Nations League: Deutschland strauchelt im WM-Jahr - Tor-Flaute und Abwehrprobleme beschäftigen DFB-Team
Publiziert 12/06/2022 um 11:49 GMT+2 Uhr
Nach dem enttäuschenden 1:1-Remis in Budapest steht man bei der deutschen Nationalmannschaft vor einer großen Baustellen. Der Offensive fehlt die nötige Kreativität und Durchschlagskraft, in der Abwehr leistet man sich indes haarsträubende Fehler. Trotz aller Probleme und gleich vier Unentschieden in Folge bleibt dem DFB-Team ein kleiner Trost: Gegen Italien winkt nämlich die Tabellenführung.
Flick offen nach Remis in Budapest: "War ein Rückschritt"
Quelle: Perform
Bei Abpfiff ertönte ein gewaltiger Jubelschrei aus zehntausenden Kehlen. Die Spieler feierten diesen Erfolg ebenfalls euphorisch, gingen wenig später vor ihre Fankurve, wurden mit Ovationen der 67.000 Heimfans bedacht. Und das alles nach einem Unentschieden, einem 1:1.
Die ungarische Welt war komplett in Ordnung nach dem Remis gegen die deutsche Nationalelf in der stimmungsvollen Puskás Aréna von Budapest. Total konträr die Gesichter, die Mienen, die Stimmung beim DFB-Team.
Ein Remis! Wieder nur ein Unentschieden! Auch im dritten Gruppenspiel der Nations League ein 1:1. Nimmt man das 1:1 von Ende März in Amsterdam gegen die Niederlande mit dazu, ist das Quartett an 1:1-Partien komplett. Und das Duell mit dem 40. der FIFA-Weltrangliste resultierte im Vergleich zu den Unentschieden in Italien und gegen England aus der enttäuschendsten Leistung.
Zwar bleibt Bundestrainer Flick in seinem zwölften Spiel weiter ungeschlagen (acht Siege, vier Remis), kann aber aktuell auch nicht mehr gewinnen. Vier Mal hintereinander 1:1 – das gab es noch nie in der DFB-Historie.
Flick schimpft nach Ungarn-Remis: "Das war ein Rückschritt"
Eine Marke, auf die der 57-Jährige gerne verzichtet hätte. "Das war ein Rückschritt", kritisierte Flick den Auftritt seiner Mannschaft und konstatierte: "Wir haben zu viele Fehler gemacht." Lediglich die Reaktion nach dem frühen 0:1 in der sechsten Minute, nach dem Treffer von Zsolt Nagy infolge totaler Konfusion in der DFB-Abwehr, hat gepasst. Der Gladbacher Jonas Hofmann erzielte nach einem starken langen Ball von Nico Schlotterbeck drei Minuten später den Ausgleich. Lange Schläge aus der Abwehr hinter die letzte Kette der Ungarn– im Grunde das einzige Stilmittel, das der ideenlosen, uninspirierten Offensive einfiel.
Zwei Problemzonen hat diese deutsche Nationalelf aktuell: die Defensive und die Offensive. "Die Ungarn standen wie ein Bollwerk da hinten drin", merkte Kapitän Manuel Neuer an, kritisierte aber auch deutlich: "Vorne hat uns die Kreativität gefehlt, wir haben uns zu wenig Torchancen erspielt, um das zweite Tor zu machen."
Neuer relativierte: "Ich sehe kein Grundsatzproblem, wir haben in jedem Spiel ein Tor erzielt." Nun gut, aber eben nur eins – und die Torschützen heißen Hofmann, der auch gegen England traf, sowie Joshua Kimmich, der in Bologna den Ausgleich erzielte. Beide wahrlich keine Torjäger.
