Norwegen ballert sich zur WM - warum Haaland, Ödegaard, Sörloth und Co. nicht nur Italien das Fürchten lehren
England, Spanien, Frankreich? Norwegen! Die Skandinavier von Ex-Köln-Coach Staale Solbakken sorgen mit einem Jahr voller Siege in der WM-Qualifikation für Furore. Angeführt von Erling Braut Haaland eilen die Wikinger von Gala zu Gala und machen dabei auch nicht mehr vor großen Gegnern wie Italien Halt. Blickt man auf den offensiv bockstarken Kader, kommt das auch nicht von ungefähr.
Erling Braut Haaland umarmt Antonio Nusa (beide Norwegen)
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Erling Haaland hielt nach dem abermals überzeugenden Heimsieg den Ball erstmal schön flach. "Das war ein weiterer Schritt auf unserem Weg", sagte der Kapitän am Samstag nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Israel: "Wir kommen unserem Ziel näher, aber wir müssen cool bleiben."
Anhand der politisch motivierten Vorkommnisse rund ums Spiel geriet der sportlich astreine 5:0 (3:0)-Erfolg der Norweger in der internationalen Betrachtung fast schon ein wenig in den Hintergrund.
Zu Unrecht, muss man sagen, spielen die Mannen von Trainer Staale Solbakken doch die bisher beste Qualifikation aller europäischen Teilnehmer - und entfachen damit in der Heimat eine ungeahnte Euphorie.
"Verbreiten Sie die Nachricht! Norwegen ist auf dem Weg zur Weltmeisterschaft", titelte die Tageszeitung "VG" am Sonntag auf ihrer Homepage - Zeuge eines neuen Selbstbewusstseins.
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Erling Haaland (l.) erzielt in der WM-Quali gegen Israel einen Hattrick
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Neun Siege in Serie - Norwegen eskaliert komplett
Seit der verpassten Qualifikation für die EM 2024, in der man Spanien und Schottland unterlegen war, haben die Norweger nämlich nur ein einziges Pflichtspiel (1:5 am 13. Oktober 2024 in der Nations League in Österreich) verloren.
Seither eskalierte das Team des Ex-Kölners Solbakken so richtig: Neun Länderspielsiege in Folge lassen die "Lövene" (Löwen) von der ersten Turnierteilnahme seit der EM 2000 träumen.
Gehörte Norwegen mit den WM-Auftritten 1994 und 1998 sowie bei der EURO 2000 mit Spielern wie Tore André Flo, Kjetil Rekdal, Henning Berg, Öyvind Leonhardsen oder Erik Mykland noch zur europäischen Elite, folgte eine mittlerweile 25-jährige Durststrecke.
Der Tiefpunkt war dabei nur Platz vier in der Qualifikation für die WM 2014 hinter der Schweiz, Island und Slowenien. In der Nations League startete man 2018/19 gar nur in Liga C; in der nun fünften Ausgabe 2026/27 wird man nun aber als erneuter Aufsteiger erstmals in Liga A vertreten sein.
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So spielte Norwegen in der WM-Qualifikation gegen Israel
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9:0 und 11:1 - Norwegens Offensive liefert
Keine Frage: Seit Solbakken im März 2021 das Ruder übernahm, ist bei den Wikingern ein stetiger Aufwind zu verzeichnen, der sich in einigen respektablen Ergebnissen bemerkbar machte. Schon 2022 fertigte man Armenien in einem Testspiel 9:0 ab. In der Nations League 2022/23 besiegte man den Nachbarn Schweden zweimal (2:1/3:2), in der Nachfolge-Ausgabe 2024/25, die man als Sieger der Liga B abschloss, dann Österreich zuhause 2:1.
Im letzten Jahr ging der Knoten dann so richtig auf: Neun Siege in Folge, sechs davon zu null, darunter in der WM-Qualifikation Italiens "Spiel der Schande" (3:0) und ein Schlachtfest gegen Moldawien (11:1).
Mit blütenweißer Weste prangt Norwegen in der Qualifikationsgruppe I so mit 18 Punkten und einem Torverhältnis von 29:3 (+26) vor Italien unangefochten auf Platz eins.
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Norwegen-Trainer Stale Solbakken (r.) mit Erling Braut Haaland
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Nur noch ein Sieg bis zur WM
Vor allem die astronomische Tordifferenz ist hierbei hervorzuheben, weil sie vor dem direkten Vergleich gewertet wird. Heißt: Gewinnen die Wikinger ihr nächstes Spiel am 13. November zuhause gegen Estland, ist die direkte WM-Qualifikation quasi fix; egal, wie dann die letzte Partie bei den in Sachen Torverhältnis mit 18:8 (+10) deutlich schlechter abschneidenden Italienern ausgeht.
