Deutschland nach zwei Siegen auf dem Weg zur WM 2026: Die Gewinner und Verlierer der Spiele gegen Luxemburg und Nordirland
Update 14/10/2025 um 11:34 GMT+2 Uhr
Das hart erkämpfte 1:0 (1:0) der deutschen Nationalelf in Nordirland hat drei Punkte in der WM-Quali und einige Erkenntnisse für den Kader von Julian Nagelsmann gebracht. Auf wen der Bundestrainer mit Blick auf die restlichen Qualifikationsspiele im November sowie die WM 2026 setzt und warum sich Rüdiger, Mittelstädt, Stiller & Co. strecken müssen. Außerdem: ein sehnlichst erwartetes Comeback.
Fleiß zahlt sich aus: Nagelsmann lobt Torschütze Woltemade
Quelle: Eurosport
Man muss sich eben anpassen. Und in Belfast gegen diese unangenehm zu bespielende Mannschaft der Nordiren kann man in Schönheit sterben oder dagegenhalten. Das DFB-Team erledigte am Montagabend seinen Job im wenig königlich-vornehmen, sondern lautstarken Windsor Park und gewann dank des Schultertreffers von Nick Woltemade 1:0 (1:0).
Der dritte Sieg im vierten WM-Qualifikationsspiel - Haken dran. Deutschland bleibt Tabellenführer der Gruppe A, punktgleich mit der Slowakei, die einen 2:0-Heimsieg gegen Luxemburg holte. Somit kann Bundestrainer Julian Nagelsmann sein zweijähriges Jubiläum mit einem Erfolg feiern. Am 14. Oktober 2023 hatte er in Hartford 3:1 gegen Gastgeber USA gewonnen.
Zwei Jahre später war es in Nordirland ein ziemlicher K(r)ampf, eher Qual als Qualität. Man konnte von der Tribüne aus erkennen, wie erleichtert das DFB-Team den 1:0-Erfolg verbuchte. "Drei Punkte und ein wichtiger Schritt für die Tabelle in der Gruppe A. Es war schwer, ein ästhetisches Spiel auf den Platz zu bringen", gab Nagelsmann zu.
Seine Erkenntnis: "Wir können uns auf solche Spiele einlassen. Das ist ein wichtiger Lerneffekt und ein großer Schritt. Wenn wir in so einem Spiel ein, zwei Schritte weniger gehen, dann verlieren wir oder spielen unentschieden. Fußballerisch müssen wir uns entwickeln, aber es ging erst einmal um andere Tugenden."
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Tor nach Ecke: Nick Woltemade (M.) jubelt
Fotocredit: SID
DFB-Souvenirs aus Belfast: Blaue Flecken
Nordirland war bei Anpfiff in seiner 18.000-Mann-Heimspielstätte seit sieben Partien ungeschlagen. Jeder Ballgewinn, jedes Tackling wurde frenetisch gefeiert in der Festung Windsor Park, mitten in einem Wohngebiet im Südwesten von Belfast gelegen. Früh war klar: Das hier ist nicht Vergnügungssteuer-pflichtig. Als Souvenirs nahmen zahlreiche DFB-Kicker blaue Flecke mit von der Grünen Insel.
Nagelsmann setzte auf Konstanz und Rhythmus, brachte dieselbe Startelf wie beim 4:0 über Luxemburg am Freitag in Sinsheim - mit dem Bayern-Block, bestehend aus fünf Profis. Der Bundestrainer, das betonte er vor Anpfiff, "belohnte die erste Elf mit weiteren Einsatzminuten". Und wer dabei war bei diesem Länderspiel-Doppelpack im Oktober hat sich eine bessere Ausgangssituation für eines der WM-Tickets fürs kommende Jahr gesichert.
Bis zur Nominierung des Aufgebots nach Saisonende gibt es nur noch zwei Länderspiel-Fenster, eins im November (mit den abschließenden Qualifikationsspielen in Luxemburg und gegen die Slowakei) und eins im März.
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Zwei DFB-Gewinner: Joshua Kimmich und Nico Schlotterbeck
Fotocredit: Getty Images
"Der erste Schritt ist die Qualifikation", sagte Nagelsmann, "aber natürlich haben wir den Kader Richtung WM im Kopf. Wir müssen die Entwicklung der Spieler in den Klubs sehen. 15 oder 16 Spieler waren jetzt immer seit zwei Jahren dabei. Eine gewisse Kaderstruktur ist also zu erkennen."
Aber wer von den Feldspielern darf sich sicher sein? Wer muss sich dringend empfehlen? Die Gewinner und Verlierer der Oktober-Länderspiele.
Die Gewinner
Vor allem die fünf Bayern-Profis konnten weitestgehend ihre Topform aus dem Verein (zehn Siege in zehn Pflichtspielen) unter Beweis stellen. DFB-Kapitän Joshua Kimmich ist der Mann für alle Fälle, spielt als Doppelagent eine hybride Rolle aus Rechtsverteidiger und Sechser.
An seiner Seite hat sich Leon Goretzka bewährt, diesmal im Sechser-Duett mit Aleksandar Pavlovic, der im September nach seiner Verletzung in der Vorbereitung (Augenhöhlenbruch) nicht nominiert worden war. Ob denn beide nun im defensiven Mittelfeld jetzt erst einmal gesetzt seien, wurde Nagelsmann gefragt.
"Pavlo war super fleißig, sehr aktiv. Beide haben es gut gemacht, wenn sie es in den nächsten vier Wochen gut machen, dann ist die Chance da, dass sie wieder beginnen", sagte Nagelsmann mit Blick auf den November. Das Problem dabei: Weil Kimmich bei Bayern unter Trainer Vincent Kompany auf einer der beiden Sechser-Positionen spielt, kann es als Mittelfeld-Partner nur einen geben: Goretzka oder Pavlovic.
Serge Gnabry überzeugte gegen Luxemburg, ist aktuell mit seiner Erfahrung und "seiner Gier" (Nagelsmann) in der Zehner-Rolle gesetzt, bis Spielmacher Jamal Musiala nach seiner schweren Verletzung zurückkehrt - beim DFB setzt man auf März.
Innenverteidiger Jonathan Tah stabilisierte sich in Belfast sich nach dem wackligen Auftritt in der Slowakei deutlich. An seiner Seite überzeugte Nico Schlotterbeck. Der Dortmunder hatte in Belfast 106 Ballaktionen und 87 gespielte Pässe - die meisten aller Spieler auf dem Platz.
Er bestach mit seiner Zweikampf- und Kopfballstärke, aber auch als Spielgestalter von hinten heraus mit seinen Diagonalbällen. Schon vor den beiden Partien hatte Nagelsmann Schlotterbeck gelobt: "Er gibt uns einen herausragenden Spielaufbau, einen super Siegeswillen und endlich mal wieder einen linken Fuß hinten."
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Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck sind in der Innenverteidigung gesetzt
Fotocredit: Getty Images
Raum ist Nagelsmanns "emotionaler Leader"
Dazu kommen als Gewinner: David Raum als bissiger Linksverteidiger, der gegen Luxemburg per Freistoß sein erstes Länderspieltor erzielte und in Belfast die Ecke zum Siegtor schlug. Ihn bezeichnet Nagelsmann als "emotional Leader".
Ebenfalls seinen ersten Treffer im DFB-Trikot erzielte Nick Woltemade im sechsten Einsatz. "Man darf seine Entwicklung nicht ausblenden. Im September des vergangenen Jahres wurde er beim VfB Stuttgart nicht einmal für die Champions League gemeldet. Dann ist er in der Rückrunde durch die Decke gegangen", erinnerte Nagelsmann.
"Er ist ein Spieler, der noch viele Schritte gehen kann und wird. Nick sehe ich eher als hängende Spitze. Er war defensiv fleißiger als zuvor, dann fällt dir auch mal einer auf die Schulter und geht ins Tor", ergänzte der Bundestrainer.
Die Verlierer
Angesichts von zwei identischen Startelf-Aufstellungen (zuletzt unter Nagelsmann während der Gruppenphase der Heim-EM 2024) haben die Einwechselspieler oder Bankdrücker aktuell schlechtere Karten. Antonio Rüdiger, viele Jahre im Abwehrzentrum gesetzt, fällt erneut wegen einer Verletzung aus - und das "noch länger", so Nagelsmann.
Aktuell ist angesichts der Stärke von Tah/Schlotterbeck der Stammplatz von Rüdiger in weiter Ferne. Waldemar Anton gilt als ein ordentlicher Ersatzmann, Robin Koch aktuell nur die Nummer vier der Innenverteidiger.
Dank der verbesserten Auftritte von Raum ist der diesmal nicht berufene Maximilian Mittelstädt nur noch Raums Herausforderer. Im Mittelfeld waren die leichtfüßigen Künstler wie Angelo Stiller (auf der Sechs) und Nadiem Amiri (Achter oder Zehner) nicht gefragt, bekamen keine einzige Spielminute.
Felix Nmecha belegt im Sechser-Ranking nur noch die Nummer vier, Routinier Robert Andrich dient als Spezial-Agent für Aufräumer-Auftritte wie in der Schlussphase von Belfast.
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Für Antonio Rüdiger ist der Stammplatz in der Nationalmannschaft derzeit weit entfernt
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Nagelsmann sehnt Comeback von Havertz herbei
In der Offensive sucht der Neu-Liverpooler Florian Wirtz angesichts seiner Anpassungsprobleme an die Premier League weiter seine Form, wird jedoch von Nagelsmann bedingungslos unterstützt. Hinter Woltemade ist Jonathan Burkardt lediglich ein Platzhalter, bis die verletzten Mittelstürmer Niclas Füllkrug oder Tim Kleindienst zurückkehren.
Da der Bundestrainer das Comeback des variableren Kai Havertz (Nagelsmann: "Er kann vorne alles spielen") herbeisehnt, wird wohl neben Woltemade nur einer des Trios Füllkrug, Kleindienst und Burkardt mit zur WM reisen.
Außenstürmer Karim Adeyemi muss stabiler und treffsicherer werden, Maximilian Beier ist als Joker eine Kader-Alternative für die Flügel. Wie auch Jamie Leweling. Vermisst eigentlich jemand Leroy Sané, der seit seinem Wechsel in die türkische Liga zu Galatasaray Istanbul nicht mehr eingeladen wurde?
Es sei schließlich "keine Wallfahrt, sondern Leistungssport, den ich bewerte", so Nagelsmann.
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