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Flick übt Kritik an DFB-Auftritt: "Das darf einfach nicht sein"
Quelle: Perform
Die Torflaute der DFB-Angreifer
Und die nominellen Angreifer? Timo Werner? Keine Treffer. Kai Havertz? Thomas Müller? Da steht ebenfalls die null. Leroy Sané (in Ungarn ohne Einsatz) und Serge Gnabry (wegen muskulärer Probleme diesmal nicht dabei)? Auch ein Satz mit X. Die Joker Julian Brandt, Karim Adeyemi und Lukas Nmecha (diesmal jeweils mit Kurzeinsätzen) stachen ebenso wenig.
Zum glücklosen Chelsea-Stürmer Werner meinte Flick: "Es hat uns komplett die Überzeugung gefehlt, auch ihm. Er betreibt einen großen Aufwand, aber wir haben aktuell einfach zu wenig Torchancen, zu wenig Abschlüsse.
Da muss er sich vielleicht auch mal den Mut fassen und aus der zweiten Reihe abziehen." Die beste Chance auf den Führungstreffer vergab der ansonsten überzeugende Hofmann, als er den Ball bei einer 2:1-Situation vor dem Tor der Ungarn zu schlampig Richtung Werner passte. "Ein Sorry von mir an die Mannschaft. Das wäre das Siegtor gewesen", entschuldigte sich der Rechtsaußen und fand: "Insgesamt war es leider wieder, wie gegen Italien, ein Stück zu wenig. Es fehlt die Überzeugung im letzten Drittel und die Zielstrebigkeit kurz vor dem Sechzehner das Ding so auszuspielen, dass es ein Tor ergibt."
Das künftige BVB-Duo patzt in der Innenverteidigung
Das zweite Manko: Die wacklige Abwehr. In Budapest schonte Flick seinen Abwehrchef Antonio Rüdiger, gab dem künftigen Dortmunder Innenverteidiger-Duo Schlotterbeck und Niklas Süle eine Bewährungschance. Doch die Abstimmung stimmte oft nicht, dazu kamen haarsträubende Fehler im Spielaufbau.
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Deutschland musste sich auch gegen Ungarn mit einem 1:1 begnügen
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Neuer bemängelte noch etwas: „Dass wir die Hereingaben von der Seite so zulassen, sind Auffälligkeiten. Das war auch schon gegen Italien der Fall. Wir wollen da weniger Torchancen zulassen.“ Der Rekordnationaltorhüter fordert: „Für uns sind das wichtige Spiele, in denen man aber auch mal zu null spielen muss. Das ist uns bis jetzt leider noch nicht geglückt, aber dafür haben wir noch ein Spiel Zeit. Wir wollen versuchen, das gegen die Italiener umzusetzen.“ Ohne Schlotterbeck. Nach seiner zweiten Gelben Karte wegen eines taktischen Fouls ist der Noch-Freiburger am Dienstag in Mönchengladbach gesperrt. Der künftige Real-Profi Rüdiger wird wieder in die Abwehrkette rücken.
Grotesk: Gegen Italien mit der Chance auf die Tabellenführung
Wenn das DFB-Team den nächsten Versuch startet, ein Spiel zu null über die Bühne zu bringen – und zu gewinnen. „Wir sind auf dem Weg einer Entwicklung“, meinte Flick mit Blick auf die Winter-WM in Katar. Er hofft: „Die Mannschaft wird aus diesem Spiel sehr, sehr viel lernen. Gegen Italien wollen wir jetzt endlich zu Hause einen Sieg einfahren und uns mit einem Erfolgserlebnis in den Urlaub verabschieden.“
Laut Neuer brauche man endlich dieses „gemeinsame Erfolgserlebnis“ als Momentum. Für den Turnover aus dem Remis-Niemandsland. „Wir müssen versuchen, mit einem mutigen Auftritt in Mönchengladbach unbedingt diese drei Punkte einzufahren“, so Neuer, „gegen Italien müssen wir eine Rakete zünden.“ Die dann sogar zum Gruppensieg fliegen könnte. Gewinnt England am Dienstag im Parallelspiel nicht in Ungarn, wäre die DFB-Elf tatsächlich Tabellenerster.
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