Drei Dinge, die beim Deutschland-Sieg in Nordirland auffielen: DFB-Team überlebt den Hexenkessel
Deutschland hat den Positivtrend fortgesetzt und in der WM-Qualifikation den dritten Sieg in Folge eingefahren. Den 1:0-Erfolg in Nordirland hatte sich das Team von Julian Nagelsmann dabei wie erwartet hart erarbeiten müssen. Während die Atmosphäre bei den DFB-Stars einen bleibenden Eindruck hinterließ, bestätigte Nick Woltemade mit seinem Premierentreffer zwei Trends. Drei Dinge, die auffielen.
Fleiß zahlt sich aus: Nagelsmann lobt Torschütze Woltemade
Quelle: Eurosport
Nicht schön, aber erfolgreich. Die deutsche Nationalmannschaft hat das erwartet schwere Spiel in Belfast gegen giftige Nordiren gewonnen und einen großen Schritt Richtung Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 gemacht.
Der 1:0-Erfolg war ein Arbeitssieg unter schwierigen Bedingungen. Am Ende musste die DFB-Elf gegen aufopferungsvoll kämpfende Hausherren sogar zittern. "Es war heute nicht möglich, brasilianisch zu spielen", sagte "RTL"-Experte Lothar Matthäus: "Aber das Wichtigste ist die Tabelle."
Und in der hat Deutschland den ersten Platz mit nun neun Punkten nach vier Spielen gefestigt. Die direkte WM-Teilnahme hat die Mannschaft von Julian Nagelsmann nach nun drei Siegen in Folge wieder in der eigenen Hand.
"Mund abwischen", meinte der Bundestrainer, der nicht nur viel Kampf sah, sondern auch weitere Erkenntnisse sammeln konnte. Drei Dinge, die im Windsor Park auffielen.
1.) Woltemade bestätigt zwei Trends
Der Knoten ist geplatzt! Nachdem Nick Woltemade gegen Luxemburg noch mehr oder weniger in der Luft gehangen hatte, avancierte er in Belfast mit seinem Premierentreffer zum Matchwinner – und bestätigte damit gleich zwei Trends.
Denn wie bereits bei zwei seiner drei Tore in der Premier League für seinen neuen Klub Newcastle United, war Woltemade aus der Luft erfolgreich. Auch wenn es diesmal gar nicht der Kopf, sondern eher die Schulter war, mit der der 1,98 Meter-Schlaks den Ball nach einer Ecke von David Raum ins nordirische Tor bugsierte.
"Das war sehr wichtig für mich persönlich", zeigte sich Woltemade nach seinem ersten Treffer im sechsten Anlauf erleichtert: "Meine Spiele waren bisher nicht ganz so glücklich. Passend, dass es heute mit der Schulter passiert ist."
Was ebenfalls passte: Dass der entscheidende Treffer einmal mehr aus einem Standard resultierte. Ein weiterer neuer Trend. Fünf von acht DFB-Toren in der WM-Qualifikation fielen nach einem ruhenden Ball. Kein Zufall.
"Ich will nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern, aber wir arbeiten schon sehr viel an Standards und sprechen viel darüber", sagte Woltemade: "Es ist schön zu sehen, dass wir daraus Tore schießen können. Das macht uns unberechenbarer."
Lob für Woltemade gab es auch vom Bundestrainer: "In den letzten beiden Spielen war er defensiv fleißiger als zuvor", sagte Nagelsmann: "Dann fällt auch mal einer von der Schulter ins Tor."
2.) Deutschland übersteht Tollhaus Windsor Park
"Verlieren verboten", hatte Nagelsmann bereits im Vorfeld als Devise ausgegeben und gleichzeitig vor diesem Spiel gewarnt.
Was er meinte, wurde bereits in den ersten Minuten deutlich. 18.000 Fans im Windsor Park waren gefühlt so laut wie 180.000 und machten das kleine Stadion in Belfast zu einem wahren Hexenkessel. Wie schwierig es ist, in Nordirland zu gewinnen, zeigt auch die Statistik: Seit Oktober 2023 hatte die "Green & White Army" keine Heimniederlage mehr hinnehmen müssen.
Eine Atmosphäre, die auch bei den DFB-Akteuren Eindruck hinterließ. "Die Stimmung ist einzigartig. Chapeau an alle, die da waren", sagte Verteidiger Raum, der sich im positiven Sinne anstecken ließ und auf seiner linken Seite bis zur Erschöpfung aufrieb - dabei aber auch ordentlich einstecken musste.
"Heute hat man nicht nur drei Punkte mitgenommen, sondern auch den ein oder anderen blauen Fleck", analysierte Ex-BVB-Coach Edin Terzic im "RTL"-Studio die raue Gangart der Partie.
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David Raum rieb sich in Zweikämpfen gegen die Nordiren immer wieder auf
Fotocredit: Getty Images
Jede Ecke, jede Grätsche wurde von den nordirischen Fans gefeiert wie ein eigenes Tor. Viele kreative Ideen hatte die Mannschaft von Trainer Michael O'Neill wie erwartet nicht, dafür zeigte sie Wille und Herz – und brachte die deutsche Mannschaft in der Schlussphase ordentlich ins Zittern. Oliver Baumann musste in der 88. Minute gegen Callum Marshall in höchster Not retten. "Sie haben Deutschland einen richtigen Fight geliefert", lobte Matthäus.
Am Ende waren die DFB-Stars froh, die eklige Auswärtsaufgabe unbeschadet überstanden zu haben. "Es war ein einziger Kampf und ging nur ums Ergebnis, wir wollen alle zum Turnier", bilanzierte Kapitän Joshua Kimmich, der erneut als Rechtsverteidiger zum Einsatz kam: "Wir haben unsere Ausgangsposition komplett geändert und jetzt alles in der eigenen Hand, das ist das, was wir wollten. Das war für uns als Gruppe ein wichtiger Sieg."
3.) Schlotterbeck gibt dem deutschen Spiel eine neue Dimension
Einer, dem die hitzige Atmosphäre im Windsor Park ebenfalls gefiel, war Nico Schlotterbeck. "Es hat Spaß gemacht. Viele Zweikämpfe, viele Kopfballduelle. Ein dreckiger, aber ein wichtiger Sieg", sagte der Innenverteidiger, der dieses Mal über die volle Distanz ran durfte. Gegen Luxemburg war Schlotterbecks Belastung nach überstandener Meniskusverletzung noch gesteuert worden.
Dass er eine große Bereicherung für das deutsche Spiel ist, war in Belfast unverkennbar. 106 Ballaktionen und 87 gespielte Pässe waren die meisten aller Akteure auf dem Platz. Schlotterbeck war nicht nur defensiver Anker, sondern auch Spielgestalter.
Immer wieder schaltete er sich im linken Halbraum in die Offensive mit ein oder versuchte mit seinen präzisen Diagonalbällen auf die rechte Seite schnell das Spiel zu verlagern. Fähigkeiten, die dem DFB-Team auf dieser Position zuletzt gefehlt hatten.
Seine Chance hat der 25-Jährige in den beiden Spielen gegen Luxemburg und in Nordirland auf jeden Fall genutzt. Sogar mehr als das: Passiert nichts Unvorhergesehenes, dürfte Schlotterbeck auf der Position des linken Innenverteidigers für die nahe Zukunft gesetzt sein.
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