Transfer-Bilanz der Bundesliga: Dortmund als Gewinner, Tränen bei Schalke, Leipzig holt Wundertüte

547 Millionen Euro gaben die Bundesliga-Klubs im Sommer für Transfers aus - Rekord! Seit Mittwochabend ist das Transferfenster zu - mit folgendem Ergebnis: Warum Borussia Dortmund trotz herausgerissenem Herz der Gewinner ist, ein Transfer des FC Bayern München alle anderen überstrahlt, RB Leipzig eine Wundertüte kauft und die größten Sparfüchse in Hessen sitzen. Die Transferbilanz der Bundesliga.

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Das Transferfenster hat geschlossen. Spieler wie Leroy Sané verließen die Bundesliga, Stars wie Mario Gomez oder Supertalente wie Ousmane Dembélé schlossen sich ihr an. Über 500 Millionen Euro hat die Bundesliga in diesem Sommer insgesamt in neue Spieler investiert. Zeit, Bilanz zu ziehen.
Eurosport.de nimmt den Transfer-Sommer unter die Lupe.

Gewinner:

Borussia Dortmund verlor mit Mats Hummels, Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan drei wichtige Säulen der Mannschaft. Ist der BVB deswegen ein Verlierer der Sommer-Transferphase? Mitnichten! Dortmund sicherte sich einen Mix aus hochbegabten Talenten (Ousmane Dembélé, Emre Mor), hungrigen Spielern, die nach einem nicht erfolgten Durchbruch bei Top-Klubs eine zweite Chance suchen (Sebastian Rode, Marc Bartra) und Akteuren, die beim BVB wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen wollen (Mario Götze, André Schürrle) - Qualität und Quantität! Dabei erwirtschafteten die Schwarz-Gelben trotz Ausgaben in Höhe von 109,75 Millionen Euro noch ein Transfer-Plus von 1,25 Millionen.

Verlierer:

Lange gab's nur einen echten Anwärter in dieser Kategorie: den VfL Wolfsburg. Naldo weg, Schürrle weg, Max Kruse weg, dazu konnten Julian Draxler, Ricardo Rodríguez und Luiz Gustavo ihren Abgang kaum erwarten. Am 1. September ist das Trio aber noch da, selbst bei Draxler blieb man trotz Millionen-Offerten (PSG) hart. Nach einem Lieferengpass wurde am Ende mit Daniel Didavi, Mario Gomez (siehe Schnäppchen), Jakub Blaszczykowski und Philipp Wollscheid doch noch Material aufgetrieben.
Mannschaften wie der FC Augsburg (7,0 Mio. für Martin Hinteregger), der FC Ingolstadt (3,0 Mio. für Marcel Tisserand) oder auch Eintracht Frankfurt (Shani Tarashaj vom FC Everton), reagierten kurz vor Toresschluss noch auf ihre potenziellen Problemzonen. Ob Notkäuft oder mehr, muss sich aber erst noch zeigen.

Größte Sparfüchse:

Die Hessen. Der SV Darmstadt 98 krempelte den Kader mit 14 (!) Neuzugängen zwar kräftig um, gab dafür aber lediglich 3,45 Millionen Euro aus - Zweitliga-Niveau. Noch weniger ließ nur Nachbar Eintracht Frankfurt springen. Sportdirektor Bruno Hübner investierte gerade mal 2,2 Millionen, etwas mehr als die Hälfte davon in den (dringend benötigten) neuen Linksverteidiger Taleb Tawatha von Maccabi Haifa.

Überraschungs-Coup:

Renato Sanches. Der 19 Jahre alte Portugiese von Benfica Lissabon war vor der EM das begehrteste Talent Europas. Neben Real Madrid war die gesamte, zahlungskräftige Premier League hinter ihm her. Doch wie aus dem Nichts veröffentlichte der FC Bayern am 10. Mai eine Pressemitteilung, in der die Münchner den Transfer von Sanches vermeldeten. Michael Reschke at his best. An diesen Deal kam den gesamten Sommer keiner mehr ran.

