Deutsche Nationalmannschaft mit Unentschieden gegen England - Warten auf den Erfolg gegen ein Top-Team

Eurosport bei Google

Die deutsche Nationalmannschaft hat auch ihr drittes Länderspiel in diesem Jahr gegen ein großes Team nicht gewinnen können. Wie schon gegen die Niederlande im März, gegen Italien in der Vorwoche reichte es gegen England "nur" zu einem 1:1-Remis. Sowohl Bundestrainer Hansi Flick als auch die DFB-Stars waren deshalb nicht vollends zufrieden. Das Warten auf den Wow-Erfolg geht weiter.

Bundestrainer Hansi Flick im Spiel gegen England

Fotocredit: Imago

1:1, 1:1 und noch mal 1:1. Macht? Hm. Macht die deutsche Nationalelf und ihren Stab um Bundestrainer Hansi Flick auf jeden Fall nicht schlauer.
Eine große Fußballnation, einen wie den Fünften der Fifa-Weltrangliste, den Vize-Europameister England wollte das DFB-Team besiegen, um sich selbst zu spüren, diese Bestätigung zu erlangen: Es geht! 1:1 gegen die Briten. Wieder ein Satz mit X, wieder kein Erfolg in diesem WM-Jahr, wieder kein Sieg in der Nations League. Wie monologisierte einst Goethes Faust: "Da steh' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!"
Im März war man nach dem 1:1 im Test in Amsterdam gegen die Niederlande rundum zufrieden.
Das 1:1 am Samstag in Bologna gegen Europameister Italien war zwar ein Rückschritt, aber einer mit Aufbäumen und Comeback-Qualität nach dem Rückstand.

Sieben Neue sorgen für mehr Drive

Diesmal, beim dritten Remis in diesem WM-Jahr gegen einen Großen, gab die deutsche Nationalelf in ihrem zweiten Nations-League-Gruppenspiel gegen England kurz vor dem Ende den Sieg aus der Hand. Zunächst hatte der Gladbacher Jonas Hofmann auf Pass von Joshua Kimmich in der ausverkauften Allianz Arena das 1:0 erzielt, dann verwandelte Englands Stürmerstar Harry Kane einen Foulelfmeter (88.), den Nico Schlotterbeck (ebenfalls an Kane) unglücklich verursacht hatte. Aber unglücklich heißt eben auch: man war nicht clever (genug).
Um es noch mal mit Goethes Faust zu sagen: "Durchaus studiert, mit heißem Bemühn" - das haben die auf sieben Positionen gegenüber dem Italien-Spiel von Flick runderneuerten und engagierten, aggressiven Deutschen. Lediglich die zentrale Achse um Torhüter und Kapitän Manuel Neuer, Abwehrchef Antonio Rüdiger, Sechser und Mittelfeldanführer Joshua Kimmich sowie Offensivfreigeist Thomas Müller durfte erneut beginnen.
Vor allem Torschütze Hofmann, als Rechtsaußen aufgeboten, Ballverteiler Ilkay Gündogan und Abwehrspieler Schlotterbeck brachten mehr Drive und Elan ins DFB-Spiel. Doch der beste Auftritt des WM-Jahres hatte einen Pferdefuß. In seinem dritten Länderspiel rannte Schlotterbeck, der ab der kommenden Saison für Borussia Dortmund spielt, Kane in die Hacken und verursachte den Strafstoß.
"Bitter, diesen Ausgleich noch zu kassieren, extrem blöd", schimpfte Hofmann. Und extrem sinnbildlich für die Leistung der Gastgeber. Nah dran, aber eben nur nah dran. So könnte man auch die Reichweite zur absoluten Weltspitze klassifizieren. Fast Weltklasse.

