Kommentar zu Norwegens Protest-Aktion zur WM in Katar: Schau her DFB, so wird das gemacht!

Norwegens Nationalelf hat zum Auftakt der Qualifikation zur Fußball-WM 2022 in Katar ein Zeichen gesetzt, das es in dieser Deutlichkeit bislang von keinem Team gegeben hatte. "Menschenrechte - auf und neben dem Platz", prangte auf den Shirts von Erling Braut Haaland, Martin Ödegaard & Co. Eine plakative Aktion, die gerne Nachahmer finden darf. Zum Beispiel beim DFB. Ein Kommentar von Tobias Laure.

Norwegen-Stars Haaland (li.) und Sörloth (re.)

Fotocredit: Imago

Die Zahlen in den Berichten schwanken, die Botschaft aber ist eindeutig: Noch immer ist die Lage der ausländischen Arbeiter im Golf-Emirat Katar schlimm.
Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) geht derzeit von etwa 1,2 Millionen Gastarbeitern aus, die vorwiegend aus Asien stammen. Rund 6500 von ihnen sind, aufgrund der teils katastrophalen Bedingungen, verstorben, seitdem das Land 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der WM bekam. So berichtet es der britische "Guardian".
Die Regierung in Katar bezweifelt die Zahlen nicht, das Organisations-Komitee des Turniers verweist indes darauf, dass beim Stadionbau selbst "nur" 34 Arbeiter ums Leben gekommen seien.
Der entscheidende Punkt: In Katar spielen sich menschliche Tragödien ab und der Fußball ist spätestens seit Vergabe der WM in der Pflicht, sich glaubhaft dagegen zu positionieren, Druck auf die Regierenden aufzubauen.

Norwegen diskutiert WM-Boykott

Im Land gibt es überdies eine intensive Debatte über einen WM-Boykott. Rosenborg Trondheim, der bekannteste Klub des Landes, hat sich bereits dafür ausgesprochen. Im Juni will der norwegische Fußballverband NFF über den Boykott abstimmen lassen.
Und die FIFA?
"Besorgt" sei man über die jüngsten Berichte, heißt es. Man werde Kontakt aufnehmen mit den Entscheidungsträgern in Katar und das Thema beim Treffen des Exekutivkomitees im Oktober diskutieren.
Oktober, im Ernst? Warum gibt es keine Task Force, die Druck macht? Jetzt. Warum keine Rückendeckung für die Initiative des norwegischen Verbands? Der muss übrigens eine Strafe der FIFA fürchten, da die T-Shirt-Aktion eine politische Botschaft war.
Nein, die FIFA gibt mal wieder ein schlechtes Bild ab, was den Umgang mit Regierungen betrifft, die Menschenrechtsverletzungen tolerieren oder gar forcieren.

DFB, da muss mehr kommen!

Womit wir beim DFB wären. Dort sendet man verbal zwar die richtigen Signale und bekräftigte Anfang des Monats, dass die "Menschenrechtslage in Katar" intensiv diskutiert werde und man sich dafür einsetze, dass "an den Missständen gearbeitet" werde.
Aber: Da muss mehr kommen vom größten nationalen Fußballverband der Welt!
Mein Vorschlag für einen ersten, kleinen Schritt: Nehmt die Steilvorlage der Norweger an, T-Shirts sind schnell bedruckt.
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Quelle: Perform

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