Wenn jetzt WM 2018 wäre: So würde Joachim Löw das DFB-Team spielen lassen

Der Gewinn des Confed Cup und der U21-EM hat gezeigt: Um den deutschen Fußball ist es bestens bestellt. Für die WM im kommenden Jahr bieten sich Bundestrainer Joachim Löw schier unendliche Möglichkeiten der Kaderzusammenstellung. Wer hat, Stand jetzt, die besten Chancen auf die Startelf, wer muss um einen Platz im Kader bangen und für wen ist der Zug schon abgefahren? Eurosport.de macht den Check.

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Manuel Neuer, Mesut Özil, Toni Kroos oder Thomas Müller. Während Deutschlands Top-Spieler im verdienten Sommerurlaub weilten, sicherten Lars Stindl, Timo Werner, Leon Goretzka und Co. den ersten Confed-Cup-Titel der DFB-Geschichte (1:0 im Finale gegen Chile). Nur zwei Tage zuvor hatte die noch etwas jüngere U21 im EM-Finale gegen Spanien ebenfalls mit 1:0 gesiegt und den nach 2009 zweiten EM-Titel gewonnen. Ein Sommer im Zeichen des deutschen Fußballs. Und ein Fingerzeig in Richtung WM 2018.
Einerseits muss es für die Konkurrenz beängstigend sein, zu sehen, auf was für einen Pool an Qualität und Talent Joachim Löw bei der Benennung seines Kaders zurückgreifen kann. Zum anderen heißt es ja nicht umsonst die "Qual der Wahl" haben. Aus rund 50 potentiellen WM-Fahrern muss/darf Löw wählen. Bei nur 23 offenen Plätzen sind Härtefälle vorprogrammiert. Die Dichte an Weltklassespielern und denen, die auf dem besten Wege dahin sind, ist schlicht zu hoch.
Die Fitness aller Nationalspieler vorausgesetzt - so könnte die deutsche Startelf im ersten WM-Gruppenspiel aussehen:
Im Tor ist Manuel Neuer gesetzt. Zwar sind seine Konkurrenten internationale Topleute, Marc-André ter Stegen ist die Nummer 1 beim FC Barcelona, Kevin Trapp bei Paris Saint-Germain, den Kasten in Russland wird aber Neuer hüten.
In der Verteidigung setzte Löw in der Vergangenheit immer wieder auf eine Dreierkette. Mats Hummels und Jérôme Boateng haben in dieser die besten Chancen auf einen Stammplatz und auch Benedikt Höwedes steht weit oben in der Gunst des Bundestrainers. Bei der WM 2014 wie auch der EM 2016 war der Schalker gesetzt.
Das Mittelfeld besteht mit Jonas Hector links und Joshua Kimmich rechts aus zwei variablen Außenspielern, die sowohl nach vorne, aber vor allem auch nach hinten ihre Qualitäten haben. Gegen den Ball rücken beide zurück in die Verteidigungslinie und vervollständigen so die Fünferkette.

Kroos ist der Chef

Toni Kroos und Leon Goretzka bilden die Doppelsechs, in der Goretzka den etwas defensiveren Part einnimmt. Kroos ist derzeit der wohl unumstrittenste Feldspieler im DFB-Team, gewann als Stammspieler bei Real Madrid zwei Mal in Folge die Champions League. Auch bei Löw ist er der absolute Chef im Mittelfeld.
Neben ihm setzt sich Shootingstar Leon Goretzka gegen namhafte Konkurrenten wie Ilkay Gündogan oder Sami Khedira durch. Seine Leistungen beim Confed Cup waren mehr als überzeugend. Schon vor der WM-Generalprobe in Russland sagte Löw im "kicker":
Zudem attestierte er ihm eine für sein Alter (22) "reife Persönlichkeit".
Den offensiven Part im Mittelfeld nimmt Mesut Özil ein. Der Arsenal-Star ist so etwas wie Löws Liebling, an guten Tagen auch der Liebling der ganzen Nation. Sein Stern ging bei der WM 2010 auf. Seitdem gehörte er bei jedem Turnier zum Stammpersonal. Mittlerweile kommt er auf 84 Länderspiele.
In der Doppelspitze agieren Thomas Müller und Youngster Timo Werner. Der Leipziger ist der derzeit beste deutsche Stürmer, das wird vielleicht sogar Sandro Wagner zugeben. 21 Ligatreffer in seiner ersten Saison für RB und bester Scorer (3 Tore, 2 Assists) beim Confed Cup sind eine Ansage, der Löw nicht widersteht. Draxler hingegen, der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, verpasst die Startelf knapp.
Müller hatte zwar eine schwache letzte Saison, und auch die EM 2016 in Frankreich verlief für ihn nicht wie geplant, sein Standing bei Löw wie auch in der Öffentlichkeit ist aber ungebrochen hoch. Wie schon Louis van Gaal einst sagte: "Müller spielt immer!"

Drei Weltmeister unter den Härtefällen

Natürlich werden auch Spieler, die sich berechtigte Hoffnungen auf ein WM-Ticket machen dürfen, auf der Strecke bleiben. Der Bundestrainer hat Spielermaterial zur Verfügung, das auch für zwei konkurrenzfähige Teams reichen würde. Es werden demnach Hochkaräter zuhause bleiben müssen. So könnte die Elf, der Härtefälle aussehen:
Bei den Torhütern ist Bernd Leno der klare Verlierer der letzten Wochen. Als einziger Keeper beim Confed Cup patzte er – und das gleich doppelt (gegen Australien). Im Kampf um die Plätze hinter Manuel Neuer zieht der Leverkusener gegen ter Stegen und Trapp den Kürzeren.
Für die Außenverteidiger Benjamin Henrichs und Marvin Plattenhardt wäre eine Nichtnominierung von allen Spielern in dieser Elf wohl am leichtesten zu verkraften. Anders sieht das bei Weltmeister Matthias Ginter und Youngster Jonathan Tah aus. Beide könnten einer Nominierung von Shootingstar Niklas Süle zum Opfer fallen, der es Löw sichtlich angetan hat. Allerdings wird es für den Neu-Münchener vor allem darauf ankommen, in der kommenden Spielzeit auch zu Einsätzen beim Rekordmeister zu kommen. Schließlich sind Tah und Ginter erfahren, spielen eine wichtige Rolle in ihren Vereinen. Das muss Süle im Haifischbecken FC Bayern erst noch beweisen.

Reus - und wieder wird es eng

Für Marco Reus wird es ebenfalls, fast schon traditionell, eng. Im fitten Zustand gehört er ohne Frage in die Startelf, doch der Dortmunder hat oft mit ernsten Verletzungen zu kämpfen, muss sich aktuell von einer im DFB-Pokalfinale erlittenen Kreuzbandverletzung zurückkämpfen. Es wird erneut knapp.
Sebastian Rudy und Emre Can sind zwar selten verletzt, haben aber mit Kroos, Gündogan, Khedira und Goretzka einen Haufen Konkurrenz vor der Nase. Rudy hat sich zudem zu einem Wechsel zum FC Bayern München entschieden. Ein Schritt, bei dem sich viele fragen, ob er der richtige war. Es wird nicht leicht, Spielzeit zu ergattern. Leroy Sané könnte ebenfalls der hohen Qualitätsdichte der deutschen Offensive zum Opfer fallen. Die Chance, sich beim Confed Cup oder der U21-EM zu beweisen, verpasste er verletzt.

Fragezeichen hinter Weltmeister-Duo

Auch das Duo, das Deutschland 2014 noch mit einer genialen Kombination zum Weltmeister schoss, steht auf der Abschussliste - Mario Götze und André Schürrle. Götze hat seit einem halben Jahr kein Fußball mehr gespielt, leidet an einer Stoffwechselerkrankung, die eine Prognose hinsichtlich der WM-Endrunde im Moment nicht zulässt. Die nächsten Monate werden zeigen, ob und wie er zurückkommt.
Schürrle hatte sich vor der letzten Saison sicher auch mehr von seinem Wechsel nach Dortmund erhofft, spielte in seiner ersten Saison im Ruhrgebiet aber zu selten eine Rolle im Team seines Mentors Thomas Tuchel. Sein Glück: beim BVB hat jetzt Peter Bosz das Sagen. Ein Neuanfang?
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