"Vom Himmel der EM ins Fegefeuer", titelte "Tuttosport", "Ein Albtraum", schrieb die "Gazzetta dello Sport", "Italien kehrt in die Hölle zurück", fasste die spanische "AS" die Lage rund um die Squadra Azzurra zusammen.
Durch ein enttäuschend schwaches 0:0 in Nordirland zum Abschluss der WM-Qualifikation verpasste der Europameister am Montag die direkte Qualifikation für die WM 2022 in Katar.
Während die Schweiz Bulgarien im Parallelspiel mit 4:0 wegputzte und als Gruppensieger nun zum fünften Mal in Folge die Reise zur Weltmeisterschaft antreten darf, muss das stolze Italien wie schon vor vier Jahren zittern und den Umweg über die Playoffs nehmen.
WM-Qualifikation
Pressestimmen zum Italien-Debakel: "Zurück in die Hölle"
15/11/2021 AM 23:22
Oder anders gesagt: Italien läuft akut Gefahr, die zweite WM-Endrunde in Serie zu verpassen.

Italien vor der Katastrophe

"Es wäre eine sportliche Katastrophe, die es in unserer glorreichen Fußballgeschichte noch nie gegeben hat", malt die "Gazzetta dello Sport" den Teufel schon einmal provisorisch an die Wand. Durchaus im Wissen, dass es berechtigten Grund zur Nervosität gibt.
Denn das aktuelle Italien erinnert kaum noch an das überragende Team der Europameisterschaft im vergangenen Sommer.
Nur etwas mehr als vier Monate ist es her, dass sich die Squadra Azzurra den EM-Titel sicherte und damit die erloschene Euphorie rund um die Nationalmannschaft im eigenen Land neu entfachte.

Italien: Ein Schatten seiner selbst

Ohne die ganz großen Superstars, dafür mit einer beispiellosen Teamleistung, rangen die Südeuropäer Gegner um Gegner bei der ersten paneuropäischen EM-Ausgabe nieder und bezwangen letztlich auch England im Finale 3:2 im Elfmeterschießen. Wer hätte gedacht, dass diese Mannschaft in der WM-Qualifikation Probleme haben würde?

Italien ist Europameister

Fotocredit: Getty Images

Doch in den fünf Qualifikationsspielen seitdem gelang nur noch ein magerer Sieg gegen Litauen (5:0). Gegen Bulgarien (1:1), zwei Mal die Schweiz (0:0, 1:1) und nun Nordirland (0:0) spielte der viermalige Weltmeister nur remis - was durchaus auf die Ausfälle einiger Führungsspieler zurückzuführen ist.
Ciro Immobile etwa verpasste die vergangenen drei Qualispiele wegen Muskelproblemen und einer Wadenverletzung, Marco Verratti fehlte in denselben Spielen wegen Komplikationen am Knie und einer Hüftverletzung. Zudem fällt Leonardo Spinazzola seit dem EM-Halbfinale gegen Spanien (5:3 n.E.) mit einem Achillessehnenriss aus.
Harte Schläge, keine Frage. Doch ein Europameister sollte solche Ausfälle kompensieren können - vor allem, wenn nicht Einzelkönner, sondern mannschaftliche Geschlossenheit zuletzt das überragende Faustpfand des Teams waren und es - bei allem Respekt - gegen Gegner wie Bulgarien, Nordirland und ja, auch die Schweiz ging.
Italien jedoch, so scheint es zumindest, hat nach dem EM-Titel selbst verloren. Und so werden nach und nach böse Erinnerungen wach.
Erinnerungen an 2017.

Als Schweden Italien ins Tal der Tränen stieß

Damals schafften es die Italiener (23 Punkte) im Vorfeld der WM 2018 in Russland mit sieben Siegen, zwei Remis und einer Niederlage in der Gruppenphase nur auf Platz zwei hinter Spanien (28 Punkte), das bis auf ein Remis alle seine Spiele gewinnen konnte.
Italien musste zum ersten Mal in seiner Geschichte in die Relegation, verpasste nach einem 0:1 in Schweden und einem blutleeren 0:0 in Rom zum erst zweiten Mal nach 1958 die Teilnahme an einer WM auf sportlichem Wege - 1934 und 1938 verzichtete man auf eine Teilnahme.

WM-Play-offs: Schweden schaltet Italien aus

Fotocredit: SID

"Die azurblaue Apokalypse", titelte damals die "Süddeutsche Zeitung". Vier Jahre später könnte ein vergleichbares Szenario eintreten.

Mancini in der Kritik, Playoffs im Frühjahr

Wer der oder die Schuldigen sind und wo die Ursachen für den unerwarteten Gang in die Playoffs zu suchen sind, darüber sind die italienischen Medien geteilter Meinung.
Für die "Gazzetta dello Sport" trage Mancini die Verantwortung, weil er "dem Abschwung nach der EM nicht entgegenwirken" konnte. Der "Corriere" sieht den Coach hingegen von "seinen talentierten Spielern verraten. Von jetzt bis März müssen sich die Azzurri wiederfinden."
Dann spielen die zehn Gruppenzweiten und zwei über die Nations League qualifizierte Teams um drei verbliebene WM-Tickets. Die Partien in Halbfinale und Finale werden am 26. November ausgelost, Italien ist in Topf 1 gesetzt und hat damit im Halbfinale Heimrecht.
"Jetzt", brachte es Mancini selbst auf den Punkt, "sind die Dinge kompliziert geworden". Recht hat er, denn im Finale könnte neben Polen, Österreich und Russland nicht nur erneut Schweden (mit Zlatan Ibrahimovic) zum erneuten Stolperstein in Richtung WM sein, auch ein Duell mit Portugal um Weltstar Cristiano Ronaldo droht.
"Azurblaue Apokalypse" reloaded?
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