Die übliche Floskel: "Wir haben uns nicht belohnt"

In der Fußballersprache wird nach verpassten Siegen immer davon gesprochen, man habe sich nicht belohnt. Macht natürlich auch Flick. "Wir haben ein tolles Spiel gezeigt. Die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben, ist genau das, was wir wollen, was wir uns vorgenommen haben: Mutig zu spielen, auch kreativ zu sein, immer wieder versuchen, den Gegner unter Druck zu setzen", betonte der 57-Jährige, "das hat die Mannschaft sehr gut gemacht. Das einzige Manko ist halt, dass wir uns nicht belohnt haben."
Muss man aber. Vor allem bei einer WM wie kommenden Winter in Katar. Sonst heißt es schon nach dem Achtelfinale (mögliche Gegner: Belgien oder Kroatien): Fast das Viertelfinale erreicht. "Wir hatten komplett die Kontrolle, haben das Spiel dominiert", meinte Neuer, der seine Mannschaft mit starken Paraden vor weiteren Gegentreffern bewahrte. Er gab zu: "Natürlich bekommt England Chancen, da hatten wir auch Glück. Aber grundsätzlich waren wir die bessere Mannschaft. Es ist einfach schade, dass wir das Spiel nicht mit 1:0 zu Ende gebracht haben." Kategorie: Schade.
"Ehrlicherweise überwiegt die Enttäuschung“, gestand Gündogan, "wir hatten die Chancen, ein zweites und drittes Tor zu machen." Der England-Legionär von Manchester City sprach von einem weiteren "Entwicklungsschritt", der "notwendig" sei. Denn, und da klang Gündogan wie einst Sepp Herberger: "Wenn man das 2:0 nicht macht, muss man eben mit 1:0 gewinnen."
Plaudertasche Thomas Müller sinnierte: "Wenn dieses Spiel in der Art und Weise zehn Mal gespielt wird, gehen wir deutlich öfter als Sieger vom Platz als England. Es ist eine bittere Note, dass du wieder keinen Dreier einfährst. Im Vergleich zu Italien war das ein ganz anderes Gefühl. Man hat gesehen, wozu wir in der Lage sind. Aber Konstanz und Ergebnisse gehören dazu, eine Spitzenmannschaft zu sein. Es reicht nicht, es immer nur anzudeuten." Das ist der Punkt.

Die Euphorie des Flick-Starts vom Herbst ist verflogen

Umso mehr wurmte das beste 1:1 der Remis-Trilogie. Die Euphorie, die sich im Herbst nach der am Ende bleiernen Ära des scheinbar ewigen Bundestrainers Joachim Löw aus der Begeisterung des Neuanfangs unter Flick breitgemacht hatte, ist längst verflogen bei den Fans.
Rund ums Nationalteam macht sich Ernüchterung breit. Die Zweifel werden nun wieder größer, ob diese Mannschaft gut genug ist für einen großen Wurf, eben auch mal zu überraschen. Souverän gewonnene Qualifikationsgruppen sind löblich wie unerlässlich - siehe das unverzeihlich bittere Scheitern von Europameister Italien in der Qualifikation für Katar. Dem früheren Bayern-Erfolgstrainer Flick, im elften Länderspiel zwar weiter ungeschlagen (acht Erfolge, drei Unentschieden), haftet noch der Makel an, diesen einen Wow-Sieg noch nicht errungen zu haben.
Als er nach seinen Erkenntnissen mit Blick auf die Adventszeit in Katar gefragt wurde, antwortete Flick: "Wir schauen noch nicht so weit nach vorne zur WM. Die vier Spiele in der Nations League jetzt sind da, um zu überprüfen, wo wir sind auf unserem Weg."
Und dieser ist diffus. Am Samstag geht es in Budapest weiter gegen Ungarn, das nach dem überraschenden 1:0 gegen England nun 1:2 in Italien verlor. Gegen Ungarn kann das DFB-Team kaum etwas gewinnen, ein Pflichtsieg wird erwartet. Wichtiger wäre ein Erfolg am Dienstag kommender Woche in Mönchengladbach gegen Italien. Um einen angenehmen Sommer voller Vorfreude zu haben. Auf einen Wow-Winter in Katar.
picture

"Aufgabe, die Salihamidzic lösen muss": Badstuber über Lewandowski-Abgang

Quelle: Perform

Mehr als 2 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung