Die T-Shirt-Aktion der Nationalmannschaft nachträglich auf seinen Social-Media-Kanälen zu flankieren, hat dem Deutschen Fußball-Bund viel Kritik eingebracht. Löw und die Mannschaft wehren sich gegen den Eindruck des Marketing-Selbstzwecks.
Joshua Kimmich wollte sich galant mit einem Scherz aus der Affäre ziehen. "Dass von einem Hochglanzvideo die Rede ist, spricht doch für die Qualität unserer Kameraleute", sagte er und lachte - die Diskussion über die Social-Media-Flankierung der an sich gelungenen Menschenrechtsaktion der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war damit aber keineswegs abgeräumt.
Die Meinungsstücke gefielen ihm offensichtlich so gar nicht: Löw hatte etwas klarzustellen. "Wenn jemand denkt, dass unsere Spieler, Manuel Neuer, Ilkay Gündogan, sich aus Marketinggründen vor so einen Karren spannen lassen, der irrt gewaltig", betonte der Bundestrainer. "Unsere Spieler sind sehr, sehr interessiert und wissen, was in der Welt passiert." Löw atmete durch: "Sie engagieren sich in Eigeninitiative."
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Löw wehrt sich gegen Kritiker

Die Verwertung als "Making of" der T-Shirt-Pinselei auf den Social-Media-Kanälen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war nicht nur vielen Fans sauer aufgestoßen. Dagmar Freitag (SPD), die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, twitterte beispielsweise:
Daraus so eine PR-Nummer zu machen, ist nur peinlich."
Löw versicherte, der Anstoß zur Meinungsäußerung sei "aus der Mannschaft selbst gekommen. Wir wissen, dass unsere Spieler für diese Werte stehen", betonte er, "ich fand das richtig gut." Und er schob nach:
Nicht alles, was beim DFB passiert, ist negativ zu bewerten."

Kimmich sieht Nationalmannschaft in der Verantwortung

Kimmich pflichtete Löw bei, wobei er dann auch ernste Worte wählte. "Ich sehe uns in der Verantwortung, Dinge anzusprechen. Das haben wir versucht", sagte der Mittelfeldspieler von Bayern München. Bei der Aufstellung für die Hymnen vor dem Spiel gegen Island (3:0) in Duisburg hatte jeder Nationalspieler ein schwarzes Shirt mit einem weißen Buchstaben getragen. Die Aktion wurde trotz Heuchelei-Vorwürfen zumeist gelobt - Kritik gab es an der anschließenden Verwertung.
Kimmich wurde gefragt, ob der Protest mehr als eine Hülse sei, ob nicht, wie es in Norwegen diskutiert wird, eigentlich ein Boykott der Wüsten-Winter-WM das Mittel der Wahl zu sein habe. Der Profi verneinte:
Für einen WM-Boykott sind wir zehn Jahre zu spät dran."
Und verwies auf die Vergabe an das Emirat im Jahr 2010: "Damals hätte man sich das überlegen müssen."
Nun gehe es nur noch darum, die Aufmerksamkeit auf Missstände zu lenken. Katar wird seit Jahren von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International für die Ausbeutung von Arbeitsmigrant/innen auch auf WM-Baustellen schärfstens kritisiert.
Dies ist nun wieder in den Fokus gerückt, auch dank der Aktion der Nationalspieler, die dem Vorbild der norwegischen Mannschaft gefolgt waren. Die legte am Samstag nach: "Norwegen. Deutschland. Wer als nächstes?", stand vor dem Spiel gegen die Türkei auf dem Shirt von Erling Haaland und seinen Kollegen.
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(SID)

Kimmich hält nichts von WM-Boykott: "Sind zehn Jahre zu spät"

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