Drei Dinge, die bei Italien - Deutschland auffielen: Ein Sieg der Gier und der Wucht der deutschen Nationalmannschaft
Update 21/03/2025 um 08:13 GMT+1 Uhr
Deutschland braucht beim 2:1 (0:1)-Sieg in Mailand eine Halbzeit, um sich vom übertriebenen Respekt vor Italien zu befreien. Nach kleineren Anpassungen in der Pause und mit mehr Mut dreht die DFB-Elf das Spiel in Mailand aber zu ihren Gunsten. Am Ende gibt es die perfekte Story um Comebacker Leon Goretzka. Und auch die Entscheidung für Oliver Baumann als Nummer eins erweist sich als goldrichtig.
Nagelsmann: "Versuchen auch das zweite Spiel zu gewinnen"
Quelle: Perform
Die deutsche Nationalmannschaft hat einen großen Schritt in Richtung Final Four der Nations League gemacht. Das DFB-Team siegte in Mailand gegen Italien 2:1 (0:1).
In einer schwachen ersten Hälfte brachte Sandro Tonali Italien in Führung (9.). Nach dem Seitenwechsel drehten der eingewechselte Tim Kleindienst (49.) und Rückkehrer Leon Goretzka per Kopfballtreffern das Spiel (76.).
Am Sonntag findet das Rückspiel dieses Viertelfinales in Dortmund (20:45 Uhr im Liveticker) statt.
Drei Dinge, die uns beim 2:1 Deutschlands in Italien auffielen:
1. Mit Gier und Wucht gegen den Respekt
Eine der Geschichten des Spiels lieferte natürlich Leon Goretzka: Der Mittelfeldspieler kämpfte sich in die Nationalmannschaft zurück, stand gleich in der Startelf und setzte der Geschichte mit seinem Siegtreffer die Krone auf.
Der Bayernspieler war auch einer der wenigen, der von Beginn an auf Betriebstemperatur war. Ansonsten spielte Deutschland in Halbzeit eins verhalten, ja sogar ängstlich. "Minimale Anpassungen" in der Spielidee hatte Julian Nagelsmann vor dem Spiel angekündigt.
Nach den ersten 45 Minuten hatte man den Eindruck, diese Anpassungen hätten seine Spieler erheblich verunsichert. Deutschland hatte großen Respekt vor Italiens mannorientiertem Abwehrverhalten und dem starken Umschaltspiel.
Die DFB-Elf spielte risikoarm um die Italiener herum, traute sich kaum durchs Zentrum zu kombinieren und bekam kein Tempo in die Aktionen. Bundestrainer Julian Nagelsmann wählte das Adjektiv "zäh" zur Beschreibung von Halbzeit eins.
Nach der Pause kehrte der Mut ins deutsche Spiel zurück, auf einmal war auch Feuer auf dem Platz. Die Deutschen hatten dann auch mehr zu bieten als die Italiener. "Wir haben mit offenem Visier gespielt und wollten unbedingt gewinnen", sagte Nagelsmann.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/20/image-4397aafb-d5d8-4f86-bacb-92a7260a31af.jpeg)
Die DFB-Elfd (hier Kapitän Joshua Kimmich, r.) hatte in der ersten Halbzeit Probleme
Fotocredit: Getty Images
Die Zweikämpfe wurden aggressiver, das Passtempo höher, das Spiel insgesamt zielstrebiger und im Strafraum hatte die DFB-Elf mit dem eingewechselten Kleindienst und dem nach vorne geschobenen Goretzka mehr Wucht.
"Diese Gier hat die Mannschaft zuletzt ausgezeichnet", sagte Goretzka. "Wir haben auch umgestellt und wollten mehr in die Box kommen." Das gelang sofort mit dem Kopfballtreffer durch Kleindienst nach perfekter Flanke von Joshua Kimmich und auch beim Siegtreffer per Kopf nach einer Ecke durch Kimmich.
Für Nagelsmann stand so die Erkenntnis, "dass wir nach 0:1 zur Pause auswärts zurückkommen können." Und vermutlich auch, dass der Respekt vor Italien nicht so übertrieben groß sein musste.
2. Linksverteidiger-Debatte jetzt auch auf italienisch
Außenverteidiger-Debatten haben in Deutschland eine mittlerweile langjährige Tradition. Je nach Situation wird sie mal rechts und mal links intensiver geführt. Mit der Fixierung von Kapitän Joshua Kimmich hat sich das Thema Rechtsverteidiger wohl erstmal erledigt. Aber links?
