus 20 Metern setzte der Belgier den Ball mit einem satten Schuss unhaltbar in den Winkel (63.).
Nach dem Gegentreffer erwachte Chelsea endlich aus seiner Lethargie. Tuchel wechselte offensiv und brachte unter anderem Kai Havertz, Christian Pulisic und Callum Hudson-Odoi. Leicester stand oft mit zehn Mann um den eigenen Sechzehner und verteidigte leidenschaftlich. Dennoch fand Chelsea jetzt immer wieder die Lücke.
Der eingewechselte Ben Chilwell setzte einen Kopfball nach einer Flanke an den Pfosten, Kasper Schmeichel hatte den Ball noch mit den Fingerspitzen berührt (78.). Kurz darauf zeigte der Keeper eine zweite Weltklasse-Tat, als er einen Dropkick von Mason Mount noch mit einer Hand aus dem Eck fischte (87.).
Kurz darauf war Schmeichel dann aber doch geschlagen: Chilwell hinterlief die Leicester-Abwehr, erreichte eine Flanke und spitzelte die Kugel am Leicester-Torwart vorbei. Söyüncü klärte den Ball noch vor der Linie, schoss dabei aber mit Wes Morgan seinen eigenen Mitspieler an, von dem der Ball ins Tor tropfte (89.). Der Jubel bei Chelsea war groß, doch der Eingriff des VAR ließ nicht lange Grund zur Freude - die Unparteiischen erkannten eine Abseitsstellung von Chilwell vor dem Treffer und entschieden deshalb auf Freistoß Leicester.
Von diesem bitteren Moment erholte sich Chelsea nicht mehr und kam in der Nachspielzeit zu keiner weiteren Chance. Leicester feiert damit den ersten FA-Cup-Triumph der Vereinsgeschichte, während Tuchels Chelsea in zwei Wochen im Champions-League-Finale nochmal eine Chance auf einen sogar noch größeren Titel hat. Zuvor muss die Elf des Deutschen aber erst den Rückschlag von Wembley verdauen und in der Liga mindestens Platz vier sichern, um kommende Saison wieder in der Königsklasse zu spielen.

Die Stimmen zum Spiel:

Brendan Rogers (Trainer Leicester City): "Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich glaube, wir waren insgesamt das bessere Team. Wir waren super aggressiv und immer eine Gefahr am Ball. Chelsea ist ein unglaubliches Team, aber wir haben es verdient zu gewinnen. Es ist der FA Cup und als ein britischer Coach bedeutet das mir sehr viel. Ich bin stolz, aber noch glücklicher für alle anderen. Das war eine monumentale Performance und ein unglaublicher Tag für alle hier bei Leicester."
Thomas Tuchel (Trainer FC Chelsea): "Wir sind enttäuscht, aber ich bin nicht böse über die Leistung der Jungs. Normalerweise reicht eine solche Leistung, um das Spiel zu gewinnen. Aber uns fehlt das nötige Glück. Man braucht das Momentum, die richtigen Entscheidungen. Es sind die kleinen Details. Jetzt geht es darum, eine Reaktion zu zeigen und am Dienstag Mentalität zu zeigen. Wir haben den Kampf um einen Titel verloren und sind sehr traurig darüber, aber jetzt müssen wir uns auf die anderen Wettbewerbe konzentrieren."
Kasper Schmeichel (Leicester City): "Ich bin so glücklich. Ich kann es nicht beschreiben. Was für ein Tag. Unglaublich, unbeschreiblich - das ist es, woraus Träume gemacht sind. Ich habe davon geträumt, seit ich ein Kind bin. Was für eine Leistung heute, der Einsatz und der Wille. Ich bin so stolz auf jeden einzelnen. Wenn man zusammenarbeitet und die Dinge richtig angeht, kann man so etwas erreichen."
Youri Tielemans (Leicester City): "Was für ein Moment. Ich bin so glücklich. Ich kann mir kein besseres Tor als dieses vorstellen. Ich habe es für alle Leicester-Fans geschossen. Ich schaue nach oben und sehe unseren Präsidenten Khun Top. Sein Vater (Vichai Srivaddhanaprabha, der bei einem Hubschrauber-Unglück verstarb, Anm. d. Red.) wäre stolz auf uns gewesen. Und danke an den VAR. (lacht) Was für eine wunderbare Erfindung das ist! Es ist eine harte Entscheidung, aber wenn es so ist, muss man sie so treffen."

Der Tweet zum Spiel:

21.000 Zuschauer durften das FA-Cup-Finale live im Wembley verfolgen und den historischen Moment der Foxes miterleben.

Das fiel auf: Chelseas unerklärliche Schwächephase gibt den Ausschlag

Beiden Mannschaften war der Wille, den Pokal zu holen, klar anzumerken. Die Zweikämpfe wurden mit viel Leidenschaft geführt, das Laufpensum war hoch. Chelsea erwischte dabei die bessere Anfangsphase und hatte die Partie auch unter Kontrolle. Dann allerdings entglitt die Partie den Blues zunehmend. Leicester zog das Tempo an und setzte sich in Chelseas Hälfte fest. Die logische Konsequenz war der wunderschöne Treffer von Tielemans, der gleichzeitig auch das Ende von Chelseas Schwächephase bedeutete. Die Blues wachten wieder auf, letztlich gelang das Comeback aber nicht mehr.

Die Statistik: 52

Vor 52 Jahren stand Leicester City letztmals im Finale des FA Cups, als man gegen Manchester City verlor. Auch die vorherigen drei Anläufe im Finale verliefen erfolglos. Im nun fünften Anlauf hat es Leicester endlich geschafft und den ältesten Pokalwettbewerb der Welt erstmals für sich entschieden.
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