"Im norwegischen Fußball läuft es derzeit rund: Die Klubs präsentieren sich stark in Europa, und auch die Nachwuchsnationalteams qualifizieren sich regelmäßig für große Turniere", sagt Asbjörn Myhre von Eurosport Norwegen: "Das ist das Ergebnis jahrelanger, konsequenter Aufbauarbeit – vor allem dank der Professionalisierung unserer Nachwuchsakademien."
Blickt man auf den Kader der Norweger, kommen die Erfolge aber auch nicht von ungefähr. Allen voran steht natürlich Haaland, der in mittlerweile 46 Länderspielen auf aberwitzige 51 Tore kommt. In der aktuellen Quali traf er in jeder Partie, in den letzten zwei Spielen achtmal und insgesamt zwölffach, was ihn unangefochten an der Spitze der WM-Quali-Torjägerliste stehen lässt.
Top-Stars neben Haaland
Neben dem Stürmerstar von Manchester City, der für Norwegen seit kurzem als "Braut Haaland" aufläuft, hat Stolbakken in Alexander Sörloth (Atlético Madrid), Antonio Nusa (RB Leipzig), Oscar Bobb (Manchester City), Jörgen Strand Larsen (Wolverhampton) und dem Ex-Frankfurter Jens Petter Hauge (Bodö/Glimt) weitere starke Offensivkräfte zur Verfügung. Orchestriert wird das normalerweise vom aktuell verletzten Martin Ödegaard (FC Arsenal), Sander Berge (FC Fulham) sichert dahinter ab.
"Offensiv war Norwegen noch nie so stark besetzt – so viele Spieler von internationaler Klasse hatten wir noch nie. Das ist einer der Schlüssel", sagt Eurosport-Experte Myhre: "Außerdem ist Solbakken ein exzellenter Menschenführer. Er sorgt dafür, dass auch die großen Stars seine Ideen mittragen. Er hat das Beste aus der norwegischen Tradition – stabile Defensive, Raumdeckung, gefährliche Konter – beibehalten, aber der Mannschaft zusätzlich Selbstvertrauen im Ballbesitz vermittelt. Das kommt Spielern wie Martin Ödegaard entgegen, die das Spiel gerne lenken und gestalten."
In der Viererkette hat Julian Ryerson (Borussia Dortmund) rechts den prominentesten Namen. Innenverteidiger Kristoffer Ajer (FC Brentford) und Linksverteidiger David Möller Wolfe (Wolverhampton) sind zumindest Premier-League-erprobt. Mit der Offensive kann der Kader hier aber nicht mithalten.
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Julian Ryerson.
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Torhüter als Schwachstelle
"Als Norwegen sich 1994 und 1998 für die WM qualifizierte, basierte der Erfolg auf einer enorm soliden Defensive – mit Spielern wie Rune Bratseth oder Kjetil Rekdal", meint Myhre zum Gefälle zwischen Offensive und Defensive im Kader: "Damals war die Mannschaft ohne Ball am stärksten. Das ist heute anders. Defensivpatzer haben uns zuletzt sogar die EM-Qualifikation gekostet."
Als echte Schwachstelle verbleibt die Torhüterposition, wo Solbakken zuletzt immer noch dem Ex-Ingolstädter- und Leipziger Oldie Örjan Nyland (35) das Vertrauen schenkte, obwohl dieser beim FC Sevilla nur noch Ersatzkeeper ist. "Das bereitet schon etwas Sorge", so Myhre, der in Norwegens Kader neben einem herausragenden Innenverteidiger vor allem eine "klare Nummer eins mit internationalem Renommee" vermisst.
Wohl auch deswegen und gebrandmarkt von jüngsten Quali-Ereignissen, als Norwegen hintenraus noch bessere Platzierungen verspielte, traut man in der Heimat dem Bra(a)ten nicht so recht. "In den vergangenen 25 Jahren hat Norwegen so viele Qualifikationen verpasst, dass viele Fans immer noch Angst haben, es könnte wieder schiefgehen. Doch aktuell sieht es wirklich gut aus", sagt Myhre.
Der formidable Auftritt gegen Israel gab jedenfalls ein Stück mehr Gewissheit. "Ein Tag der Freude, es war magisch", meinte Sörloth. Zur Belohnung gab es Döner und den Partybefehl von Trainer Solbakken: "Ich habe gesagt, dass ich enttäuscht bin, wenn heute nicht alle ausgehen. Das haben sie sich verdient."
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Quelle: Perform
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