Es ist immer noch ein eher kurioses Hobby.
Wenn sich ein Junge aus Alabama das runde Spielgerät schnappt und es nicht etwa in den Korb wirft, sondern auf ein Tor zielt, dann schauen seine Freunde weiterhin erst mal skeptisch. Fußball bleibt eine Randsportart in den USA.
Doch nicht nur Chris Richards, dessen Vater laut eigener Aussage noch nie ein Fußballspiel gesehen hat, hat irgendwann die Leidenschaft für diesen Sport gepackt.
WM-Qualifikation
Plötzlich gibt's ein Luxusproblem: DFB-Team demonstriert Stärke
26/03/2021 AM 08:36
Jetzt spielt der 20-Jährige in einer europäischen Top-Liga und besitzt einen Profi-Vertrag bei einem Weltklub. Momentan ist der Abwehrspieler an die TSG Hoffenheim verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Doch setzt sich Richards langfristig beim FC Bayern durch, wird er eine feste Größe bei der Mission sein, die der US-Verband ausgerufen hat: Dem Gewinn des WM-Titels 2026 im eigenen Land.
Zusammen mit Kanada und Mexiko werden die Staaten das Turnier ausrichten.
"Ich kann definitiv bestätigen, dass Amerikaner eher wenig mit Fußball anfangen können", sagte Richards unlängst im "Guardian".
Allerdings wandeln sich die Gemüter. Die Frauen-Nationalmannschaft hat im Gegensatz zu den Herren ein hohes Standing mit viel Sendezeit im TV. Ist sie wie aktuell erfolgreich, strahlt der Hype ab. Zudem arbeiten die Verantwortlichen daran, gefördert von millionenschweren Investitionen, ihre Talente bei großen Klubs unterzubringen. Und das Konzept scheint durchaus aufzugehen.

Talente-Flut aus den USA Richtung Bundesliga

Richards ist nur ein "Crack", der es nach Europa geschafft hat. Es gibt natürlich auch noch Giovanni Reyna bei Borussia Dortmund, Tyler Adams (RB Leipzig), Josh Sargent (Werder Bremen) und Matthew Hoppe bei Schalke 04, an dessen Verpflichtung laut übereinstimmenden Medienberichten auch der FC Bayern Interesse hat.
In Italien hat Weston McKennie bei Juventus seinen Durchbruch geschafft, Christian Pulisic ist Leistungsträger unter Thomas Tuchel beim FC Chelsea.

Giovanni Reyna

Fotocredit: Getty Images

Nicht zu vergessen sind Sergino Dest und Konrad de la Fuente (FC Barcelona) sowie Tim Weah (OSC Lille), Zack Steffen (Manchester City), Antonee Robinson (FC Fulham), Reggie Cannon (Boavista Porto) und Yunus Musah (FC Valencia).
Abgesehen von Steffen (25 Jahre alt) bewegen sich diese Spieler im Altersspektrum von 18 bis 23 Jahren. Gestählt und erfahren in Top-Ligen, sind sie in fünf Jahren im besten Fußball-Alter.
"Wir wollen grundsätzlich jedes Spiel gewinnen, aber die Perspektive, 2026 die WM in unserem Land zu spielen, gibt uns Extra-Motivation", betont Richards. "Wir wollen Geschichte schreiben und den Titel holen."

Pulisic gilt als Musterbeispiel

Laufen mit Richards und Hoppe eventuell sogar dann zwei Bayern-Stars für die USA auf?
Möglich wäre es und ganz allgemein ist es kein Zufall, dass viele US-Talente in die Bundesliga streben. Der Weg von Pulisic über den BVB zu Chelsea ist für viele ein Vorbild. Wer es in Deutschland schafft, dem stehen sämtliche Tore offen. Erleichternd kommt hinzu, dass die Youngster in Deutschland einfacher als in anderen Ländern eine Arbeitserlaubnis bekommen.

Es geht steil nach oben für Chelsea-Profi Christian Pulisic

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Der ehemalige US-Trainer Jürgen Klinsmann sagte bei "ESPN": "Es ist nicht kompliziert, die Trainer sind geraderaus. Wenn ein Junge verinnerlicht, dass es nur um Leistung geht und dass er die Chance bekommen wird, ist die Bundesliga der Place to be."
Hoppe bestätigt das: "Du musst vieles opfern, um hier zu spielen. Ich habe viel gelernt, meine Technik verbessert, meine taktischen Fähigkeiten, die mentale Stärke und Physis." Sein Stern ging auf, als Vedad Ibisevic suspendiert wurde und Goncalo Pacienca sich schwer verletzte. Plötzlich war Hoppe Stürmer Nummer eins beim Krisenklub.
Gegen Hoffenheim am 15. Spieltag erzielte der Kalifornier drei Tore - und durfte sich damit einen Rekord in den Lebenslauf schreiben: Noch nie hatte ein US-Amerikaner in der Bundesliga drei Tore in einem Spiel erzielt.

Bayern kooperiert schon mit Dallas

Es ist auch kein Zufall, dass der FC Bayern eine Kooperation mit dem FC Dallas gestartet hat. Am Bayern-Campus trainieren sechs texanische Talente. Möglicherweise ziehen andere Spitzenvereine solch ein Konzept nach.
Bei Richards ging es bislang auf. Nachdem er 2018 zum FCB kam, spielte er sogar Champions League. Im Hinterkopf hat er, es bei Bayern zu schaffen. Und natürlich die "Mission 2026". Spielen die USA bei der WM eine tragende Rolle, kommen die Leute dort endgültig nicht mehr am Fußball vorbei.
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