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3 Dinge, die bei Niederlande gegen Deutschland auffielen: Mal wieder eine verheerende Quote

3 Dinge, die auffielen: Neues Spiel, altes Dilemma - eine verheerende Quote

14/10/2018 um 10:19

Deutschland verliert deutlich mit 0:3 in den Niederlanden und belegt nach zwei Spieltagen in der Nations League den letzten Platz in Gruppe A1. Wieder gelang der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw kein eigener Treffer, trotz vieler Chancen. Debütant Uth war einer der wenigen Lichtblicke, die Defensive Stabilität gibt zu denken. Was auffiel.

1. Uth-Debüt: Giftig, gallig, torlos

Rund eine Stunde vor Anpfiff war klar: Mark Uth steht in der Startelf und wird der 100. Debütant der Ära Joachim Löw. Der in der Bundesliga noch torlose Neu-Schalker rechtfertigte seinen Einsatz schnell. Uth war ständiger Störfaktor des niederländischen Aufbauspiels, hatte besonders in der Anfangsphase immer wieder seine Füße am Ball, wenn die Innenverteidiger Matthijs de Ligt und Virgil van Dijk das Spiel aus der eigenen Hälfte aufbauen wollten.

Das einzige Manko: wirkliche Torchancen erspielte sich Uth nicht. Ein Kopfball nach Flanke von Jérôme Boateng in der 41. Minute war die größte Möglichkeit. "Er hat mir im Training sehr gut gefallen. Vor allem auch im Torabschluss", begründete Löw nach dem Spiel Uths überraschenden Einsatz im "ZDF" und merkte weiter an:

"Im Spiel war es schwer für ihn, deswegen konnte er auch nicht so viel ausrichten."

In der 68. Minute war dann Schluss für Uth. Sein erstes Länderspiel kann er durchaus als ordentlich abspeichern. Emsig, gallig, giftig, hochmotiviert - alles Adjektive, die zum Auftritt des Stürmers passten.

Dennoch wird auch er an Toren gemessen - und auf ein solches wartet er nunmehr seit April.

2. Verheerender Chancenwucher

Wie so oft im Kalenderjahr 2018 gab es in der Mixed Zone nach Spielende nur ein Thema: die Chancenverwertung. "Es ist eindeutig eine Frage der Chancenverwertung. Wir haben 3:0 verloren in einem Spiel, das wir meiner Meinung gewinnen müssen", meinte etwa Mats Hummels. Timo Werner schlug in dieselbe Kerbe: "Wir haben die Tore nicht gemacht, als wir die Gelegenheit hatten. Da macht sich dann auch Verunsicherung breit."

Im kompletten Jahr 2018 traf die DFB-Elf nur acht Mal das Tor - in zehn Spielen. Allein an den ersten beiden Spieltagen der Nations League gaben die Deutschen 39 Torschüsse ab. Treffer: Null!

Jonas Hector (li.) und Mats Hummels (re.)

Jonas Hector (li.) und Mats Hummels (re.)Getty Images

"Mal ist es Pech, mal Unvermögen", versucht Hummels zu erklären.

"Der Gegner macht dann mit der ersten Chance sein Tor. Jetzt verlieren wir mit 0:3 und werden auf jeden Fall auf die Fresse kriegen. Dass wir jetzt nach zwei Spielen mit einem Punkt und 0:3 Toren dastehen ist ja Wahnsinn."

Das Spiel erinnerte phasenweise an die Auftritte bei der Weltmeisterschaft in Russland. Viel Ballbesitz (60 Prozent, zweite Halbzeit 65 Prozent), aber wirklich zwingend wurde es kaum. Thomas Müller hatte in der ersten Halbzeit aus zehn Metern halbrechter Position nach Pass von Emre Can freie Bahn, traf aber nur das Außennetz. In der zweiten Halbzeit war es Leroy Sané, der vom linken Fünfereck das Tor nicht traf. Ein sichtlich ratloser Hummels dazu: "Wir brauchen einfach mal wieder ein dreckiges Tor, dass einfach mal einer rein rollt."

"Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach und am Ende gewinnen die Deutschen." Ein berühmter Spruch Gary Linekers, der lange Zeit wie in Stein gemeißelt schien. Dieser Tage hat er mit der Realität aber nur wenig zu tun.

2. DFB ohne defensive Stabilität

Vorne hilflos, hinten überfordert. Jedes Mal wenn die Angriffe von Oranje auf die deutsche Viererkette zurollten, biss sich Fußballdeutschland vor den heimischen TV-Geräten auf die Unterlippe. Viel zu häufig kamen die Gastgeber nach hohen Ballgewinnen mit großem Tempo auf die Innenverteidiger Hummels und Boateng zugelaufen, die bei ihren Klärungsaktionen mehr als eimal vom Unvermögen des Gegners profitierten.

Besonders abenteuerlich war aber das Aufbauspiel aus der hintersten Reihe der Deutschen. Vor allem Boateng erwischte einen schwachen Tag. Der Münchner wirkte nicht fit, schwerfällig. In der ersten Halbzeit fiel er mehrfach durch Unkonzentriertheiten und unnötige Fehlpässe auf. In der 38. Minute entstand durch einen verheerenden Ballverlust im Spielaufbau fast das 0:2 durch Wijnaldum.

ZDF-Experte Oliver Kahn fällte schon zur Halbzeit ein vernichtendes Urteil:

"Hummels und Boateng haben viele Fehlpässe gespielt, Kroos ist gar nicht zu sehen. Wenn die verantwortlichen Weltmeister es nicht schaffen die Mannschaft zu führen, dann sieht das so aus."

Auch nach der Pause wirkte Boateng wackelig, während sich Hummels fing. Insgesamt gewann er nur einen seiner vier Zweikämpfe (25 Prozent) und wies eine Passquote von unter 80 Prozent auf. Deutlich zu wenig für jenen Spieler, der noch vor wenigen Jahren zu den drei besten Innenverteidigern des Planeten gehörte.

Zum Spiel der deutschen Defensive passte zudem, dass vor dem 0:1 auch Manuel Neuer patzte. Einen scharf hereingespielten Eckball von der linken Seite schätzte der Bayern-Keeper völlig falsch ein und begünstigte so planlos umherirrend den Kopfballtreffer von van Dijk.

Deutschland verliert so das erste Mal seit 16 Jahren wieder gegen die Elftal. Und zwar so hoch wie noch nie.

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