Der Absturz ist perfekt, Italien fällt von Europas Fußball-Thron direkt in die Bedeutungslosigkeit: Die Squadra Azzurra ist in den WM-Play-offs ebenso historisch wie blamabel gescheitert und wird nicht an der Endrunde in Katar (21. November bis 18. Dezember) teilnehmen. Der Europameister unterlag am Donnerstag Nordmazedonien 0:1 (0:0), erstmals in der Geschichte fehlt Italien damit zweimal in Folge bei einer Weltmeisterschaft.
Dabei war Italien die spielbestimmende Mannschaft und direkt nach drei Minuten gab es den ersten gefährlichen Abschluss für die Hausherren. Nachdem ein Ball zu kurz geklärt wurde, kam Lorenzo Insigne direkt an der Strafraumkante zum Abschluss, schoss aber klar drüber. In der Folge blieb es ein Spiel auf ein Tor, das von Nordmazedonien. Die Gäste verteidigten aber kompakt und ließen insgesamt nur wenig zu, sodass sich Italien sehr schwertat, zu gefährlichen Abschlüssen zu kommen.
Nach einer halben Stunde gab es dann die Riesenchance auf die Führung nach einem Aussetzer von Stole Dimitrievski. Der Schlussmann spielte den Ball genau in die Füße von Domenico Berardi, der aber zu lange zögerte und zu schwach aufs leere Tor abschloss. Dimitrievski war rechtzeitig wieder zurück, um den Ball vor der Linie zu parieren.
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Direkt danach wurde Ciro Immobile von Marco Verratti in Szene gesetzt, der aus halb linker Position aber nur die Latte traf (31.). Nur sieben Minuten später kam der Kapitän erneut im Sechzehner zum Abschluss, doch ein Abwehrspieler blockte zur Ecke. Die Gäste kamen kurz vor der Pause auch noch einmal zum Abschluss, als Enis Bardhi den Ball stark nach vorne trug und Aleksandar Trajkovski aus über 20 Metern an Gianluigi Donnarumma scheiterte (45.).
Im zweiten Durchgang war es dann das gleiche Bild: Italien war klar dominant und Nordmazedonien verteidigte kompakt. Die Hausherren kamen allerdings deutlich früher zu guten Chancen. Berardi kam nach sieben Minuten gefährlich aus der zweiten Reihe zum Abschluss. Dimitrievski hatte zwar seine Probleme, konnte am Ende aber parieren. Nur zwei Minuten später versuchte es Berardi erneut aus der Distanz und verfehlte nur knapp das linke Eck. Nach starker Vorarbeit von Verratti nahm Berardi den Ball im Sechzehner mit der Brust an, sein Schuss wurde dann aber wie so häufig in der Partie gerade noch so geblockt (64.).
In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal verrückt. Der eingewechselte Bojan Miovski verlängerte einen weiten Abschlag von Dimitrievski in die Füße von Trajkovski, der schneller war als Jorginho und - wie schon im ersten Durchgang - einfach mal aus 25 Metern abzog. Dieses Mal platzierte er seinen Schuss aber deutlich besser und traf präzise ins lange Eck (90.+2).
In der letzten Sekunde gab es für Italien dann noch einmal die Riesenchance auf den Ausgleich, als Alessandro Florenzi Volley abzog und der eingewechselte Joao Pedro den Ball nur knapp rechts neben das Tor abfälschte (90.+5). Es blieb beim 0:1 aus Sicht der Italiener. Eine Blamage für den amtierenden Europameister - und eine Sensation für Underdog Nordmazedonien, der am Dienstag gegen Portugal um den Einzug in die WM-Endrunde in Katar spielt.

Die Stimmen zum Spiel

Roberto Mancini (Trainer Italien): "Der Gewinn der Europameisterschaft war der schönste Moment meiner Trainerkarriere, und was heute Abend passiert ist, ist die größte Enttäuschung. Die Enttäuschung ist jetzt zu groß, um über die Zukunft zu sprechen. Es tut mir sehr leid für die Spieler. Auf menschlicher Ebene ist meine Zuneigung zu ihnen noch größer geworden."
Giorgio Chiellini (Italien): "Wir sind sehr enttäuscht. Wir haben gut gespielt, aber ein Tor fehlte. Ich bin stolz auf meine Teamkollegen. Wir sind am Boden zerstört. Ich hoffe, dass Coach Mancini bleibt. Dies ist allerdings nicht der richtige Zeitpunkt, um zu sagen, ob ich heute mein letztes Spiel für Italien gespielt habe."
Jorginho (Italien): "Es ist schwer zu erklären, schwer Antworten zu finden, es tut weh, es tut sehr weh. Wenn wir über das fußballerische reden wollen, wir haben viele Chance kreiert, das Spiel dominiert, aber wir kamen nicht richtig zum Abschluss. Das ist die Realität, das muss gesagt werden. Wir haben immer guten Fußball gespielt, aber in den letzten Spielen hatten wir Probleme mit der Chancenverwertung."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Totale Dominanz reicht am Ende nicht

Die Italiener kamen auf 60% Ballbesitz und 32 Abschlüsse, davon gingen aber nur fünf aufs gegnerische Tor. Über 90 Minuten kam Nordmazedonien quasi gar nicht zum Zug, verteidigte aber kompakt und mit vollem Einsatz. Sie boten den Hausherren insgesamt wenig Lücken und blockten immer wieder potenziell gefährliche Abschlüsse - alleine fünf von Italiens Torjäger Immobile. Trotz totaler Dominaz geht die Squadra Azzurra am Ende als Verlierer vom Platz und verpasst als amtierender Europameister die kommende Weltmeisterschaft.

Die Statistik: 1

Zum ersten Mal überhaupt verpasst Italien zwei Weltmeisterschaften in Folge. 2018 sind die Italiener in den Play-offs ebenfalls in der ersten Runde mit 0:1 gescheitert, damals an Schweden.
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