Sardar Azmoun von Bayer Leverkusen exklusiv: Darum trat ich 2018 aus der iranischen Nationalmannschaft zurück

Sardar Azmoun war mit seinen Toren hauptverantwortlich dafür, dass der Iran sich für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland qualifizierte. Während des Turniers sah sich der einst gefeierte Held allerdings mit Anfeindungen konfrontiert, vier Tage nach dem Vorrundenaus zog er einen Schlussstrich. Im exklusiven Interview mit Eurosport spricht er über die Gründe für seine Entscheidung.

Beleidigungen: Bayer-Star Azmoun erklärt exklusiv Iran-Rücktritt 2018

Quelle: Eurosport

Im Rahmen der neuen Doku-Serie "World At Their Feet" von Warner Bros. Discovery in Partnerschaft mit dem "Olympic Channel" sprach Azmoun im Vorfeld der WM 2022 in Katar exklusiv mit Eurosport.
"Die Qualifikation für die WM war damals der Lohn für unsere Mühen", sagt Azmoun. "Wir waren alle froh und hatten nur das Ziel, den Menschen eine Freude zu machen."
Doch das Vorhaben scheiterte, die iranische Nationalmannschaft musste sich nach einem Sieg über Marokko (1:0), einer knappen Niederlage gegen Spanien (0:1) und einem Remis gegen Portugal (1:1) vorzeitig aus dem Turnier verabschieden.
"Wir waren nicht auf dem Niveau von Spanien oder Portugal, gegen Marokko haben wir zwar gewonnen, aber sie waren viel besser als wir", erinnert sich der Angreifer, der seit Anfang dieses Jahres beim Bundesligisten Bayer Leverkusen unter Vertrag steht.
Azmoun, aufgrund seiner elf Tore in 14 Qualifikationsspielen noch gefeiert, blieb während der Endrunde ohne Treffer – und fiel in der Heimat in Ungnade. Der damals 23-Jährige wurde Ziel von Beleidigungen in den Sozialen Medien.

Azmoun über Rücktritt: "Habe es für meine Familie getan"

"Die Leute haben uns keine Wertschätzung entgegengebracht. Das hatte einen großen Einfluss auf mich. Die Unbarmherzigkeit wirkte sich auch auf meine Familie aus", sagt er. Vor allem seine Mutter litt demnach gesundheitlich unter den Anfeindungen. Grund genug für Azmoun, nur vier Tage nach dem WM-Aus seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt zu geben.
"Viele dachten damals, ich hätte mich aus emotionalen Gründen zurückgezogen. Doch die Wahrheit ist, ich habe es wegen meiner Familie getan", so Azmoun. Bereits kurz nach seinem Rücktritt hatte der Torjäger, der seinerzeit für Rubin Kasan spielte, den schlechten Gesundheitszustand seiner Mutter als Anlass aufgeführt.
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Sardar Azmoun bei der WM 2018

Fotocredit: Getty Images

"Meine Mutter hat eine schwere Krankheit überwunden, worüber ich glücklich war. Aber unglücklicherweise wurde ihre Krankheit wegen der Unfreundlichkeit mancher Leute, und der auf diese Art nicht verdienten Beleidigungen gegen mich und meine Teamkollegen, ernster. Ich musste wählen, und ich habe meine Mutter gewählt", lauteten seine Worte Ende Juni 2018.

Azmoun solidarisiert sich mit Frauenbewegung

Mittlerweile schnürt der Werkself-Profi, der aktuell nach überstandenem Muskelfaserriss an seinem Comeback arbeitet, wieder die Schuhe für die iranische Nationalmannschaft. Im Rahmen der jüngsten WM-Quali zeichnete er mitverantwortlich für die Teilnahme an der anstehenden Endrunde in Katar (sechs Tore in zehn Partien).
Eine Nominierung für das Turnier stand dennoch bis zuletzt in den Sternen. Der Grund: Azmoun hatte sich in einem Instagram-Beitrag mit der Frauenbewegung in seinem Heimatland solidarisiert. "Schämt Euch alle, wie leichtfertig Menschen ermordet werden. Lang leben die iranischen Frauen", schrieb er mit Blick auf die landesweiten Demonstrationen, die im Zuge des Todes der jungen Iranerin Mahsa Amini aufgekommen waren.
Azmoun weiter: "Wegen der Regeln der Nationalmannschaft dürfen wir nichts sagen, aber ich kann kein Schweigen mehr ertragen. Die ultimative Bestrafung wäre, dass sie mich aus dem Team werfen, was aber ein kleines Opfer im Vergleich zu jeder einzelnen Haarsträhne einer iranischen Frau wäre."

Mahsa Amini als Leitfigur der Proteste

Amini war Mitte September von der iranischen Sittenpolizei in Teheran festgenommen worden, weil sie ihren Hijab (obligatorische Kopfbedeckung für Frauen im Iran) nicht richtig getragen hatte. Kurz nach ihrer Inhaftierung starb die 22-Jährige. Während die iranische Regierung jede Schuld von sich weist und auf eine angebliche Vorerkrankung pocht, führen viele den Tod auf Polizeigewalt zurück.
Amini wurde zur Leitfigur der Proteste, die sich gegen das islamistische, undemokratische Mullah-Regime richten. Der repressive Staat reagiert seither mit Härte. Laut Einschätzungen von Menschenrechtlern bezahlten inzwischen mehr als 300 Menschen den Kampf für Freiheit mit ihrem Leben, 14.000 weitere Menschen seien bislang festgenommen worden.
Neben Azmoun hatten sich jüngst viele weitere prominente iranische Sportler mit den Demonstrierenden solidarisiert. Der frühere Bayern-Profi Ali Daei soll nach Angaben der kurdischen Menschenrechtsorganisation Hengaw wegen der Teilnahme an einer Trauerkundgebung für Amini festgenommen worden sein. Ali Karimi, ebenfalls einst für den deutschen Rekordmeister aktiv, droht wegen seiner Unterstützung der Regimegegner eine Haftstrafe.

Über World At Their Feet:

In der Doku-Serie "World At Their Feet" von Warner Bros. Discovery in Partnerschaft mit dem "Olympic Channel" kommen elf Fußballer zu Wort, die nach ihrem Olympia-Traum nun auch bei der WM 2022 in Katar auflaufen. Die Folgen sind auf discovery+ und Eurosport.de zu sehen.
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Quelle: Eurosport

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