Größtes Schnäppchen:

Sein Karrieretal hat Mario Gomez längst durchschritten. Torschützenkönig in der Türkei, bärenstarke EM, plötzlich war Gomez bei Löw wieder der Unverzichtbare. Jetzt wechselte er zum VfL Wolfsburg. Für beinahe lächerlich klingende sieben Millionen Euro (Marktwert: 12 Millionen). Der AC Florenz wollte ihn loswerden, die Wölfe haben für wenig Geld wieder einen richtigen Knipser in ihren Reihen, den selbst Robert Lewandowski als Konkurrenten um die Torjäger-Kanone sieht.

Teuerster Transfer:

Die Bayern langten bei Sanches und Mats Hummels mit knapp 35 Millionen Euro am kräftigsten zu. Sanches' wird am Ende sogar locker 60 Millionen Euro teuer und damit der kostspieligste Bundesliga-Zugang aller Zeiten sein - dafür sorgen recht weiche Kritieren bei den Bonus-Zahlungen, über die sich Benfica Lissabon jetzt schon freut.

Transfer-Rekorde:

Pep Guardiola hat die Bundesliga zwar in Richtung England verlassen, sorgt aber auch von der Insel aus noch für neue Rekorde in der Bundesliga. Für 50 Millionen Euro sicherte er sich und seinem neuen Klub Manchester City das Schalker Juwel Leroy Sané. Der 20-Jährige ist damit gemeinsam mit Mesut Özil (von Real Madrid zum FC Arsenal) der teuerste deutsche Spieler aller Zeiten.
Granit Xhaka (für 45 Mio. von Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal) und Henrich Mchitarjan (für 42 Mio. vom BVB zu Manchester United) brachten ihren Klubs auch Transfer-Rekorde in Sachen Einnahmen für einen einzelnen Spieler ein.
Dass die Premier League am meisten Geld in der Bundesliga ließ, machte sich dann auch bemerkbar: mit dem BVB (30 Mio. für Schürrle), Bayer Leverkusen (20 Mio. für Kevin Volland), Gladbach (15 Mio. für Christoph Kramer), dem FC Schalke 04 (27,5 Mio. für Breel Embolo), dem 1. FSV Mainz 05 (6,5 Mio. für die feste Verpflichtung von Jhon Cordoba), dem Hamburger SV (14 Mio. für Filip Kostic), dem FC Ingostadt 04 (3,0 Mio. für Marcel Tisserand), dem FC Augsburg (7,0 Mio. für Martin Hinteregger), Darmstadt (2 Mio. für Roman Bezjak), der TSG 1899 Hoffenheim (10 Mio. für die feste Verpflichtung von Andrej Kramaric) und RB Leipzig (15 Mio. für Oliver Burke) gaben gleich elf der 18 Bundesliga-Klubs vereinsinterne Höchstablösen aus.

Die Wundertüte:

RB Leipzig hat nach dem erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga wie erwartet ordentlich investiert. Rund 46,5 Millionen Euro hat Sportdirektor Ralf Rangnick in den Kader gesteckt, der sich vermutlich nicht lange in den Niederungen der unteren Tabellenhälfte aufhalten wird.
Die teuerste Neuverpflichtung? Oliver Burke, 19 Jahre alt, Schotte, der breiten Öffentlichkeit unbekannt - und RB satte 15 Millionen Euro wert. Unter anderem sollen der FC Arsenal, Tottenham Hotspur, der FC Barcelona und auch Bayern ein Auge auf den schottischen Nationalspieler, der bislang bei Nottingham Forest in der zweiten englischen Liga spielte, geworfen haben. Ob er mehr als nur ein Rohdiamant ist?

Der Pechvogel:

Jorge Andújar Moreno, kurz "Coke", brach auf bei seiner Verabschiedung in Tränen aus. Nach fünf Jahren und drei Europa-League-Siegen im Trikot des FC Sevilla verließ der Kapitän seinen Herzensklub und schloss sich dem FC Schalke 04 an. Vier Millionen Euro zahlten die Königsblauen für den 29-Jährigen, ein echtes Schnäppchen. Doch nur einen Tag nach seiner Ankunft verletzte sich Coke in einem Testspiel. Kreuzband kaputt, Hinrunde beendet. Wieder Tränen - dieses Mal auf Schalke.
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