Die Partie lief noch keine fünf Minuten, da war das erste Tor schon gefallen. Die Türken, die in der Anfangsphase die aktivere Mannschaft waren, griffen über die linke Seite an, Hakan Calhanoglu schickte Yusuf Yazici, der von der linken Strafraumkante in den Sechzehner flankte. Die leicht abgefälschte Hereingabe landete bei Ozan Tufan, der in die rechte untere Ecke schoss (4.). In der 26. Minute hatte Alexander Sörloth die beste Chance der Norweger in der ersten Halbzeit. An der Strafraumkante wurde sein erster Versuch geblockt, der Ball landete wieder bei ihm und er schoss hart an den rechten Pfosten.
Doch bis auf diese Szene blieb Norwegen in der ersten Halbzeit offensiv ungefährlich, von Dortmunds Stürmer Erling Haaland war nichts zu sehen. Die Türkei dagegen erzielte den zweiten Treffer. Nach einer Ecke von der rechten Seite von Yazici stieg Caglar Söyüncü hoch und köpfte zum 2:0 ins Tor (28.). Kurz danach waren die Türken wieder nach einer Ecke gefährlich, Tufan tauchte komplett frei am Strafraum auf. Er traf den Ball aber nicht gut, sein Schuss ging deutlich am Tor vorbei (28.).
In der 36. Minute hatte Norwegens Mohamed Elyounoussi noch eine Chance. Nach einem Dribbling verfehlte er mit seinem Flachschuss das linke untere Eck knapp, Yazici wurde in der 43. Minute per Steilpass in den Strafraum geschickt, schoss den am Boden liegenden Kristoffer Ajer an, den er zuvor noch mustergültig ausgespielt hatte.
EURO 2020
"Peinlich": Geheimfavorit Türkei enttäuscht auf ganzer Linie
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Norwegen hätte mehr Tempo und Tiefenläufe in der zweiten Halbzeit gebraucht, um den Anschlusstreffer zu erzielen. Doch die türkische Mannschaft spielte defensiv sehr diszipliniert und legte das dritte Tor nach. Calhanoglu hatte auf der linken Seite nahe der Grundlinie den Ball und passte zurück zu Tufan. Der zirkelte die Kugel wunderschön aus der Distanz ins lange Eck (59.). Kurz danach hatte Yazici sogar die Chance auf das 4:0, sein Schuss von der Strafraumkante ging aber knapp am linken Pfosten vorbei (61.).
In der 63. Minute wurde ein Schuss im Strafraum von Haaland vom starken Söyüncü geblockt. In der letzten halben Stunde gelang es den Norwegern nicht, Offensivkraft zu entwickeln. In der 78. Minute schoss Ödegaard aus 18 Metern nach einem Flachpass direkt aufs rechte untere Eck, der türkische Torwart Ugurcan Cakir hielt stark. Bei der anschließenden Ecke kam Sörloth recht frei zum Ball, köpfte aber über die Latte.
In der Schlussphase nahm der eingewechselte Kristian Thorstvedt seiner Mannschaft die allerletzte Hoffnung auf einen Punkt. Wegen einer zu spät getimten Grätsche mit offener Sohle kassierte er die Rote Karte (80.). So gewann die Türkei auch das zweite WM-Qualifikationsspiel.

Die Stimmen:

Yusuf Yazici (Türkei): "Wir lieben es, als Team miteinander Zeit zu verbringen. Wir freuen uns immer, uns durch Läufe in der Abwehr gegenseitig zu helfen. Ich bin wirklich glücklich, Teil dieser Mannschaft zu sein."
Caglar Söyüncü (Türkei): "Letztes Jahr haben wir uns schon für die Europameisterschaft qualifiziert, jetzt kämpfen wir um einen Platz bei der Weltmeisterschaft. Da wollen wir dabei sein. Wir unterschätzen keinen Gegner, aber wir überschätzen auch niemanden. Das Ergebnis sieht man heute auf der Anzeigetafel. Ich bin sehr glücklich."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Norwegen setzt sich weiter für Menschenrechte ein

Zu Beginn der WM-Qualifikation hatte die norwegische Nationalmannschaft für ein deutliches Zeichen gegen Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2022 in Katar gesetzt. Vor dem Spiel gegen Gibraltar trugen die Spieler, während die Nationalhymnen gespielt wurden, weiße T-Shirts mit der Aufschrift "Human Rights. On and off the pitch". In Norwegen gibt es aktuell große Diskussionen darum, ob das Nationalteam im Falle einer Qualifikation für die Endrunde in Katar die WM boykottieren soll. Einige Vereine haben sich dafür ausgesprochen, der Verband hat eine Versammlung angekündigt, um das Thema anzusprechen. Gegen die Türkei legte die norwegische Nationalmannschaft nach. Weil Deutschland bei seinem WM-Qualifikationsspiel gegen Island ebenfalls eine Botschaft pro Menschenrechte sandte, stand diesmal auf den weißen T-Shirts der Norweger: "Human Rights. On and off the pitch. Norway, Germany, Next?". Eine klare Aufforderung an andere Verbände, sich dieser Haltung anzuschließen.

Die Statistik: 0

Ein Grund für den überraschend deutlichen Sieg der türkischen Nationalmannschaft war zum einen natürlich die starke Offensivleistung. Die Türken spielten technisch versiert und waren sehr effizient bei der Chancenverwertung. Zum anderen zeigte die Mannschaft von Nationaltrainer Senol Günes aber auch eine ganz starke Defensivleistung. Bester Beleg dafür: Superstar Erling Haaland hatte keine einzige größere Torchance. In der ersten Halbzeit war der Dortmunder komplett abgemeldet, in der zweiten Halbzeit blockte Söyüncü einen Schuss von Haaland. Auch Sörloth hatte bis auf seinen Pfostenschuss keine Großchance, die Kreise von Edeltechniker Martin Ödegaard wurden durch die türkische Defensive stark eingegrenzt.
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