Da konnte sich Nagelsmann ebenso wenig wie seine Vorgänger einen Linksverteidiger auf Weltklasseniveau schnitzen. Also durfte in Mailand mal wieder David Raum auflaufen.
In Italien hatten sich einige schon bei der Kaderbekanntgabe gewundert ob der Nichtnominierung von Robin Gosens - gerade im Duell mit seiner Wahlheimat.
"Ich sage es ehrlich: Ich bin über die fehlende Nominierung überrascht", sagte Gosens' Vereinstrainer bei AC Florenz, Raffaele Palladino. "Gosens ist für die AC Florenz ein Kapitän ohne Schärpe, ein Fixstern für die ganze Mannschaft. Er ist einer der besten Verteidiger in der Serie A."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/20/image-ff8dc0a2-7136-4634-b231-73d4118d2103.jpeg)
Hatte öfter das Nachsehen: Deutschlands David Raum (r.)
Fotocredit: Getty Images
Dass Raum keiner der besten Verteidiger in der Bundesliga ist, wurde spätestens beim Gegentreffer zum 0:1 deutlich. Erst passte sein Stellungsspiel beim Diagonalball nicht, dann konnte er die Höhe seiner Verteidigerkollegen nicht halten, ließ damit den Pass in die Tiefe zu und hob das Abseits auf.
Was Florenz-Trainer Palladino noch zu sagen hatte: "Gosens erlebt eine großartige Saison und punktet auch in der Offensive." Gosens bringt es in der Serie A auf vier Tore und vier Vorlagen, Raums letzte von vier Torbeteiligungen (ein Tor, drei Assists) in der Liga liegt rund zwei Monate zurück. Seine Standards: unterirdisch.
Nach dieser Leistung von Raum, der zur Halbzeit folgerichtig ausgewechselt wurde, kann die traditionelle Außenverteidiger-Debatte jetzt auch in Italien geführt werden.
3. Baumann verdient sich die Nummer eins
Oliver Baumann reiste mit der zweifelhaften Empfehlung eines folgenschweren Fehlpasses bei der 0:1-Niederlage seiner Hoffenheimer auf St. Pauli zur Nationalmannschaft. Da aber nicht immer der letzte Eindruck zählt und Baumann in seiner langen Karriere ein sehr beständiger Keeper war, händigte ihm Bundestrainer Nagelsmann das Leibchen mit der Nummer eins aus.
Zumindest bis zur Rückkehr von Marc-Andre ter Stegen ist Baumann Stammtorhüter der deutschen Nationalmannschaft.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/21/image-3cccc15e-2f86-4a79-89f8-62f1523a18a2.jpeg)
DFB-Keeper Oliver Baumann im Spiel gegen Italien
Fotocredit: Getty Images
Mit seinem Auftritt in San Siro verdiente sich Baumann diese Nominierung. Er strahlte von Beginn an Ruhe aus, war sicher im Aufbauspiel und half seiner Mannschaft in jeder Phase der Partie mit seinen Paraden. "Er hat uns den Sieg gerettet", resümierte Nagelsmann.
In Halbzeit eins verhinderte er einen noch höheren Rückstand mit starken Abwehraktionen gegen die Schüsse von Sandro Tonali und Moise Kean. In Halbzeit zwei stand er mit einer Fußabwehr im Eins-gegen-eins dem Ausgleich durch Giacomo Raspadori im Weg. Auch einen verunglückten Kopfball von Kleindienst nach einer Ecke aufs eigene Tor kratzte er aus dem kurzen Eck. Am Ende standen sechs Paraden zu Buche.
Noch stärker fiel seine Leistung im direkten Duell der Torhüter ins Gewicht, weil auf der Gegenseite Gigi Donnarumma vor allem bei Ecken keinen guten Eindruck machte und zwei-, dreimal Glück hatte, dass auf Foul gegen ihn entschieden wurde. Bei Goretzkas Gegentreffer sah er zudem nicht optimal aus.
Das könnte Dich auch interessieren: Die DFB-Elf in der Einzelkritik: Comeback-Märchen und eine Wand namens Baumann
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/20/4111433-83366308-2560-1440.jpg)
Tuchel über Kanes Titeltraum: "Wird ihm einen großen Schub geben"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Ergebnisse
Italien
/images.sports.gracenote.com/images/lib/basic/geo/country/flag/large/2210.png)
1
2
Deutschland
/images.sports.gracenote.com/images/lib/basic/geo/country/flag/large/2206.png)
Werbung
Werbung